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90 Ranger schützen Brandenburgs Wildnis

25 Jahre Naturwacht in der Mark 90 Ranger schützen Brandenburgs Wildnis

Knapp 140 Verstöße gegen den Naturschutz hat die Brandenburger Naturwacht im vergangenen Jahr angezeigt. Darunter zerstörte Orchideenwiesen, abgeholzte Feldhecken und Obstbäume oder illegal gelagerte Abfälle. Die Artenvielfalt geht zurück. Ranger schützen die Mark – und sorgen sich.

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Heike Rothe (l.) und ihre Kollegin Uta Drozdowski von der Naturwacht auf Beobachtungsposten am Gülper See.

Quelle: Nettelstroth

Potsdam. Auf der künstlichen Brutinsel herrscht Hochbetrieb. „Da sind eine Menge Fluss-Seeschwalben“, sagt Heike Rothe, die ihr Fernglas auf den See gerichtet hat. Fluss-Seeschwalben sind als Brutvögel am Gülper See im Naturpark Westhavelland selten. Die Ranger der Naturwacht Brandenburg erfassen deshalb das Vorkommen der Vögel. Und sie bieten ihnen auch Hilfen, etwa in Form der Brutinsel, die als Schutz gegen schwimmende Räuber wie den Mink mit einem Metallkragen ausgestattet ist. Ein anderer Räuber beobachtet von einem kahlen Baum am Ufer aus den See: ein junger Seeadler. Im Naturpark sind die Greifvögel mit über zwei Metern Spannweite häufig zu sehen, erklärt Heike Rothe.

Ein Drittel der Landesfläche unter Schutz

Die seit 25 Jahren bestehende Naturwacht Brandenburg gehört zu den wesentlichen Akteuren, wenn es um Naturschutz zwischen Elbe und Oder geht. Brandenburg verfügt über 15 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate, die rund 30 Prozent der Landesfläche umfassen. „Die Naturwacht ist mit ihren insgesamt 90 Rangern in allen Großschutzgebieten vertreten“, erklärt Naturwacht-Sprecher Roland Schulz. Sie haben die Aufsicht über ein weites Land. 90 Hauptamtliche, deren Stellen über die Stiftung Naturschutz-Fonds überwiegend vom Land finanziert werden, sind für rund 9000 Quadratkilometer zuständig. Ihre Aufgabe ist es, die Entwicklung der bedrohten Tier- und Pflanzenarten zu beobachten, zu kartieren und bei Bestandsrückgängen Alarm zu schlagen. Das müssen sie jetzt öfter. „Die Artenvielfalt geht in Brandenburg zurück“, sagt Schulz. Bei den Vögeln haben es vor allem Wiesenbrüter schwer. Ihnen machen eingewanderte Räuber wie Waschbär oder Marderhund zu schaffen.

Ein Seeadler mit seiner Beute

Ein Seeadler mit seiner Beute.

Quelle: Naturpark Steinhuder Meer

Um die Nester sind Wimpel aufgestellt

Die fünf Ranger im Westhavelland, dem mit 1300 Quadratkilometern größten Schutzgebiet Brandenburgs, kümmern sich derzeit beispielsweise um den Wachtelkönig. Der wiesenbrütende Rallenvogel stößt seine knarrenden Rufe vor allem nachts in der Nähe der Nester aus. „Wir gehen abends los und erfassen die Standorte“, erklärt Heike Rothe. Rund um die Nester werden Wimpel aufgestellt. Die Landwirte lassen dann die entsprechenden Streifen bei der Wiesenmahd stehen, sagt Rothe, die in Eberswalde Landschaftsnutzung und Naturschutz studiert hat.

Mit Wildhütern auf Tour

140 Verstöße
gegen den Naturschutz hat die Brandenburger Naturwacht im vergangenen Jahr angezeigt. Darunter zerstörte Orchideenwiesen, abgeholzte Feldhecken und Obstbäume oder illegal gelagerte Abfälle.


Die Naturwacht Brandenburg entstand 1991 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) mit rund 200 Rangern. 1997 kam sie zur Stiftung Naturschutzfonds des Landes.

90 Ranger
sind heute im Einsatz. Sie erfassen Tiere und Pflanzen. Außerdem messen sie Grundwasserstände und beurteilen die Qualität von Seen.

17 000 Gäste
begleiteten die Ranger im vergangenen Jahr bei ihren Touren.


In Brandenburg gibt es einen Nationalpark, drei Biosphärenreservate und elf Naturparks.

Auch die Witterung macht den Tieren zu schaffen. „Das Frühjahr war zu trocken“, erklärt Rothe. Feuchte Wiesen gibt es kaum noch. Störche haben es schwer, Futter für den Nachwuchs zu finden. Stark vermehrt haben sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners. An einer Eichenallee im Naturpark sind alle Stämme dicht von den Tieren überzogen, deren Brennhaare Vergiftungserscheinungen herbeiführen können. Im Naturpark können sie nicht mit Chemie bekämpft, sondern höchstens abgesammelt oder abgeflammt werden.

Bei der Rückfahrt zum Naturwacht-Stützpunkt in Parey (Havelland) stoppen Rothe und ihre Kollegin Uta Drozdowski, um aus der Ferne einen Fischadler-Horst zu beobachten. Der Altvogel fliegt aufgeregt hoch, die Köpfe der beiden Jungtiere sind deutlich zu sehen. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Fischadler wie in Brandenburg.

Von Ulrich Nettelstroth

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