Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Beschreiben nützt nichts, ansehen!

Nofretete in Berlin Beschreiben nützt nichts, ansehen!

Sie ist eine der schönsten und teuersten Frauen der Welt: Nofretete. Seit zehn Jahren ist die berühmte Büste der Pharaonin wieder auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. Bedingt durch den Krieg, hat das 300 Millionen Euro teure Stück eine wahre Odyssee hinter sich. Ein US-Forscher hofft indes auf "die größte archäologische Entdeckung aller Zeiten".

Voriger Artikel
„Mit Vattenfall leidet auch unsere Stadt“
Nächster Artikel
Inklusion: Ärger über zu große Klassen

Die Büste der Nofretete.

Quelle: dpa

dpa. Es waren Sicherheitsvorkehrungen wie für eine Bande Schwerverbrecher: Genau zehn Jahre ist es her, dass die weltberühmte Büste der Nofretete nach mehr als 60 Jahren im "Exil" scharf bewacht auf die Berliner Museumsinsel zurückkehrte. "Dieser Tag ist für uns das Ende der Nachkriegszeit", jubelte der damalige Direktor des Ägyptischen Museums, Dietrich Wildung.

Mehr als eine Million Besucher pro Jahr
Seither lockt die rätselhafte Pharaonengattin Jahr für Jahr mehr als eine Million Bewunderer an. "Die Büste der Nofretete ist in den über hundert Jahren, die sie mittlerweile in Berlin ist, zu einer Ikone der Berliner Museen geworden, die Berliner und Besucher aus aller Welt fasziniert", sagt der Präsident der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger.
"Die Schöne ist gekommen", heißt Nofretete übersetzt. Mit ihrem ebenmäßigen Gesicht und dem geheimnisvoll entrückten Lächeln gilt sie als die wohl schönste Frauenskulptur der Welt. Eine Versicherung schätzte sie schon vor Jahren auf einen Wert von 300 Millionen Euro.

Von Ludwig Borchardt 1912 entdeckt
Die mehr als 3000 Jahre alte farbige Büste wurde 1912 weitgehend unversehrt bei Ausgrabungen im ägyptischen Amarna von dem deutschen Archäologen Ludwig Borchardt in der Werkstatt des Hofkünstlers Thutmosis entdeckt. " Arbeit ganz hervorragend. Beschreiben nützt nichts, ansehen ", notierte der Altertumsforscher am 6. Dezember in sein Grabungstagebuch.

Insgesamt wurden in Amarna, dem einstigen Herrschersitz von König Echnaton und seiner Gemahlin, mehr als 10 000 Fundstücke geborgen. Bei der damals üblichen Fundteilung erhielt die deutsche Seite als Finanzier der Grabungen mit anderen Schätzen auch die Nofretete. So kam die Schöne, mit Brief und Siegel vertraglich abgesichert, nach Berlin.

Erstmals 1924 öffentlich ausgestellt
Doch außer einigen Auserwählten sieht das gemeine Volk sie erst nach der Schenkung durch Mäzen James Simon 1924 bei einer Ausstellung - und ist elektrisiert. Die Menschen stehen Schlange, die Frauen schminken sich wie sie und wollen selbst auch so zart, kühl und fast knabenhaft sein.

