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300-Kilo-Walherz fliegt von Guben nach Kanada

Anatomische Präparate 300-Kilo-Walherz fliegt von Guben nach Kanada

Seltene Fracht mit viel Herz: Ein riesiges Blauwalherz wurde in Brandenburg seit Ende 2015 als Ausstellungsstück präpariert. Der Aufwand dafür ist so gigantisch wie das Objekt. Jetzt ist das 300 Kilogramm schwere, mannshohe Präparat fertig plastiniert und kommt zurück nach Kanada.

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Ein Blick in die Herzkammer eines plastinierten Walherzens, aufgenommen am 05. Mai 2017 in Guben (Brandenburg).

Quelle: dpa

Guben. Ein Blauwalherz so groß wie ein Mensch. An einem Metallständer ist das präparierte Riesenorgan befestigt. Rund 300 Kilogramm wiegt es. Mit einer Kettenkonstruktion hebt ein Gabelstapler das Präparat an, in einer Halle ist eine große Holzkiste vorbereitet. Zollbeamte kommen am Freitag nach Südbrandenburg zur Gubener Plastinate GmbH von Leichenpräparator Gunther von Hagens und inspizieren die seltene Fracht. In der nächsten Woche soll das Blauwalherz mit einem Lastwagen abgeholt und dann von Frankfurt am Main nach Kanada geflogen werden, wie Projektbetreuerin Anja Woitke sagt. Das Royal Ontario Museum in Toronto will als Auftraggeber das Objekt in einer Ausstellung zeigen.

2014 waren mehrere tote Blauwale an der Küste der kanadischen Insel Neufundland entdeckt worden. Zwei von ihnen durfte das Museum in Toronto für wissenschaftliche Arbeiten nutzen. Die Kanadier schickten das Herz des Blauwals Ende 2015 nach Brandenburg.

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In Guben wurde knapp anderthalb Jahre lang ein gigantisches Herz eines Wals plastiniert – nach Unternehmensangaben ein weltweit einmaliges Vorhaben. Nun ist das Objekt fertig und geht auf Reisen. Der Blauwal war 2014 an der Küste Neufundlands verendet. Bilder aus dem Plastinarium

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In der Kleinstadt Guben an der Grenze zu Polen gibt es seit 2006 die Plastinate-Werkstatt in einer ehemaligen Tuch- und Hutfabrik. Es entstehen anatomische Plastinate aus menschlichen Körpern und Tieren. Mehr als 90 Prozent von diesen werden nach früheren Unternehmensangaben für Universitäten weltweit produziert. Bekannt sind die Plastinate vor allem durch von Hagens’ umstrittene „Körperwelten“-Ausstellungen.

Aktuelle Ausstellung in Brandenburg

Die anatomische Ausstellung „Körper“ – Die Lehre der Toten gastiert derzeit in Brandenburg.

Mehr als 200 Exponate zeigen unter anderem konservierte menschliche Körpern, Organe und Moulagen.

In Luckenwalde ist die Ausstellung noch bis zum 7. Mai zu sehen im Communication Center im Biotechnologie Park 4 (CBB).

Vom 12. bis 14. Mai ist sie im Theater Schwedt zu sehen.

Die Termine für Prenzlau sind der 20. und 21. Mai in der Uckerseehalle.

Infos hält die Website bereit: http://www.koerper-ausstellung.com

Das Walherz wurde nach Unternehmensangaben entwässert und entfettet. Hinzu kamen wiederum Dutzende Liter Kunststoff in rot und blau, um Adern und Gefäßteile aufzufüllen und farblich abzusetzen. Das Riesenherz fühlt sich gummiartig an. Es ist rund 1,70 Meter groß. Als das Organ angeliefert wurde, wog es laut Woitke 180 Kilogramm - jetzt sind es rund 120 Kilo mehr.

Für diese Dimension eines Präparates musste die Plastinate-Werkstatt extra neue Technik anschaffen, damit das Herz gekühlt werden und in einer Lösung liegen konnte. Genutzt wurde laut Woitke auch Präparationstechnik für einen Elefanten, der von der Firma zu einem früheren Zeitpunkt einmal in China bearbeitet worden war.

Die Plastinate-Werkstatt in Guben in Zahlen

2006 öffnete die Plastinate-Werkstatt des umstrittenen Leichenpräparators Gunther von Hagens in der südbrandenburgischen Kleinstadt Guben (Spree-Neiße).

Pro Monat können im Durchschnitt etwa fünf Ganzkörper-Plastinate von menschlichen Leichen hergestellt werden. Die Zahl variiert aber, weil auch Einzel-Körperteile präpariert werden.

Die Zahl der registrierten Körperspender , die sich nach dem Tod plastinieren lassen würden, belief sich Ende 2016 auf etwa 16.500.

Die Zahl der Mitarbeiter ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Insgesamt arbeiteten für den Standort Guben Ende vergangenen Jahres 70 Mitarbeiter (davon 15 in Heidelberg, die aber keine Plastinate herstellen). Im Jahr 2011 waren es noch insgesamt 43 Mitarbeiter.

Die Zahlen stammen von der Gubener Plastinate GmbH, Institut für Plastination.

Als das Herz in Guben ankam, lag es bereits mehr als ein Jahr in einer Lösung. Die Herstellungskosten beziffert das Gubener Unternehmen auf gut 200 000 Euro. Dass es mehr als ein Jahr dauerte, bis das präparierte Herz dann fertiggestellt war, liege an den langen Prozessen der Entwässerung und Entfettung. Werden diese verkürzt, treten Schrumpfungen am Objekt auf, wie Woitke erläutert.

Für den Zoll ist die Fracht auch eine Seltenheit. Weil Kanada ein Drittland (außerhalb EU) ist, sind bestimmte Formalitäten für eine Ausfuhr notwendig. Dazu zählen Anmeldungen und Bescheinigungen, wie das Hauptzollamt Frankfurt (Oder) erläutert. Woitke zufolge sind es inzwischen so viele Unterlagen, dass mit dem Walherz ein ganzes Buch unterwegs sein wird.

Von Anna Ringle

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