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24-Jähriger verteidigt ICE-Geiselnahme

Überdosis Tabletten im Knast 24-Jähriger verteidigt ICE-Geiselnahme

Im November 2014 dreht ein junger Mann bei einer Fahrkartenkontrolle in einem ICE kurz vor Nauen (Havelland) durch. Er zückt eine Schreckschusspistole, schießt um sich und stellt wirre Forderungen. Kurze Zeit später wird er überwältigt. Jetzt steht er in Berlin vor Gericht. Der Vorwurf: Nötigung des Bundespräsidenten.

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Der Angeklagte David S. hinter Panzerglas.

Quelle: dpa

Berlin. Ein 24-jähriger Mann muss sich seit Freitagvormittag vor dem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts wegen Geiselnahme und Nötigung des Bundespräsidenten verantworten.

Dem Angeklagten aus Baden-Württemberg wird vorgeworfen, im November 2014 im ICE von Berlin nach Hamburg den Zugchef mit vorgehaltener Schreckschusspistole gezwungen zu haben, ein Schreiben mit politischen Forderungen an die Führung der Bahn telefonisch weiterzugeben.

Der Angeklagte soll mit der Waffe auch mehrere Passagiere bedroht und in einen Sitz geschossen haben. Zudem soll er eine halbe Million Euro gefordert haben. In einem ersten Prozessanlauf in Potsdam wurde dem Verdächtigen volle Zurechnungsfähigkeit bescheinigt.

Zu den ausführlichen Details vom Prozess>>

Laut Anklage wurde in dem Schreiben gefordert, dass Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf einer Pressekonferenz die Anerkennung Palästinas als Staat verurteilen.

Der Prozess begann unter schweren Sicherheitsvorkehrungen. Der Angeklagte saß mit Handschellen gefesselt hinter Panzerglas.

Angeklagter gesteht und verteidigt seine Tat

Der Angeklagte hat die Tat gestanden und zugleich verteidigt. Er habe zwar sein Ziel nicht erreicht, ein politisches Zeichen zu setzen, aber die Tat halte er für gerechtfertigt, sagte der Mann am Freitag vor dem Kammergericht in der Hauptstadt.

Der 24-Jährige ist bereits vorbestraft. Unter anderem wegen eines Sparkassenüberfalls und weil er einen Pfleger in der Psychiatrie angegriffen hatte. Bevor er den Plan fasste, einen Zug zu kapern, um politische Forderungen zu stellen, lebte er in einer betreuten Wohngemeinschaft.

Mehrere Suizidversuche

David S. gilt als vollschuldig, obwohl er seit Jahren psychiatrisch behandelt wird. Wie jetzt zudem heraus kam, musste David S. in der Untersuchungshaft in Brandenburg an der Havel intensiv-medizinisch behandelt werden.

Der junge Mann, der schon mehrere Suizidversuche hinter sich hat und Antidepressiva nimmt, hatte sich offenbar in der Untersuchungshaft 15 seiner Tabletten angespart und dann auf einen Schlag zu sich genommen. Kurze Zeit später sei er bewusstlos aufgefunden worden und habe intensiv-medizinisch behandelt werden müssen, hieß es.

Das Gericht hält einen Suizidversuch für denkbar, der Angeklagte bestreitet indessen, dass er sich habe töten wollen. „Ich konnte nicht gut schlafen, war aufgewühlt, wollte einfach mal durchpennen“, sagte er. Die Tabletten seien schwach dosiert gewesen. „Ich weiß ganz genau, dass 15 Tabletten nicht ausreichen.“

Von MAZonline

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