Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
FIT & GESUND 2018 Rücken leidet unter psychischem Druck
Anzeigen & Märkte FIT & GESUND 2018 Rücken leidet unter psychischem Druck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:53 24.03.2017
Gymnastik gehört zu den Standardtherapien bei psychosomatischen Rückenschmerzen. Hinzu kommen psychologische Gespräche. Quelle: Heinrich-Heine-Klinik
Potsdam

Nicht immer sind die Ursachen chronischer Rückenschmerzen zwischen Hals- und Lendenwirbeln zu suchen. Sehr häufig verbergen sich die eigentlichen Hintergründe im Kopf. Stress, Depressionen, psychische Probleme im Familienleben oder Traumata durch akute, seelisch belastende Erlebnisse machen nicht selten im Kreuz auf sich aufmerksam. „Bei chronischen Rückenschmerzen lassen sich letztlich organische Befunde eigentlich nur bei gut zehn Prozent der Fälle finden“, weiß Dr. Barbara Lieberei, Chefärztin der Heinrich-Heine-Klinik in Potsdam. Bei der Mehrzahl der verbleibenden neun von zehn Fällen dürften indes psychosomatische Ursachen eine umfangreiche Rolle spielen.

Mehr als 300 Patienten hat das idyllisch auf einer Halbinsel gelegene Klinikum, das als größtes Fachzentrum für Psychosomatik und stationäre Psychotherapie in Berlin-Brandenburg gilt. Rund 60 Ärzte, Psychologen und Therapeuten kümmern sich um die Leiden der Erkrankten, die sehr oft mit Schmerzen einhergehen. Die Aufenthalte der Patienten sind bestimmt durch medizinische Untersuchungen, psychologische Einzel- und Gruppen-Gespräche, Ergotherapien, Entspannungstraining und diverse Bewegungsprogramme. Auch so exotisch anmutende Heilansätze wie Genusstraining gibt es in der Heinrich-Heine-Klinik, weil bei vielen Patienten dieses Belohnungssystem offenbar nicht mehr richtig funktioniert.

Wenn Rückenschmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten und das ohne erkennbare körperliche Ursache, wird es für den Rückenschmerzpatienten schwierig. Oft liegt bereits eine Odyssee an mehr oder minder erfolglosen Arztbesuchen hinter ihm. „Ein Teufelskreislauf hat begonnen“, sagt Lieberei. Das Leben sei bestimmt vom Schmerz, Bewegung werde aus falscher Vorsicht heraus vermieden und oft komme noch der Griff zu Medikamenten hinzu, die möglicherweise nicht unerhebliche Risiken für Schädigungen an anderer Stelle in sich bergen.

Ganzheitlicher Ansatz

Die Heinrich-Heine-Klinik in Potsdam verfügt über insgesamt 315 Behandlungsplätze. Rund 170 Angestellte, darunter 60 Ärzte, Psychologen und Fachärzte sorgen für medizinische und therapeutische Kompetenz mit einem ganzheitlichen Ansatz, der eine gleichberechtigte Behandlung körperlicher Symptome und seelischer Probleme zum Ziel hat.

Für eine psychosomatische Rehabilitation sind rund fünf Wochen angesetzt. Die meisten Rehabilitationen werden von der Rentenversicherung finanziert. Bewilligungen werden inzwischen wesentlicher freizügiger gehandhabt als früher, weil die Erkenntnis gewachsen ist, das alles andere die Sozialsysteme wesentlich teurer kommen würde.

Ein großer Anteil der Behandelten sind letztlich Schmerzpatienten. Stress, Depressionen und Ängste bilden als eigentliche Ursache der Beschwerden den Schwerpunkt.

Der Weg zu einem Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie ist auch dann noch kein einfacher. Eine gewisse Skepsis von Spezialisten für den Bewegungsapparat wie Orthopäden bei chronischen Rückenschmerzen an die Kollegen zu überweisen, sei immer noch spürbar, so Lieberei. „Die verzweifelte Suche nach einer organischen Ursache steht aber auch bei den Patienten im Vordergrund“, so die Fachärztin für psychosomatische Medizin. Viele Patienten würden sich mit dem möglichen Verweis auf psychische Ursachen durch den behandelnden Arzt schlicht mit ihrer Erkrankung nicht mehr ernst genommen fühlen. Schließlich ist das Seelenleben nichts, was man sehen oder greifen kann.

Haben die Erkrankten den Weg zu einer Psychotherapie dann letztlich doch gefunden, ist die Behandlung psychosomatischer Rückenschmerzen komplex. Meist steckt nicht nur ein Auslöser hinter den Beschwerden. Körperliche Vorgänge lassen sich nur schwer von der Psyche trennen, beide beeinflussen sich gegenseitig. Andauernder seelischer Druck sei es in der Familie, im Job oder Studium wird vielfach nicht ausreichend abgebaut. Zeitmangel und Antriebslosigkeit führen dazu, dass der nötige Ausgleich durch Sport oder Bewegung an der frischen Luft fehlt. Die Folge: Der Druck sorgt anderweitig für Abbau, lastet auf der Körperhaltung, führt zu verspannten Schulterpartien und anderen schmerzhaften Verkrampfungen.

Auch am Beginn einer psychosomatischen Reha, wie sie an der Heinrich-Heine-Klinik praktiziert wird, steht zunächst einmal eine Untersuchung nach organisch, neurologischen Symptomen. Die Erkundung psychischer Ursachen ist dann schon wesentlich komplexer. Lieberei: „Wir haben es ja nicht mehr mit einem lokalen Geschehen zu tun.“ So vielfältig sind dann auch die Therapieansätze in der Heinrich-Heine-Klinik – seelischer als auch körperlicher Art. Medizinische Symptome und seelische Probleme werden gleichberechtigt behandelt.

Neben den rein psychologischen Aspekten reicht die Palette von Funktionstraining über Wassergymnastik, Massagen und Qi Gong bis hin zu Bogenschießen und Drachenbootfahren.

Von Gerald Dietz

Anzeige