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Brandenburg 22 Brandenburger warten auf ein neues Herz
Brandenburg 22 Brandenburger warten auf ein neues Herz
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00:21 04.11.2017
Der deutsche Organspendeausweis. Quelle: dpa
Potsdam

Die Zahl der Organspender in Brandenburg ist dieses Jahr drastisch zurückgegangen. Seit Januar haben nur 14 Brandenburger Organe gespendet. Im vergangenen Jahr gab es in den ersten neun Monaten noch 26 Spenderinnen und Spender. Dies vermeldet die Techniker Krankenkasse (TK). Sie bezieht sich auf Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Auch bundesweit spenden immer weniger Menschen Organe. Laut DSO selbst gingen die Zahl der Spenden von 1200 Organspenden im Jahr 2011 auf 857 im Jahr 2016 zurück. Aber in Brandenburg ist der Rückgang in diesem Jahr besonders auffällig.

Mehr Patienten als Spender

415 Brandenburger warteten im ersten Halbjahr 2017 auf eine Organspende. Davon hofften die meisten auf eine Spenderniere. Es waren insgesamt 352 Brandenburger. 31 Betroffene benötigten eine neue Leber, 22 ein neues Herz, elf eine Lunge und elf eine Bauchspeicheldrüse.

10 000 Menschen waren Bundesweit auf der Warteliste von Eurotransplant registriert.

Transplantiert wurden im vergangenen Jahr bundesweit genau 2094 Nieren, davon fast 600 von Lebendspendern, außerdem 888 Lebern, 328 Lungen, 297 Herzen und 97 Bauchspeicheldrüsen.

Die Zahl der wartenden Patienten war stets höher als die Zahl der Spenderorgane. 2016 gab es zum Beispiel 1254 Nierenpatienten „zu viel“. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation betont, wie belastend der Rückgang der Organspenden für solche Patienten und ihre Angehörige ist.

Johannes Albes, Chefarzt der Abteilung Herzchirurgie im Herzzentrum Brandenburg, bestätigt den Trend. „Es gab in den vergangenen Jahren einen stetigen Abfall der Transplantationszahlen. Dafür gibt es mehrere Gründe.“ Ein wichtiger Grund sei die Gesetzeslage in Deutschland. Die erfordere die Zustimmung der Angehörigen bei einem möglichen Spender. „Das Votum wird in der Praxis immer eingeholt, auch bei einem vorliegendem Organspendeausweis.“ Wenn die Angehörigen trotz Organspendeausweis dagegen seien, werde auf die Organentnahme verzichtet. Klinikärzte seien in der schwierigen Situation eines klinischen Todes kaum dazu bereit, sich noch mit den Angehörigen über Organspende auseinanderzusetzen. Ein zweiter Grund seien die verwirrenden Vorstellungen über das, was der Hirntod eigentlich bedeute.

„Wenn ein Mensch ansonsten noch rosig und durchblutet daliegt, entsteht für viele Menschen ein Unbehagen, ob dieser Mensch tatsächlich tot ist.“ Dieses Unbehagen schrecke potenzielle Spender, aber auch die Verwandten eines Hirntoten ab. In Brandenburg schließlich könnte nach Ansicht von Albes noch ein weiterer Grund eine entscheidende Rolle spielen: „Viele Patienten sind über die Organspende schlecht informiert.“ Zum Beispiel wüssten sie oft gar nicht, dass auch Knochenmark oder der Darm für die Medizin wertvoll seien.

Es sei eines, von der Krankenkasse eine dicke Broschüre nach Hause geschickt zu bekommen, aber ein anderes, mit dem vertrauten Hausarzt über die Möglichkeiten von Organspende zu sprechen. „Gerade die Brandenburger in den ländlichen Regionen sind immer mehr von der medizinischen Betreuung abgehängt.“ Die fehlende Beratung durch den eigenen Hausarzt könne möglicherweise ein Grund sein, warum gerade in Brandenburg die Spendebereitschaft so stark gesunken sei.

Erfahrungen am Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann scheinen diese Vermutung zu bestätigen. Dort nehmen der Privatdozent Dirk Pappert und seine Mitarbeiter die Funktion eines Transplantationsbeauftragten wahr. Dieses Team und andere Ärzte nehmen sich „immer wieder die Zeit, um Angehörige über das sensible Thema Organspende aufzuklären“, sagt Kliniksprecherin Damaris Hunsmann. Im Ergebnis hatte das Potsdamer Klinikum im vergangenen Jahr neun Organspender vorzuweisen. „Wir entwickeln uns also gegen den allgemeinen Trend“, so Hunsmann.

Obwohl im Bernauer Herzzentrum selbst keine Transplantationen vorgenommen werden, erfährt der Chefarzt Johannes Albes dort unmittelbar die Folgen des Rückgangs. „Die Transplantationszentren sind in großer Not“, sagt Albes. Viele Patienten, die durch Empfehlung des Herzzentrums Brandenburg auf die Warteliste gelangten, bekämen nicht mehr rechtzeitig ein Organ und müssten sterben. Das belaste auch Klinikärzte wie ihn. Albes selbst wünscht sich deshalb eine gesetzliche Änderung. In Ländern wie Italien, Österreich, Spanien und Frankreich gelte jeder als potenzieller Spender, der nicht ausdrücklich die Spendebereitschaft verweigert habe: „Dort sind die Transplantationsstatistiken viel besser als in Deutschland“, so Albes.

Das brandenburgische Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass trotz des negativen Trends in Umfragen inzwischen rund drei Viertel der Bevölkerung Organspende eher positiv bewerten. Allerdings setzte nur ein Drittel diese positive Einstellung in einen Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung um. „Aufklärungs- und Werbekampagnen zeigen offensichtlich noch keine ausreichende Wirkung“, sagt Sprecherin Marina Ringel. Die Information der Bevölkerung müsse deshalb auch in Brandenburg fortgesetzt werden.

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Von Rüdiger Braun

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