Seit 1939 "auf Wanderschaft"
1939 hat der Kult ein jähes Ende, eine wahre Odyssee beginnt. Wegen des Krieges wird das Neue Museum geschlossen, Nofretete kommt nach Angaben von Museumsdirektorin Friederike Seyfried unter der Obhut der Reichsbank in den Berliner Zoo-Bunker , später in einen Tresor und kurz vor Kriegsende mit anderen wichtigen Kulturgütern in das Thüringer Salzbergwerk Kaiseroda .
Die siegreichen Amerikaner bringen sie 1945 in ihren "Central Collecting Point" in Frankfurt . Erst 1956 kehrt sie über eine Zwischenstation in Wiesbaden nach Berlin zurück. Dort ist sie ab 1967 im Ägyptischen Museum in der Nähe von Schloss Charlottenburg zu sehen, ehe sie an jenem 12. August 2005 auf die inzwischen zum Unesco-Welterbe erhobene Museumsinsel zurückkehrt. Der ägyptische Botschafter Mohamed Al-Orabi nennt sie bei der Feier "die schönste und beliebteste ständige Vertreterin Ägyptens in Deutschland".
Doch auch der Standort im Alten Museum ist vorläufig. Erst 2009 findet Nefertiti, wie sie bei den Engländern heißt, nach der Renovierung des Neuen Museums durch den britischen Stararchitekten David Chipperfield ihren endgültigen Platz. Seither residiert sie hinter schusssicherem Glas im Kuppelsaal des preisgekrönten Neuen Museums - trotz ihrer nur 47 Zentimeter erhaben und ehrfurchtgebietend.

Ägypten will seine Schönste zurück

Dass die Schöne überhaupt in Berlin stehen darf, war keineswegs immer klar. Schon nach der ersten Ausstellung 1924 forderte Ägypten die Büste zurück. Später sorgte der inzwischen abgesetzte Antikendirektor Zahi Hawass, Ägyptens "Indiana Jones", mit seinen publikumswirksamen Rückforderungen immer wieder für Aufsehen.
Mit Hinweis auf den Teilungsvertrag stellte der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zur Ausstellungseröffnung aber nochmals klar: «"ie Büste der Nofretete ist unzweifelhaft und zu Recht im Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie gehört uns allen."

Rätsel und neue Theorie zu Nofretetes Mumie
Um das Grab der legendären ägyptischen Königin gibt es neue Spekulationen. Der britische Archäologe Nicholas Reeves hat Anhaltspunkte gefunden, dass hinter der 1922 entdeckten Grabkammer des Pharao Tutanchamun im ägyptischen Tal der Könige noch zwei weitere Grabstätten liegen könnten - eine davon die von Nofretete.
Der Forscher der US-Universität Arizona verweist dabei auf mögliche Mauerdurchbrüche an den Wänden, die durch eine spätere Bemalung übertüncht wurden. Entdeckt hat er sie auf kürzlich veröffentlichten, hochauflösenden Bildern des Tutanchamun-Grabes mit dem Kürzel KV62.
Die mögliche nördliche Kammer stamme aus einer Zeit vor dem berühmten Kindkönig (um 1330 v. Chr.) und könnte das "ungeplünderte Grab" der Nofretete sein, schreibt der Wissenschaftler in einem Aufsatz für das Forschungsprojekt zur ägyptischen Ausgrabungsstätte Amarna.
Die britische Wochenzeitung "The Economist" zitierte Reeves mit den Worten: "Wenn ich falsch liege, liege ich falsch. Aber wenn ich recht habe, könnte es vielleicht d ie größte archäologische Entdeckung aller Zeiten sein ." Auch deutsche Zeitungen berichteten über seine Annahmen.
Das Grab des Tutanchamun galt schon bei seiner Entdeckung durch den Briten Howard Carter 1922 als Sensation , weil es relativ unversehrt war und unschätzbare Grabbeigaben enthielt. Über die letzte Ruhestätte von Nofretete dagegen und die verwandtschaftliche Beziehung der beiden gibt es zahlreiche Spekulationen.
So hat zwar eine DNA-Untersuchung ergeben, dass die Mumie der sogenannten Younger Lady aus dem Tal der Könige die Mutter von Tutanchamun sein soll. Ob es sich dabei aber um Nofretete, die Gemahlin von König Echnaton handelt, ist sehr umstritten.
Das Ägyptische Museum Berlin, das seit 1920 die weltberühmte Skulptur der schönen Pharaonengattin besitzt, will sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen. "Hundertprozentig sicher wären wir erst, wenn wir einen Sarg finden, auf dem der Name von Nofretete steht – und selbst dann könnte der Leichnam noch später umgebettet worden sein", sagt Vizedirektorin Zorn. "Uns fehlen einfach zu dieser Fragestellung konkrete Inschriften aus der Zeit." dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg