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Brandenburg 700 Elektroautos surren durch Brandenburg
Brandenburg 700 Elektroautos surren durch Brandenburg
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21:05 11.03.2016
Einmal volltanken, bitte: Öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektroautos sind in Brandenburg eine Seltenheit. Quelle: dpa
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Potsdam

Julian Affeldt ist ein Enthusiast der ersten Stunde. Als ihm im Dänemark-Urlaub erstmals ein Elektroauto entgegenrollte, teilte Deutschland noch die Mauer. Es brauchte seine Zeit, aber mittlerweile steuert der 47-Jährige aus Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) schon seit viereinhalb Jahren seinen Peugeot iOn durch Brandenburg und Berlin – vollelektrisch, ohne Schadstoffausstoß, mit Strom aus der heimischen Photovoltaikanlage. Es ist eine Mischung aus Neugierde, Technikbegeisterung und Umweltbewusstsein, die ihn antreibt.

25.000 Elektroautos sind in Deutschland zugelassen

Aus seiner Pionierrolle ist Affeldt bis heute noch so recht rausgekommen. Durch Brandenburg surren derzeit 700 Elektroautos, in der Bundeshauptstadt sind es immerhin 2300, heißt es bei der Berliner Agentur für Elektromobilität (eMO). Zwar steigen mit jedem Jahr die Zulassungszahlen, aber von dem Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million der umweltfreundlichen Autos auf die Straße zu bringen, ist man in Deutschland weit entfernt. 25.502 vollelektrische Fahrzeuge zählte das Kraftfahrtbundesamt zu Jahresbeginn – bei einem Bestand von 45 Millionen Pkw.

Jetzt erwägt die Bundesregierung, dem schwächelnden Absatz mit einer Kaufprämie nachzuhelfen, was letztlich auch die Anschaffung tonnenschwere Hybrid-SUVs der Oberklasse fördern könnte. Julian Affeldt hält davon wenig: „Wenn man das über die Jahre betrachtet, kann man nur den Kopf schütteln.“ Denn trotz der hehren Ziele, meint er, fehle es am politischen Willen.

Spielfeld für innovative Bürgermeister und Unternehmer

„Um die Elektromobilität auszubauen, braucht es zuallererst eine bessere Ladeinfrastruktur“, sagt er. Es war Affeldts Verdienst, dass am Kleinmachnower Rathaus seit 2009 eine Stromtankstelle steht, den Schlüssel gibt’s im Bürgerbüro. Elektroautos haben an der kommunalen Zapfsäule schon gut 4000 Kilowattstunden Strom gezapft – kostenlos. Etwa 150 öffentlich zugängliche Ladepunkte gibt es laut eMO in Brandenburg, in Berlin sind es mehr als dreimal so viel.

es schon begeisterungsfähige Leute, um die Elektromobilität voranzubringen. Oft hängt es vom Engagement lokaler Politiker und Unternehmer ab. Wie in Trebbin (Teltow-Fläming), wo es gleich mehrere Stromtankstellen gibt und die Landbäckerei Röhrig das Elektroauto der Kunden für zwei Euro auflädt. Die Klee-Apotheke in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) beliefert ihre Kunden mit einem eSmart, der Photovoltaik-Dienstleister Energieinsel in Oranienburg (Oberhavel) setzt auf einen BMW i3 als Dienstwagen, beim Landkorb Rohrlack in Temnitztal (Ostprignitz-Ruppin) ist es sogar ein Tesla Model S. Straßenpreis: 70.000 Euro.

Bio-Frischwaren per Elektrotransporter nach Berlin

So viel muss man ausgeben, um auch auf längerer Strecke elektrisch mobil zu bleiben. Für den Bio-Lieferservice, der seine Kunden in Berlin hat, ist die Reichweite das wichtigste Kriterium. Im Alltagstest schafft der Rohrlack-Tesla immerhin seine 300 Kilometer, erzählt Vize-Geschäftsführer Daniel Sperberg. Der hierzulande seltene US-Import dient zur Pflege von Lieferantenkontakten und des grünen Images. Die Frischware kutschieren bislang allerdings noch Diesel-Sprinter von Mercedes-Benz nach Berlin.

„Wir möchten am liebsten vollständig auf elektrischen Antrieb umsteigen“, sagt Sperberg. Nur fehlt es an entsprechenden Serienfahrzeugen. Das soll sich ändern. Schon im Sommer könnte der erste Elektrotransporter auf dem Hof stehen. Ein Prototyp, entwickelt vom Fraunhofer-Institut. Der Auftrag kostet die Temnitztaler eine hohe fünfstellige Summe. „Es geht uns nicht darum, zu sparen. Es wird teuer“, sagt Sperberg: „Aber wir finden, das passt zu uns.“

Kommunen können mit elektrifizierter Flotte Geld sparen

Elektromobilität in Brandenburg – vorerst vor allem eine Mission der Idealisten. Zu übersichtlich ist der Markt der zumeist kostspieligen Fahrzeuge, deren Reichweite selten 200 Kilometer übersteigt. Für Kurt Sigl sind diese Argumente vorgeschoben. Auf dem Land seien die Voraussetzungen sogar besser als in der Stadt, meint der Chef des Verbandes eMobilität. „Man braucht nichts als eine Steckdose zu Hause.“ Schließlich sei jeder vierte Pkw ein Zweit- oder Drittwagen – und die würden im Schnitt gerade einmal 27,5 Kilometer pro Tag bewegt. Das schaffen selbst die schwächsten Batterien.

Sigl fordert die Kommunen auf, mit gutem Beispiel voranzugehen. So ergab eine Studie der Universität Dortmund, dass es sich für die Stadt schnell rechnen würde, ein Drittel ihrer 2400 kommunalen Fahrzeuge zu elektrifizieren – selbst ohne Kaufprämie, wegen geringerer Kosten für Wartung und Verbrauch. „Kommunen können richtig Geld sparen“, sagt Sigl. „Wir sind gerne bereit, sie aufzuklären.“

Von Bastian Pauly

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