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Brandenburg 500 000 Euro zusätzlich für märkische Dorfkirchen
Brandenburg 500 000 Euro zusätzlich für märkische Dorfkirchen
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19:06 13.02.2018
Dietmar Woidke (r, SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, und Markus Dröge, Evangelischer Bischof. Quelle: ZB
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Potsdam

In Brandenburg soll mehr Geld in den Erhalt maroder Dorfkirchen fließen. Wie es nach einem Spitzentreffen der rot-roten Landesregierung mit der Evangelischen Kirche hieß, werden zu den jährlich vereinbarten knapp 1,6 Millionen Euro für die Sanierung von Kirchengebäuden 2018 weitere 500 000 Euro über den Nachtragshaushalt dazukommen. Der soll im Frühjahr im Landtag beschlossen werden. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte, Kirchen seien nicht nur religiöse Orte, sondern würden auch die regionale Identität stärken und kulturelle Schätze sichern.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, begrüßte die Pläne der Regierung. Die Dorfkirchen seien zentrale Identifikationsmerkmale nicht nur für christliche Gemeinden. Er kündigte ein Pilotprojekt im Land an: Danach sollen Kirchengebäude in den Dörfern nicht mehr nur Orte für Gottesdienste, sondern künftig stärker soziale Zentren mit gemeinwesenorientierter Arbeit sein. „Wie man so schön sagt: Die Kirche soll im Dorf bleiben.“ Dröge hob hervor, dass damit auch erreicht werden soll, dass die Kirche weiter in der Fläche des Landes präsent sei.

In Brandenburg ist nach Angaben des Bischofs im Schnitt ein Pfarrer für 850 Kirchenmitglieder zuständig. Das können drei Kirchen sein, aber auch 15, so Dröge, und zeige deutlich, dass die Kirche um Präsenz im ländlichen Raum bemüht sei. In Berlin sei im Vergleich ein Pfarrer für 3000 bis 4000 Mitglieder zuständig. In Brandenburg geht die Zahl der Mitglieder zurück – im Durchschnitt jedes Jahr um ein Prozent. Derzeit sind 390 000 Brandenburger Mitglieder der Evangelischen Kirche.

In dem Spitzentreffen, dem zehnten seit 1996, als ein Staatsvertrag das Verhältnis regelt, wurden drei Themen diskutiert:

Braunkohle in der Lausitz: Bei diesem Thema haben die rot-rote Landesregierung und die Evangelische Landeskirche seit Langem gegensätzliche Positionen, die erneut zur Sprache kamen. Die Kirche drängt auf einen schnelleren Ausstieg aus der Kohle. Bischof Dröge erinnerte daran, dass die Kirchensynode schon 2009 – damals sei er neu ins Amt gekommen – den Beschluss „zum Einstieg in den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung“ gefasst habe. „Wir verstehen unsere Rolle als Mahner: Der Strukturwandel in der Lausitz muss forciert vorangetrieben werden, um den Ausstieg aus der Kohleverstromung sozial verträglich durchführen zu können“, betonte der Bischof.

Woidke wiederum, der immer wieder betonte hatte, dass die Region die Kohle vorerst weiter brauche, versuchte, das Gemeinsame herauszustellen. Die Kirche engagiere sich in der Region intensiv und baue Brücken – angesichts der großen und schwierigen Diskussionen. Das Gegeneinander um die Zukunft der Kohle dürfe nicht das allumfassende Thema sein, meinte Woidke.

Bestattungsgesetz: Der Gesetzentwurf der rot-roten Landesregierung, der unter anderem eine Bestattung für alle Fehl- und Totgeborenen erst ab 500 Gramm vorsieht, liegt derzeit im Landtag. Die Evangelische Kirche ist dagegen und fordert eine Bestattung unabhängig vom Gewicht der Toten. Dröge sagte: „Aus Sicht derer, die Trauer tragen, ist das nicht eine Frage von Gramm. Es ist auch Trauer, wenn es nur zehn Gramm sind.“

Situation in Cottbus: Da gibt es große Einigkeit: Woidke und Dröge riefen gestern gemeinsam zur Teilnahme am Sternmarsch „Cottbus bekennt Farbe“ am Donnerstag auf. Am Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg solle damit ein Zeichen des friedlichen Miteinanders gesetzt werden, hieß es. In den vergangenen Monaten hatten wiederholt Angriffe auf und von Flüchtlingen für Aufsehen gesorgt. Zwei Demonstrationen – die eine für und die andere gegen Flüchtlinge – zeigte kürzlich die ganze Zerrissenheit der Stadt. Bischof Dröge mahnte eine sachliche Debatte an. Die Stadt Cottbus sei eine offene, weltoffene und mit seiner Wissenschaftslandschaft zukunftsorientierte Stadt. „Wir dürfen nicht zulassen, dass etwas anderes – zum Teil auch von außen – in die Stadt hereingetragen wird.“ Woidke betonte, er sei fest davon überzeugt, dass das von der Stadt zuletzt gezeichnete Bild nicht das reale Bild sei. Die Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus und Ausländerfeindlichkeit müsse aber auch nach dem Sternmarsch weitergehen.

Von Igor Göldner

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