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Brandenburg 245-mal Abitur mit Traumnote 1,0 in Brandenburg
Brandenburg 245-mal Abitur mit Traumnote 1,0 in Brandenburg
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00:19 13.07.2018
Beim Abitur 2018 galten bundeseinheitliche Standards in den Kernfächern. Quelle: dpa
Potsdam

Besser geht‘s nicht: 245 Schüler aus Brandenburg haben in diesem Jahr ihr Abitur mit der Traumnote 1,0 geschafft. Damit erhielten die Bestnote rund 2,5 Prozent aller 9731 Prüflinge, die das Abitur im Schuljahr 2017/2018 an Gymnasien, Gesamtschulen, beruflichen Gymnasien und Schulen des Zweiten Bildungswegs erfolgreich bestanden haben. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Quote der Spitzenleistungen sogar noch überboten werden. 2017 erreichten 233 Schüler diese Traumnote. Diese Quote hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Der Anteil der 1,0er-Abis stieg binnen zehn Jahren von 1,56 Prozent auf aktuell 2,52 Prozent.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) lobte die märkischen Spitzenschüler. „Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von großer Anstrengung und enormem Fleiß.“ Zugleich bedankte sie sich bei den Lehrern, die ihre Schüler „so engagiert begleitet und unterstützt haben.“

Die Statistik der Kultusministerkonferenz belegt seit Jahren einen stetigen Anstieg der Bestnoten. So hat sich in Brandenburg der Abi-Schnitt innerhalb eines Jahrzehnts von 2,48 im Jahr 2006 auf 2,28 im Jahr 2016 verbessert. Die Traumnote von 1,0 wurde im Jahr 2008 von 125 Schülern erreicht, zehn Jahre später von 245 Schülern. Sind also die Schüler schlauer geworden oder die Prüfungen einfacher?

Die besten, aber keine Genies

Kathrin Wiencek, die Vorsitzende des Philologenverbands Brandenburg, hat darauf eine Antwort. „Die Schüler sind nicht schlauer oder dümmer als vor zehn Jahren.“ Aber die Bedingungen hätten sich definitiv vereinfacht. So sei mit der Einführung zentraler Abiturprüfungen und der Vereinheitlichung von Prüfungen das Niveau der Aufgaben gesunken.

Wiencek unterrichtet Mathematik an einem Gymnasium in Bad Belzig und beobachtet vor allem in diesem Fach, dass die Aufgaben in den vergangenen zehn Jahren leichter geworden sind. Zwar sei es zuletzt auch wieder etwas anspruchsvoller geworden, trotzdem warnt sie vor einer Inflation der guten Noten bei den Abiturprüfungen. „Schüler mit einem Eins-Nuller-Abitur sind zwar die besten ihres Jahrgangs, ob sie damit kurz vor dem Genie sind, wage ich zu bezweifeln.“

Dass die wirklich herausragenden Schüler bei der Vielzahl sehr guter Abschlüsse gar nicht mehr zu erkennen sind, weist die Landesregierung zurück. „Die These, dass die Abi-Ergebnisse im Schnitt fast überall seit Jahren immer besser werden, lässt sich mit der Abiturstatistik nicht erhärten“, sagt Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. So habe sich die landesweite Abiturdurchschnittsnote in den Jahren 2008 bis 2011 bei Werten zwischen 2,3 und 2,4 eingependelt. Dies seien normale statistische Schwankungen, die keine Rückschlüsse zulassen. Auch die Quote der Einser-Abis würde seit Jahren variieren. „Ob sich aus den schwankenden Werten ablesen lässt, dass die Prüfungen angeblich immer leichter werden, ist fraglich“, so Kotsch.

„Die Aufgaben sind anders geworden, ob sie leichter sind, ist empirisch bisher nicht hinreichend untersucht worden“, sagt Andreas Borowski, Direktor des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung an der Universität Potsdam. Die Abiturnote berechne sich jedoch nicht nur aus den schriftlichen und mündlichen Prüfungen. Der Anteil der schriftlichen Prüfungen liege bei unter 30 Prozent. So habe die Qualifikationsphase mit ihren schriftlichen und sonstigen Beteiligungen am Unterricht einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtnote. „Wenn Lehrer einen Schüler über zwei Jahre hinweg konstant mit sehr guten Leistungen bewerten, ist es durchaus nachvollziehbar, wenn dieser später mit einer 1,0 glänzt.“

Auch ist laut Borowski die Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen zwischen den Schulen durch die zentralen Aufgaben etwas besser. Nun entwickelt nicht mehr der eigene Lehrer die Prüfungsaufgaben, sondern eine zentrale Stelle.

Abi-Aufgaben wurden geklaut

So hat Brandenburg bei den diesjährigen Abiturprüfungen mit sieben anderen Bundesländern gemeinsam entwickelte Aufgaben oder Aufgabenteile in den drei Kernfächern Englisch, Deutsch und Mathematik genutzt. Bisher steht es jedem Land frei, in welchem Umfang es auf die gemeinsamen Abituraufgaben zugreift.

Der länderübergreifende Abitur-Aufgabenpool, mit dem die Kultusminister das Abitur in Deutschland als gerechter und vergleichbarer anpreisen, würde keine echte Vergleichbarkeit bringen, kritisieren Lehrerverbände. „Wenn alle Schüler bundesweit das gleiche Abitur schreiben würden, wäre es vergleichbar, doch nur ein Bruchteil der Aufgaben stammt aus dem gemeinsamen Pool“, sagt die Vorsitzende vom Philologenverband. Auch aus anderen Gründen habe man schlechte Erfahrungen mit den Aufgaben aus dem gemeinsamen Pool gemacht.

So waren Diebe in diesem Jahr vor den Abitur-Prüfungen in ein niedersächsisches Gymnasium eingebrochen. Mehrere Bundesländer –darunter Brandenburg – mussten ihre Matheaufgaben austauschen. Bereits 2017 war ein Tresor an einem Stuttgarter Gymnasium aufgebrochen worden, in dem auch Abituraufgaben lagerten. Länder wie Berlin und Brandenburg waren deshalb gezwungen, die Mathe-Aufgaben für die Abi-Prüfung auszutauschen.

Von Diana Bade

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