Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
666 Fälle von Ärztepfusch in Berlin-Brandenburg

Erschreckende Statistik veröffentlicht 666 Fälle von Ärztepfusch in Berlin-Brandenburg

Es ist eine wahrlich teuflische Zahl: Im vergangenen Jahr sind in Berlin und Brandenburg insgesamt 666 Ärztefehler registriert worden. Eine deutliche Steigerung. Besonders ein Bereich ist besonders anfällig für Ärztepfusch.

Voriger Artikel
Urlauber leiden besonders unter Bahn-Streik
Nächster Artikel
Streit über die Gebietsreform

In Berliner und Brandenburger OPs passieren immer häufiger Fehler.

Quelle: dpa

Potsdam. Ärzten in Berlin und Brandenburg sind im vergangenen Jahr mehr Behandlungsfehler unterlaufen. In 666 Fällen haben Experten im Jahr 2014 medizinische Missgriffe von Ärzten in Berlin und Brandenburg festgestellt. Das geht aus Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurden. 2013 hatten sich rund 630 Fälle bestätigt. Insgesamt hat der MDK demnach im vergangenen Jahr wegen Patienten-Vorwürfen 1759 Gutachten erstellt, das sind etwa 120 mehr als im Jahr zuvor.

Viele Fehler passieren in der Unfallchirurgie

Der Verdacht auf einen Behandlungsfehler bestätigte sich in knapp 38 Prozent der Fälle. In rund 31 Prozent davon wiesen die Gutachter zudem einen direkten Zusammenhang zwischen der Behandlung und körperlichen Problemen nach.

Vor allem nach Operationen bemerkten Betroffene Fehler. Dies geschehe naturgemäß schnell, sagte MDK-Geschäftsführer Axel Meeßen in Berlin. Betroffen waren insbesondere die Fachgebiete Orthopädie und Unfallchirurgie (537 Vorwürfe), Chirurgie (432) und Innere Medizin (197). Etwa ein Drittel der Fehler entfiel auf therapeutische Eingriffe, hinzu kamen unter anderem Diagnose- und Pflegefehler (18 und 15 Prozent).

Frau muss zwei Jahre mit Fremdkörper im Bauch leben

Bei einer 70-jährigen Patientin etwa sollte eine Drainage nach einer Gallen-OP maximal drei Monate im Körper bleiben. Zwei Jahre später fiel einem Orthopäden während einer Wirbelsäulen-Untersuchung bei der Frau ein Fremdkörper im Bauchraum auf. In einer Klinik wurde sie daraufhin operiert, ohne dass die Ärzte Befunde der damaligen Gallen-Behandlung anforderten. Es kam zu einer Komplikationen und die Patientin musste erneut unters Messer.

Kliniken setzen auf Aufklärung

Viele Fehler seien einfach zu vermeiden, erklärte MDK-Experte Michael Schmuck. Oft müsste einfach – wie in dem Fall der vergessenen Drainage – die Kommunikation zwischen den verschiedenen Ärzten und Krankehäusern verbessert werden. Um typische Fehler zu vermeiden, will der MDK Fallbeispiele vermehrt mit Partner-Kliniken gemeinsam analysieren. Drei Kliniken hat der MDK von einer Kooperation bereits überzeugt: Das Klinikum Brandenburg/Havel, das Frankfurter Klinikum und das Berliner Unfallkrankenhaus. Dort fanden Fortbildungsveranstaltungen statt. „Wir sind auf drei Häuser zugegangen und alle drei haben uns eingeladen“, erklärte Schmuck. Jetzt sollen weitere Gespräche geführt werden.

Auch bundesweit stieg die Zahl der MDK-Gutachten wegen eines Verdachts auf Fehler um rund 80 auf 14.663 an. In 155 Fällen starben die Patienten demnach an den Folgen eines Fehlers oder damit zusammenhängenden Komplikationen, in Brandenburg waren es 24. 1294 Patienten erlitten einen Dauerschaden.

Patienten sind oft verunsichert

Viele Patienten seien verunsichert darüber, ob bei ihnen ein Behandlungsfehler vorliegt und quälten sich lange mit diesem Gedanken, heißt es bei der AOK Nordost. Das könne zu Lasten des Vertrauensverhältnis zwischen Behandler und Patient gehen. Patienten sollten sich nicht scheuen, den Behandler darauf anzusprechen, empfiehlt AOK-Sprecherin Gabriele Rähse. „Für die betroffenen Menschen ist es wichtig, in diesen äußerst belastenden Situationen konkrete Unterstützung zu erfahren und mit ihren Anliegen ernst genommen zu werden“, erklärte sie. Die AOK Nordost berate mit einem spezialisierten Team jedes Jahr mehr als Tausend Versicherte, die den Verdacht haben, beim Arzt oder in der Klinik falsch oder unvollständig behandelt worden zu sein.

Quälend lange Entschädigungsprozesse

Nicht nur die körperlichen Schäden verbittern zahlreiche Patienten. Auch Entschädigungen zu bekommen, wird für viele zu einem nervenaufreibenden Prozess. Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse zeigt, dass es in 39 Prozent der untersuchten Fälle 5 bis 10 Jahre dauere, bis über eine Entschädigung entschieden ist. In 19 Prozent der Fälle dauert es demnach sogar noch länger.

Oft würden Gutachten etwa des MDK vor Gericht nicht anerkannt, kritisiert das Aktionsbündnis Patientensicherheit. Geschäftsführer Hardy Müller fordert: „Wir dürfen die Menschen nicht zum zweiten Mal zu Opfern machen.“ Wenn es einen Schaden gibt, müssten die Patienten viel schneller und leichter rechtliche Klarheit und Entschädigung bekommen. Das Problem sei, dass viele Betroffene nach einem Schaden nicht mehr arbeiten können und das Leben existenziell bedroht ist. Müller: „Dann 10 bis 15 Jahre lang zu klären, wer haftet, ist unzumutbar.“

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg