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3000 Menschen haben es satt

Großdemo in Potsdam gegen Massentierhaltung 3000 Menschen haben es satt

"Wir haben es satt!" Rund 3000 Menschen haben am Sonntag in Potsdam für eine Abkehr von der Massentierhaltung und für mehr Tier- und Umweltschutz protestiert. Auch Ärzte waren unter den Demonstranten, denn das Fleisch von Masttieren kann für Menschen gefährlich werden.

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Großdemo gegen Massentierhaltung in Potsdam.

Quelle: Ralf Hirschberger

Potsdam. „Wir sind hier und wir sind laut, weil man Tierfabriken baut“, rufen die Kinder im Chor. Ein Mann im schwarzweißen Kuhkostüm tönt durchs Megafon: „Eine Kuh braucht Heu und Gras und nicht den Monsantofraß!“

„Wir haben mit 1000 Leuten gerechnet“, sagt ein Polizist, der neben dem Protestzug her läuft. Doch beim Blick auf die mit einem Meer von grünen und türkisfarbenen Luftballons bedeckte Breite Straße in der Potsdamer Innenstadt räumt er ein, dass hier viel mehr Menschen gegen Massentierhaltung ihre Stimme erheben. 1500 bis 2000 Protestler könnten es schon sein, meint der Polizist. Am Ende werden es 3000 sein.

Schweinemastanlage Haßleben, „Landgrabbing“, also der Landkauf im großen Stil von ausländischen Investoren, die Chancenlosigkeit von Ökobauern gegenüber den Produzenten von Energiepflanzen – das sind die Themen der Demonstration, die am Sonntag in Potsdam unter dem Motto „Wir haben es satt“ stattfand. Neu ist der Frust über Tierfabriken nicht. Die bunte Koalition aus ökologisch bewegten Landwirten, Imkern, Natur- und Tierschützern hat die Auswüchse industrieller Landwirtschaft schon lange „satt“.

Im Januar gingen in Berlin zur Grünen Woche 30000 Menschen unter diesem Motto auf die Straße. In Potsdam wurde der Protestzug nun vom Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg auf die Beine gestellt, das passend zur Landtagswahl ein Umsteuern in der Landwirtschaftspolitik fordert. Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte sich schließlich mehrfach als Fan industrieller Mastanlagen positioniert.

„Wenn es uns gelingt 10 bis 15 Prozent der Bürger zu sensibilisieren, dann schaffen wir es auch, dieses Thema in die Mitte der Gesellschaft zu bringen“, sagt Michael Wimmer, einer der Sprecher des Aktionsbündnisses.

Wimmer gründete im Jahr 2000 die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau (FÖL). Der Landschaftökologe meint, der Markt für landwirtschaftliche Produkte sei außer Rand und Band. Ohne Eingriffe des Staates werde der gnadenlose Preiskampf weiterhin auf dem Rücken der Mastschweine oder auf Kosten der Umwelt ausgetragen. Wimmer und seine Mitstreiter fordern zum Beispiel mehr Platz und Streu für jedes einzelne Schwein in einem Stall. Das liefe praktisch auf ein Verbot der üblichen großen Mastanlagen mit ihren engen Boxen und Gitterrösten hinaus.

Im Moment sieht es aber noch ganz anders aus. Das Land Brandenburg hat den Bau von Anlagen zur industriellen Tierhaltung in den letzten fünf Jahren mit Millionenbeträgen unterstützt. Zum Beispiel wurden Neubauten von neun Legehennenställe mit 4,6 Millionen Euro gefördert. Eine „Agrarwende“ ist daher von Seiten der Landesregierung wohl kaum zu erwarten.

Inzwischen folgen aber nicht nur Tierschutzbewegte dem Demonstrationsaufruf. Auch viele Ärzte sind gekommen. Sie sagen, der Einsatz von Antibiotika in Mastanlagen züchte multiresistente Keime, die auch für die Menschen gefährlich werden. Erst vergangene Woche wies eine Studie der Grünen derartige Keime in hoher Zahl in Brandenburger Mettwürsten nach. Knut Horst, Allgemeinmediziner aus Falkensee (Havelland), kritisiert: Die neue Arzneimittelverordnung werde zu langsam umgesetzt. Die Kontrolle sei zu lasch.

Der Termin für den Protestzug in Potsdam war mit Bedacht gewählt, nicht nur wegen der Landtagswahl: Übermorgen beginnt hier die Agrarministerkonferenz.

Von Rüdiger Braun

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