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Brandenburg Howard Griffiths Abschiedsinterview
Brandenburg Howard Griffiths Abschiedsinterview
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00:21 16.07.2018
Mit Elan in seinem Element – Howard Griffiths, der Dirigent des Brandenburgischen Staatsorchesters. Quelle: OZ
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Frankfurt (Oder)

Mit seiner Mischung aus Charme, Humor und Entdeckerlust hat sich Howard Griffiths hierzulande eine große Fan-Gemeinde geschaffen. Der englische Dirigent leitet seit 2007 das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt. Nun nimmt er den Hut und gibt am Wochenende die letzten beiden Konzerte als Generalmusikdirektor des Ensembles.

Herr Griffiths, tut der Abschied weh?

Howard Griffiths: Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die letzten Konzerte haben mich wirklich berührt. Ich werde das Orchester und das Publikum sehr vermissen. Andererseits sind elf Jahre eine lange Zeit. Ich gehe lieber auf dem Höhepunkt.

Wie hat sich das Orchester unter Ihrer Leitung entwickelt?

Es hat sich enorm entwickelt: an Transparenz, Leichtigkeit und Klangfarbenreichtum gewonnen; auch Artikulation und Phrasierung haben sich verfeinert. Wir haben uns für jeden Komponisten einen spezifischen Klang erarbeitet. Ich bin stolz auf die Musiker!

Früher hatte das Orchester ein recht konservatives Repertoire. Warum haben Sie so viel Genre-Übergreifendes und Crossover aufgenommen?

Das gibt neue Impulse und hat zur Entwicklung des Orchesters und auch des Publikums stark beigetragen. Ich sehe keine scharfe Grenze zwischen E und U. Es gibt einfach gute und schlechte Musik.

Dirigent mit breitem Spektrum

Mehr als siebzig CD-Einspielungen Aufnahmen bei verschiedenen Labels zeugen von Howard Griffiths’ breitem künstlerischen Spektrum. Der 68-jährige Komponist – geboren in Hastings – studierte am Royal College of Music in London.

Das Staatsorchester gastiert am Sonnabend, dem 14. Juli, um 16 Uhr im Kloster Chorin. Beim Musiksommer stehen berühmte Filmmusiken unter dem Motto „Krieg und Frieden“ von Komponisten wie Nino Rota oder Lalo Schifrin auf dem Programm.

St. Marienkirche zu Frankfurt an der Oder ist am Sonntag, dem 15. Juli, um 15 Uhr der nächste Auftrittsort.

Weitere Infos unter: www.bsof.de

Immer wieder war das Ensemble von Sparmaßnahmen bedroht. Haben Sie auch an dieser Front gekämpft?

Zusammen mit Peter Sauerbaum, unserem Intendanten, war ich immer wieder im Kultusministerium vorstellig. Inzwischen ist das Budget gesichert. Die derzeit 80 Musikerstellen sollen wieder auf die ursprünglichen 86 aufgestockt werden. Auch für unsere Education-Arbeit habe ich gekämpft. Zeitweilig bekam ich dafür Gelder von verschiedenen Schweizer Stiftungen. Dank der Drosos Stiftung konnten wir in den vergangenen sechs Spielzeiten regelmäßig Education-Konzerte für Kinder anbieten.

Wie ist die Reichweite des Staatsorchesters über Frankfurt hinaus?

Mir hat es immer Freude gemacht, durch das Land Brandenburg zu touren und in den kleinen Orten aufzutreten. Das fand ich sehr wichtig. Ich kenne inzwischen jedes Städtchen. Von Angermünde bis Beeskow. Die Landschaft ist herrlich. Aber auch Polen ist sehr wichtig für uns. Dort haben wir ein treues Publikum.

Was sagen Sie zu den Vorgängen in Cottbus, wo dem Dirigenten wegen seines Proben-Verhaltens gekündigt wurde und man sich inzwischen vor Gericht streitet?

Da weiß ich auch keine Interna. Ich habe das nur in der Presse verfolgt. Wie jede Firma hat auch ein Opernhaus seine Probleme. Das war aber doch eine interne Angelegenheit; vielleicht hätte man das unter Ausschluss der Öffentlichkeit klären können. Ich hoffe, dass in Cottbus bald wieder ein ruhiges Arbeitsklima einkehrt.

Was haben Sie in den nächsten Jahren vor?

Ich bin als häufiger Gastdirigent unterwegs, zum Beispiel gebe ich bald mein Debüt mit der BBC Symphony. Bislang habe ich viele derartige Anfragen wegen der Verpflichtungen in Frankfurt abgelehnt. Außerdem leite ich die „Camerata Schweiz“ und bin künstlerischer Leiter der Orpheum Stiftung zur Förderung junger Solisten.

Sie leben seit 35 Jahren in Zürich. Wie reisen Sie normalerweise nach Frankfurt an?

Ich fliege immer mit Swiss. Da habe ich schon jede Menge Meilen gesammelt. Von Berlin geht es mit dem Zug weiter, wenn gerade mal kein Schienenersatzverkehr herrscht.

Was gefällt Ihnen an Zürich?

Durchs Fenster sehe ich den See und die Berge, ich habe einen Garten. Schöner könnte es nicht sein. Vor allem habe ich hier einen Freundeskreis und meine Familie. Die Kinder leben in der Nähe. Sie kommen zum Fußballgucken vorbei, wenn England spielt.

Sie verfolgen also die WM?

Na klar. Ein Fußballtrainer und ein Dirigent haben als Führungskräfte ganz ähnliche Aufgaben: Sie müssen motivieren und ein Team aufbauen.

Interview: Antje Rößler

Von Antje Rößler

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