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Diabetes auf der Spur Mit Slip im Weltraumei

Bei seinen Studien zur Zucker-Krankheit wird das Deutsche Institut für Ernährungsforschung von zahlreichen Probanden unterstützt, die sich in den Dienst der Wissenschaft stellen. In einer für Deutschland einzigartigen Art und Weise wird hier experimentelle Grundlagen- mit klinischer und epidemiologischer Forschung kombiniert

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Im „Bod Pod“ wird am Dife unter anderem die Muskelmasse von Oliver Ladewig bestimmt

Quelle: Christel Köster

Potsdam. E

„Das ist eine Sache, die sinnvoll ist“, sagt er zu seinem Engagement als Proband bei der Aufklärung ernährungsbedingter Erkrankungen zu helfen. Materiell gesehen ist die Aufwandsentschädigung, die ihm sein periodischer Einsatz einbringt, kaum der Rede wert. Aber er kennt die Einschränkungen, die Menschen mit Diabetes in Kauf nehmen müssen, aus der Verwandtschaft. Den Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen, wiegt mehr.

Ladewig ist nur einer der vielen Probanden, die sich am Dife bei Studien zur Bedeutung von Bewegung, bewusster Ernährung und zum Teil auch Wirkstoffen für Prävention, Umgang und Therapie von Blutzuckererkrankungen zur Verfügung stellen. 400 solcher Mitstreiter sind es allein bei aktuellen Untersuchungen zu Diabetes. Rund 1000 gehören insgesamt zum Repertoire.

Prävention und gesundes Altern

Neben ausgewiesenen Studien zu Diabetes ist das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (Dife) mit 320 Mitarbeitern (120 Wissenschaftler) in die Koordination und Durchführung einer Reihe weiterer, teils international angelegter Untersuchungen eingebunden. Sie befassen sich auch mit der Zucker-Krankheit befassen. So konnte kürzlich die „Nako“ als größte Gesundheitsstudie Deutschlands sozusagen Halbzeit vermelden.

Von 10 000
Nako-Teilnehmern beim vom Dife geleiteten Studienzentrum auf dem Benjamin-Franklin-Campus in Berlin war die Hälfte untersucht worden. Bundesweit sollen bis Ende 2018 insgesamt 200 000 Menschen in 18 Studienzentren umfassend gecheckt und weiter 20 bis 30 Jahre lang beobachtet werden, um Ursachen, Früherkennung und Prävention weit verbreiteter Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-/Kreislaufproblemen oder Demenz zu erkunden.

Der Vorstand des Dife, Prof. Dr. Tilman Grune, hat zudem die Leitung des Forschungsprojekts „Nutri-Act“ übernommen, an dem über 50 Forschungseinrichtungen und Unternehmen beteiligt sind. Projektziel ist, den Gesundheitsstatus der Bevölkerungsgruppe „50plus“ zu verbessern. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland konzentriert sich Nutri-Act darauf, neue Ernährungsstrategien zu finden, die ein gesundes Altern unterstützen.

Basis für Studien zu Diabetes ist auch die sogenannte Epic-Studie, bei der 27 548 Teilnehmer vom Dife langfristig untersucht werden, um den Einfluss der Ernährung auf Erkrankungen zu erforschen.

415 Millionen Menschen sind weltweit derzeit nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO von der Zivilisationskrankheit betroffen. Allein in Deutschland geht das Robert-Koch-Institut von 6,7 Millionen aus. „Tendenz steigend“, wie der Leiter der Abteilung Klinische Ernährung am Dife, Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, feststellt. Jahr für Jahr sollen nach Erkenntnissen von Fachleuten in der Bundesrepublik 300 000 neue Patienten hinzukommen. Brandenburg gehört zu den Bundesländern mit den höchsten Betroffenenquoten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Weltweit steigt die Zahl der Übergewichtigen mit Tendenz zu Zucker besonders in Schwellenländern rapide an. „Unsere Ernährungs- und Verhaltensratschläge erreichen leider nur bestimmte Schichten“, weiß Pfeiffer.

Mehr als 270 Teilnehmer sind derzeit in Rehbrücke allein an der Prädiabetes Lebensstil Interventionsstudie (PLIS) beteiligt. Hier wird untersucht, in welchem Maß eine Umstellung des Lebensstils mit einer ausgewogeneren Ernährung und mehr körperlicher Betätigung das Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes einschränken kann. „Die richtigen Lebensmittel und mehr Bewegung können die Gefahr einer entsprechenden Erkrankung entscheidend mindern“, weiß Pfeiffer.

Die zweite derzeit am Dife laufende spezielle Studie zur Zuckererkrankung ist die Deutsche Diabetes-Studie mit rund 100 Teilnehmern, bei der untersucht wird, wie sich eine Diabetes-Erkrankung im Langzeitverlauf entwickelt. So können auftretende Warnzeichen für spätere schwerwiegende Komplikationen frühzeitig entdeckt werden.

Eiweißreiches Essen hemmt Zucker-Krankheit

Um die größeren, länger andauernden Studien ranken sich jede Menge kleinere Untersuchungen gerichtet speziell auf einzelne Aspekte der Zuckererkrankung. Dabei konnte etwa erst kürzlich bei einem Projekt zu bereits bestehenden Diabetes herausgefunden werden, dass besonders eiweißreiches Essen innerhalb von nur sechs Wochen das Leberfett bei Betroffenen um bis zu 48 Prozent abschmelzen lassen kann – egal, ob die Kost vorwiegend auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basierte. Die Fettleber wird als erheblicher Schrittmacher von Diabetes angesehen und geht schnell in eine Leberzirrhose über, die lebensbedrohliche Folgen haben kann. Das risikoreiche Zusammenspiel von Haushaltszucker in allen möglichen Lebensmitteln mit einem im Darm produzierten Hormon in Bezug auf Diabetes war ebenso schon Thema eines Probanden-Projekts.

In einer für Deutschland einzigartigen Weise wird am Dife experimentelle Grundlagen- mit klinischer und epidemiologischer Forschung kombiniert, um neue Präventionsstrategien und Therapiemethoden für ernährungsassoziierte Erkrankungen wie Diabetes zu entwickeln. Auf wissenschaftlicher Basis können so auch Nahrungsempfehlungen gegeben werden. Dabei untersuchen die Forscher mit epidemiologischen Methoden die Beziehungen zwischen Ernährung, Lebensstil, biochemischen sowie genetischen Markern und dem Auftreten des Typ-2-Diabetes. Die verschiedenen beteiligten Abteilungen sind ins Deutsche Zentrum für Diabetesforschung integriert. Darüber hinaus hat das Institut einen auch in der Fachwelt geachteten Diabetes-Risiko-Test entwickelt, mit dem die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung innerhalb der nächsten fünf Jahre ermittelt werden kann.

Von Gerald Dietz

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