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Abenteuerliche Liebesgeschichte sucht Spender

Grenzenlose Liebe Abenteuerliche Liebesgeschichte sucht Spender

Der Schwede Hans Christian Cars überwand 1965 für seine Braut Isolde den Eisernen Vorhang – mit einer Cessna. Doch dafür musste erstmal der Flugschein her. Als dann der Tag der Flucht gekommen war, zog ein Gewitter auf. Eine abenteuerliche und wahre Liebesgeschichte. Doch noch fehlt etwas: Die ganze Geschichte gedruckt und auf deutsch. Spender sind willkommen.

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Isolde Giese und Hans Christian Cars: Das Buch ihrer abenteuerlichen Liebesgeschichte erschien vor zwei Jahren in Schweden.

Quelle: Fotos: Buch

Potsdam. Eigentlich fliegt Hans Christian Cars nicht so gerne. Aber das war ihm 1965 egal. Der schwedische Student meldete sich in Ska-Edeby bei Stockholm als Flugschüler an, zahlte dafür 4000 Kronen und übte fleißig. Vor allem Tiefflüge, Starts und Landungen. Der junge Flugschüler hatte einen Plan gefasst, der verwegen und tollkühn anmutet. Er hatte mit einem Mädchen aus Neuruppin zu tun – Isolde. „Ich habe mich sofort in sie verliebt“, erinnert sich Cars heute. Also wollte er sie aus der DDR holen – mit dem Flugzeug.

Mehr als 50 Jahre später möchte Cars seine abenteuerliche Liebesgeschichte teilen. Er hat ein Buch geschrieben, zusammen mit Isolde Giese, jenem Mädchen aus Neuruppin, das längst Cars Namen angenommen hat. Seit 50 Jahren sind sie verheiratet. Vor ein paar Jahren hat sie die Erinnerung an ihre grenzenlose Liebe zu Zeiten des Eisernen Vorhangs wieder gepackt, und beide entschlossen, ihre Geschichte aufzuschreiben. 2014 erschien das Buch in Schweden, jetzt soll es auch in der Muttersprache von Isolde erschienen.

Dazu geht das Rentnerpaar – er ist 77, sie 74 Jahre alt – moderne Wege. „Wir wollen die Übersetzung per Crowdfunding finanzieren“, erklärt Cars. Auf der Internetplattform Startnext.com kann man für das Zustandekommen des Projekts spenden und erhält im Gegenzug Fotos, ein Buchexemplar oder eine Namensnennung im Buch. „Wir sind mit der Übersetzung schon gut vorangekommen“, erklärt Cars. „Von der Aktion erhoffen wir uns natürlich auch Aufmerksamkeit für unser Buch.“

Das erste Treffen

1965: Isolde Giese studierte Medizin in Berlin. Cars studierte Ost-West-Handel in Stockholm. Die beiden begegneten sich im Zug nach Prag. Hans Christian Cars, der mit einer Studiengruppe vom außenpolitischen Institut Stockholm unterwegs war, Isolde, die mit Freunden nach Budapest wollte. Er hatte keine Platzkarte, sie eine zuviel. So lernten sie sich kennen. Sie schrieben sich Briefe, verabredeten sich, es wurde ernster zwischen den beiden, irgendwann sprachen beide über ihre Flucht aus der DDR.

„Wir kannten ein paar Fluchtwege, die erschienen uns zu riskant“, erinnert sich Cars. „Wir wollten auch keine Fluchthelfer. Irgendwann dachten wir uns: Wenn wir über den eisernen Vorhang wollen, dann warum nicht mit einem Flugzeug?“

Magnus und das Gewitter

Der 26-jährige Student nahm also Flugstunden. „Acht Monate dauerte es, dann hatte ich meinen Flugschein“, so Cars. Er fuhr nach Wien, erkundete das tschechische Grenzland. Auf tschechischer Seite fand er einen geeigneten Landeplatz für die Cessna, die er sich mieten wollte. Er telegrafierte nach Ost-Berlin die kryptische Nachricht: „Magnus kommt 16.40 Uhr. Bruno“ Bruno war die Chiffre für Brünn. Magnus die für den 19. August , dem Magnus-Namenstag in Schweden.

Er holte Isolde um 16.40 Uhr in Brünn am Bahnhof ab, fuhr mit ihr auf ein Feld nahe der Grenze, wo sie sich in einem Gebüsch verstecken sollte, bis er in ein paar Stunden wiederkommen sollte mit seiner Propellermaschine. Doch er kam nicht. Ein Gewitter war aufgezogen. Der Flughafen Wien, wo Cars abheben wollte, gab keine Starterlaubnis.

Schimpfe vom Fluglehrer

Doch sie gaben nicht auf. Verabredeten sich wieder, diesmal hatte Cars einen Acker bei Lednice, kurz vor der Grenze zu Österreich ausgemacht. „Das Feld war schon abgeerntet, ich ließ Isolde nachmittags da und fuhr mit dem Wagen zurück nach Wien.“ Aber wieder war schlechtes Wetter angesagt. Cars startete trotzdem am frühen Abend. „Es wurde dunkel, ich hatte Probleme, das Feld zu finden“, erinnert er sich. Er flog in niedriger Höhe, unterhalb des Radars, wäre beinahe mit einem Wachturm kollidiert. Aber diesmal klappte es. Cars setzte mit seiner Cessna auf dem Stoppelfeld auf, Isolde kam angelaufen, sprang an Bord, und die beiden hoben ab in Richtung Österreich. „Wir wussten nicht, ob ich Alarm ausgelöst hatte“, sagt Cars. Aber alles ging gut. Bis auf den Flugleiter in Wien. „Er hat mich geschimpft, weil ich noch keine Lizenz für Nachtflüge hatte“, erinnert sich Cars. „Aber das war mir egal.“

Spendensammlung für Übersetzung

Isolde und Hans Christian Cars haben über ihre abenteuerliche Flucht über den Eisernen Vorhang ein Buch geschrieben, das vor zwei Jahren in Schweden erschien.

Nun wollen die beiden das Werk ins Deutsche übersetzen und suchen dafür über eine Internetplattform Unterstützer.

Wer das Übersetzungsprojekt unterstützen will, der kann verschiedene Beträge spenden und erhält dafür – je nach Höhe – eine Danksagung im Buch, Buchexemplare, oder auch eine Privatlesung als Dankeschön. Die Spendenaktion läuft noch bis zum 4. Mai.

Info: www.startnext.com/fluchtausderddr

Die Errichtung der Berliner Mauer im August 1961 führte zu einem jähen Ende der Massenflucht aus der DDR.

Viele Menschen versuchten über dritte Staaten, aus denen die Weiterreise in die Bundesrepublik möglich war, zu flüchten. Zudem wurden Fluchttunnel gebaut, es wurden Heißluftballons, Fluggeräte, sogar Tauchboote gebaut, um die Grenzanlagen zu überwinden.

Von Torsten Gellner

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