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50 Hinweise auf DHL-Erpresser, aber keine heiße Spur

Paketbomben 50 Hinweise auf DHL-Erpresser, aber keine heiße Spur

Am Montag sind rund 50 Hinweise bei der Polizei zum DHL-Erpresser eingegangen. Eine heiße Spur ist bislang noch nicht darunter. Die Polizei warnt weiterhin vor gefährlichen Paketen. Dass die Nervosität groß ist, zeigen einige Fehlalarme.

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Diese Packstation in Potsdam nutzten die Erpresser – auch in Berlin ist an einer ähnlichen Station ein Paket abgegeben worden.

Quelle: dpa

Potsdam. Im Fall der Paketbomben-Erpressung gegen den Zustelldienst DHL verfolgt die Polizei in Brandenburg derzeit „keine heiße Spur“, wie Präsidiumssprecher Torsten Herbst der MAZ sagte. Dennoch seien die Ermittler mit der Zahl und Qualität der eingegangen Hinweise „sehr zufrieden“. Am Montag waren es rund 50 Hinweise aus der Region und dem Bundesgebiet. Ein Abgleich mit den Polizeibehörden der anderen Bundesländer habe keine weiteren Fälle präparierter DHL-Pakete zutage gefördert, sagte Herbst. Allerdings hätten Kriminaltechniker jetzt heraus gefunden, wie der Zündmechanismus der Bomben von Potsdam (1. Dezember) und Frankfurt (Oder), 6. November, funktionieren sollte. Aus ermittlungstaktischen Gründen nennt das Präsidium keine Einzelheiten. Zunächst waren die Kriminalisten am Freitag davon ausgegangen, dass die mit Nägeln, einem Polenböller, Kabeln und Batterien gefüllte Metallbox aus der Potsdamer Innenstadt nicht zündfähig war. Diese Aussage nahmen die Ermittler jetzt zurück. Laut Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) wären beide Sprengsätze geeignet gewesen, den jeweiligen Empfänger im schlimmsten Fall zu töten.

Die Ermittlungsgruppe im Potsdamer Präsidium ist mittlerweile von 25 auf 50 Kriminalisten aufgestockt. Zuletzt war ein solcher Ermittlungsaufwand im Entführungsfall Elias/Mohamed und im Maskenmann-Fall betrieben worden. Die Polizeiführung hat die Ermittlungsgruppe außerdem umbenannt. Die Bezeichnung „Luise“ – so heißt die Apotheke, bei der der Sprengsatz von einem DHL-Boten am Freitag abgegeben worden war – wird nicht mehr benutzt, weil sie das geschädigte Geschäft zu sehr in den Mittelpunkt rückt, so Herbst. Die Soko heißt nun „Quer“ – namensgebend ist der computergenerierte QR-Code, hinter dem das Erpresserschreiben verborgen war.

Genau dieser grafische Digital-Schlüssel macht den Ermittlern Sorgen. Laut Präsidiumssprecher Herbst ist die Nachverfolgung vom ausgedruckten Code bis zum Urheber der Nachricht praktisch nicht möglich. Die Software, für die es mehrere Anbieter gibt, ist frei im Internet verfügbar, eine klare Zuordnung zu einem Computer sei kaum zu erwarten, so der Polizeisprecher. „Der Ansatz ist ziemlich tot für uns“, heißt es aus dem Präsidium.

Allerdings arbeiten die Brandenburger Ermittler eng mit ihren Kollegen aus Berlin zusammen, denn es gibt einen direkten Bezug: Die erste Paketbombe, die am 6. November einem Online-Händler in Frankfurt (Oder) zugestellt wurde, wurde in einer DHL-Packstation in Berlin aufgegeben. Das bestätigte das Präsidium. Die Ermittler präzisierten ihre Darstellung des Vorgangs dahingehend, dass das Frankfurter Paket im November nicht durch Feuer zerstört wurde, sondern bei der kontrollierten Vernichtung mit Hilfe eines Polizeiroboters. Analog zum Potsdamer Fall sei ein Hochdruck-Wasserstrahl verwendet worden. Schrauben und Kugellager-Kugeln seien zum Vorschein gekommen, bestätigte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Als Erpressungsversuch sei die Bombensendung damals nicht gewertet worden, so Polizeisprecher Herbst. Erst ein Hinweis im Bekennerschreiben zu dem Potsdamer Fall habe die Verbindung hergestellt.

Polizei ermittelt in alle Richtungen

Trotz der Warnung der Behörden vor Paketen unklarer Herkunft – und das mitten im Weihnachtsgeschäft – ist „die große Welle verdächtiger Sendungen in Brandenburg ausgeblieben“, sagt Polizeisprecher Herbst. Das sei so nicht zu erwarten gewesen. Dennoch ist die allgemeine Nervosität hoch. In Gransee (Oberhavel) sorgte am Montagmorgen ein dubioses Päckchen für Aufregung in der zentralen Bußgeldstelle des Landes. Die Räumung der Behörde wurde veranlasst. Doch stellte sich schnell heraus: Es war ein Christstollen. In der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt stellte die Polizei eine DHL-Lieferung sicher. Nach ersten Prüfungen habe die Polizei von einer möglichen Wurfgranate gesprochen, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Am Ende waren es gerollte Kataloge.

Grundsätzlich ermittelt die Polizei weiter in alle Richtungen. Nach der Zerstörung der Paketbombe am Weihnachtsmarkt war zunächst auch ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen worden. Die Sicherheitsmaßnahmen für die Weihnachtsmärkte in Potsdam wurden daraufhin nochmals verschärft.

Von Ulrich Wangemann

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