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Brandenburg 14 Meter Verantwortung im Rückspiegel
Brandenburg 14 Meter Verantwortung im Rückspiegel
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17:05 13.11.2017
Sicher auch bei allen Witterungen: Auf der Teststrecke in Linthe müssen die Busfahrer auf alles vorbereitet sein. Quelle: Sascha Böhnke
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Linthe

Früher sah der Geschicklichkeitstest für Busfahrer so aus: Sie mussten einen vollen Eimer Wasser im Fahrgastraum transportieren – ohne zu kleckern. Mittlerweile hat ein Tennisball, der – ähnlich einem Golfball – auf einem Plastikfüßchen neben dem Armaturenbrett ruht, den Eimertest ersetzt. Purzelt er hinunter, gibt es Strafpunkte.

Stefan Behrendt aus Lehnin (Potsdam-Mittelmark) sitzt auf dem Fahrersitz eines noch nach Fabrik riechenden Mercedes-Linienbusses. An einer simulierten Haltestelle muss der 42-Jährige stoppen. Noch sitzt der Ball. Auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums in Linthe hat der Busfahrer mit 22 weiteren Teilnehmern um den Titel „Deutschlands bester Busfahrer“ gekämpft. Brandenburgs Nummer 1 ist er geworden. Bundesweit landet er auf Platz 9.

Stefan Behrendt aus Lehnin ist Brandenburgs bester Busfahrer. Unter anderem musste er die Prüfung mit einem Tennisball auf einem Kunststoffring lösen. Beides ist direkt neben seiner Hand zu sehen. Quelle: Christin Iffert

Leute wie er sind gefragt: „Dass der Fernbusmarkt liberalisiert wurde, hat Wettbewerb gebracht“, sagt Behrendt. Allerdings sei es schwierig, Mitarbeiter zu finden – Busfahrer ist in Zeiten brummender Konjunktur für viele Menschen kein Traumjob. Der 42-jährige Behrendt leitet den „buteo“-Busservice in Lehnin. Immer, wenn einer seiner 20 Mitarbeiter ausfällt, setzt er sich selbst hinters Steuer. Als er vor 20 Jahren seinen Busführerschein machte, war er landesweit der Jüngste. Rund 800 Busfahrer gibt es in privaten Unternehmen in Brandenburg, schätzt Ulrich Mehlmann vom Brandenburgischen Omnibusverband – und sie werden älter. „Dem altersbedingten Ausscheiden steht eine geringe Zahl an Bewerbern gegenüber“, fasst die Fachbereichsleiterin für Ausbildungen, Sylvana Karpe, von der Industrie- und Handelskammer Potsdam zusammen. Im Schnitt werden in ihrem Kammerbezirk jährlich acht Berufskraftfahrer für den Personenverkehr geprüft, bei nur fünf Ausbildungsbetrieben in Brandenburg. Unberechenbare Arbeitszeiten und vergleichsweise geringe Bezahlung lassen den „Fachkräftemangel immer problematischer werden“, sagt Mehlmann.

„Dass der Fernbusmarkt liberalisiert wurde, hat Wettbewerb gebracht“, sagt Stefan Behrendt. Quelle: Christin Iffert

Olaf Conrad aus Brandenburg an der Havel fährt seit 37 Jahren Bus. Weil es ihm im Stadtverkehr zu langweilig wurde, ist er bei Stefan Behrendt als Mitarbeiter eingestiegen und fährt nun im Reise- und Fernverkehr – München, Ostsee, mit Rentnern oder Schülern. Er schaut nach links und rechts in die Spiegel eines 20-Meter-Gelenkbusses mit vier Achsen. Es piept draußen, als er im Rückwärtsgang gegen die Zeit rangiert. „Im normalen Verkehr muss man mit allem rechnen“, sagt er. „Immer hast du hinter dir noch weitere 14 Meter, auf die du achten musst“. In Linthe testet Conrad Können und Erfahrung aus. Am Ende landet er im Mittelfeld auf Platz zwölf. Doch Busfahren, das ist ihm wichtig, ist nicht nur das Lenken. „Man muss mit Menschen umgehen können“, sagt er. Die Fahrgäste seien kritischer geworden. „Gäste fragen, ob die Busse in Ordnung und wir ausgeschlafen sind“, sagt Olaf Conrad. Grundsätzlich sei der Umgang mit den Busfahrern aber sehr respektvoll – zumindest, wenn es um die Fahrgäste geht. Andere Verkehrsteilnehmer hingegen, sind manchmal zum Fürchten. Lastwagenfahrer schauten mitunter TV beim Fahren, machten sich Stullen oder hingen am Handy – und scherten nicht selten überraschend aus.

Olaf Conrad aus Brandenburg an der Havel fährt seit 37 Jahren Bus. Er meint, dass man als Busfahrer Leidenschaft für den Beruf braucht. Quelle: Christin Iffert

Mit der Zunahme von Fernbusreisen ist auch die Zahl der Unfälle von 990 (2014) auf 1012 (2016) gestiegen. So kamen bei einem Busunglück auf der A 9 im Sommer 18 Menschen bei Münchberg ums Leben. Unfallursache: Unaufmerksamkeit. Bei einem Unfall auf der A 24 verunglückte im September ein Reisebus. Der Fahrer stand unter Medikamenteneinfluss.

So etwas kommt für Olaf Conrad nicht infrage. „Ich achte penibel auf die Gesundheit. Wenn ich krank bin, dann geht die Sicherheit aller vor“, sagt der 56-Jährige. Darauf legt auch Chef Behrendt Wert. „Wir versuchen regelmäßig unsere Fahrer zu sensibilisieren: Bis wann bin ich überhaupt fahrtüchtig?“, erklärt der 42-Jährige. Die mediale Aufmerksamkeit hält Mehlmann indes für überzogen. „Der Unfall auf der A 9 ist tragisch und wird zurecht aufgegriffen“, sagt er. Dass aber alle anderen Fahrgäste sicher ans Ziel kommen, werde nicht geschrieben.

Von Christin Iffert und Andreas Koska

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