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Brandenburg Abitur-Lob: Bildungsministerin schreibt bei Vorgänger ab
Brandenburg Abitur-Lob: Bildungsministerin schreibt bei Vorgänger ab
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15:40 11.07.2018
Stehen in Sachen Lobrede für Kontinuität: Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) und Amtsvorgänger Günter Baaske (SPD). Quelle: dpa
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Potsdam

Beim Abitur ist Abschreiben streng verboten. Doch im Brandenburger Bildungsministerium gelten andere Regeln: Die Lobrede von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auf jene 245 Schüler, die in diesem Jahr ihr Abitur mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen haben, gleicht wortwörtlich der Rede ihres Amtsvorgängers Günter Baaske (SPD) von vor einem Jahr. Mehr noch. Selbst Baaske war von den Worten offenbar so angetan, dass er sie selbst mehrere Jahre hintereinander zitierte. Eine kleine Chronologie der Brandenburger Abitur-Ansprachen:

2018, Bildungsministerin Britta Ernst:

„Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von großer Anstrengung, enormem Fleiß und einer konsequenten Lerneinstellung der Schülerinnen und Schüler. Die Abiturienten haben gut geackert. Jetzt sollen sie die Ferien genießen. Mein Dank gilt zudem den Lehrerinnen und Lehrern, die ihre Schülerinnen und Schüler so engagiert begleitet und unterstützt haben.“

2017, Bildungsminister Günter Baaske:

„Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von großer Anstrengung und enormem Fleiß. Die Abiturientinnen und Abiturienten haben geackert. Jetzt sollen sie die Ferien genießen.“ Zugleich bedankt sich Baaske bei den Lehrerinnen und Lehrern, „die die Schülerinnen und Schüler engagiert begleitet und unterstützt haben“.

2016, Bildungsminister Günter Baaske:

„Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von großer Anstrengung, enormem Fleiß und einer konsequenten Lerneinstellung der Schülerinnen und Schüler. Die Abiturienten haben gut geackert. Jetzt sollen sie die Ferien genießen.“ Auch 2016 vergaß er den Dank an die Lehrer nicht, die „die Schülerinnen und Schüler engagiert begleitet und unterstützt haben“.

2015, Bildungsminister Günter Baaske:

„Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von großer Anstrengung, enormen Fleiß und einer konsequenten Lerneinstellung der Schülerinnen und Schüler.“ Natürlich fehlt der Dank an die Pädagogen auch in dieser Lobrede nicht.

Günter Baaske, ehemals Manager der Rockband „Keimzeit“, wählte damals ein Zitat der Punkband „Die Ärzte“ aus, das seither auf den Urkunden für die Einers-Abiturienten in Brandenburg steht: „Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wäre nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

Und wie lobte Martina Münch (SPD)?

Doch wie eine Recherche in den Archiven ergibt, ist Baaske gar nicht der Urheber der scheinbar unverwüstlichen Abitur-Formel. Schon seine Amtsvorgängerin Martina Münch (SPD), heute Wissenschaftsministerin, wandte sich mit diesen Worten an den Abi-Jahrgang von 2011:

„Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von viel Anstrengung, einem enormen Fleiß und einer konsequenten Lerneinstellung der Schülerinnen und Schüler. Es zeugt aber auch von der Unterstützung und Motivation durch engagierte Lehrerinnen und Lehrer, dafür meinen herzlichen Dank“, teilte sie im Sommer 2o11 mit. Damals gab es übrigens nur 141 mal die Traumnote 1,0.

Im Sommer 2012 hieß es dann: „Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von viel Anstrengung, einem enormen Fleiß und einer konsequenten Lerneinstellung der Schülerinnen und Schüler.“

Auch 2013 gratulierte Ministerin Münch den Reifeprüflingen. Sie sagte: „Dieses exzellente Abitur ist Ausdruck von viel Anstrengung, einem enormen Fleiß und einer konsequenten Lerneinstellung der Schülerinnen und Schüler. Es zeugt aber auch von der Unterstützung und Motivation durch engagierte Lehrerinnen und Lehrern.“

Auf Twitter machte Christine Iffert auf die lobrednerische Konstante zwischen Ernst und Baaske aufmerksam. Sie vermutet, dass es im Bildungsministerium zu einer „Party am Kopierer“ kam:

Im Ministerium hieß es auf Anfrage, es sei nicht so einfach, sich jedes Jahr etwas Neues auszudenken. Man gelobt aber Besserung: „Im nächsten Jahr machen wir mal was anderes“, hieß es.

Von Torsten Gellner

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