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Brandenburg 6000 schulpflichtige Flüchtlingskinder erwartet
Brandenburg 6000 schulpflichtige Flüchtlingskinder erwartet
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17:29 16.11.2015
Integration beginnt im Kleinkind-Alter: Flüchtlingskinder in einer Kita. Quelle: dpa
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Potsdam

Lehrer sind in diesen Tagen gefragt wie lange nicht. Um die nach Brandenburg gekommenen Flüchtlingskinder zu unterrichten, sucht Bildungsminister Günter Baaske (SPD) neues Personal für die Schulen. Derzeit steht Geld für 337 zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung. Damit soll verhindert werden, dass regulärer Unterricht ausfällt, wie Baaske am Montag in Potsdam erklärte.

Allerdings sind die Umworbenen rar: Bislang hat das Land lediglich 100 neue Lehrer eingestellt. Dabei waren die ersten 127 Zusatzstellen schon im Frühjahr freigegeben worden. Das Bildungsministerium plant, das Personal schrittweise aufzustocken. „Das ist nicht ganz einfach“, musste Baaske eingestehen. Die Neuen am Lehrerpult müssen wohl großteils aus Seiteneinsteigern rekrutiert werden. Denn Brandenburg ist bei Weitem nicht das einzige Bundesland, das in diesen Monaten verstärkt um beschäftigungslose Lehrer buhlt – von denen es kaum noch welche gibt, zumal das Schuljahr längst angelaufen ist. Auch der landeseigene Nachwuchs kommt nicht so schnell nach, wie er gerade gebraucht wird. Baaske, der den Absolventen der Pädagogischen Hochschule Potsdam „mit halbwegs vernünftigen Ergebnissen“ eine Übernahmegarantie ausstellte, will deshalb auch die Zahl der Referendare aufstocken.

Das kostet: Von den 700 Millionen Euro, die das Land in diesem Jahr an Mehrausgaben für die Integration der Flüchtlinge einplant, beansprucht das Baaske-Ressort eine Summe im dreistelligen Millionenbereich. Eine genaue Zahl will der Bildungsminister nicht nennen. Zunächst soll koalitionsintern über den nötig gewordenen Nachtragshaushalt verhandelt werden.

Bis Ende des Jahres erwartet Brandenburg 6000 Kinder und Jugendliche mit Flüchtlingshintergrund, die im Schulalter sind. „Derzeit sind 3500 Flüchtlingskinder als Schüler angemeldet“, sagte Baaske. Schulpflicht besteht erst, wenn sie auf die Landkreise verteilt worden sind.

Allerdings gibt es schon in der Erstaufnahmeeinrichtung Bildungsangebote wie Sprachkurse und Kunst-, Musik- und Sachunterricht. Derzeit sind es durchschnittlich 140 Kinder in sieben Gruppen in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) und 62 Kinder in fünf Gruppen in der Außenstelle in Ferch (Potsdam-Mittelmark). Angebote wie diese sieht Baaske als Voraussetzung für „eine bestmögliche spätere Integration in die Schulen“. An den öffentlichen Schulen gibt es landesweit derzeit etwa 470 Vorbereitungsgruppen und Förderkurse, an denen junge Flüchtlinge je nach Sprachkenntnis teilnehmen. „Wichtig ist, dass Flüchtlingskinder viel mit deutschsprachigen Kindern zusammen sind“, sagte Baaske.

Die Herausforderungen sind im Vergleich zu Ländern wie Hamburg und Bayern überschaubar. Flüchtlingskinder machen laut Baaske in Brandenburgs Schulen und Kitas einen Anteil von lediglich zwei bis drei Prozent aus – während die bislang 1500 nach Brandenburg gekommenen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge schon gut ein Drittel der Kapazitäten der Jugendhilfeeinrichtungen belegen.

Kita-Plätze finden trotz Rechtsanspruchs unter Flüchtlingseltern kaum Resonanz. Skepsis gebe es

Was das Bildungssystem anbelangt, sieht Baaske Brandenburgs Aufnahmekapazitäten noch lange nicht am Ende. „Ich denke, dass es uns gelingt, die Leute so zu integrieren, dass sie Spaß an diesem Deutschland haben.“

Ohne Eltern auf sich allein gestellt

850 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind bislang in diesem Jahr nach Brandenburg gekommen, wie das Bildungsministerium mitteilte. Die Zahl soll bis Jahresende auf deutlich mehr als 1000 steigen.

Die Jugendhilfeeinrichtungen sind für sie zuständig, da die Kinder und Jugendlichen ohne Erziehungsberechtigte eingereist sind.

23.000 Euro kostete die Inobhutnahme und Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge das Land durchschnittlich in diesem Jahr.

Da der Betreuungsaufwand im Zuge einer Novellierung des Bundesrechts künftig steigt, erhöhen sich auch die Kosten. Der Bund hat zugesichert, sich daran zu beteiligen.

Von Bastian Pauly

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