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Brandenburg Wild schießen, um Bäume zu schützen: Jäger kritisieren hohe Abschussquoten
Brandenburg Wild schießen, um Bäume zu schützen: Jäger kritisieren hohe Abschussquoten
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00:23 18.04.2019
Geschossenes Rehwild, Wildschweine und ein Fuchs nach einer Drückjagd in Sieversdorf (Landkreis Oder-Spree) Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Die Jäger in Brandenburg sind unzufrieden mit dem von der Landesregierung forcierten Waldumbau und warnen vor den Folgen für den Wildbestand.

Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbands (LJV), sagte der MAZ: „Man hat die Abschusszahlen und den Druck auf das Wild deutlich erhöht. Das hat dazu geführt, dass der Bestand dramatisch abgesenkt worden ist, jedenfalls in den Bereichen, die der Landesforst bewirtschaftet.“

Die große Mehrheit der Brandenburger Jäger – 10.000 von ihnen sind im LJV organisiert – lehne die Intensität ab, mit der dort auf Rot-, Reh- und Damwild geschossen werde, so Wellershoff. Unstrittig sei hingegen, dass im großen Stil Wildschweine erlegt würden müssten.

Im Jagdjahr 2017/18, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, waren es in Brandenburg fast 90.000 Stück Schwarzwild – ein Rekordwert. An zweiter Stelle der Statistik folgt das Rehwild mit gut 61.000 Tieren.

Fusion von Jagd- und Forstbehörde

Dass die ehemals selbstständigen Oberen Jagd- und Forstbehörden des Landes im November 2018 unter Leitung des bisherigen Forstdirektors fusioniert wurden, sieht Wellershoff ebenfalls kritisch. Die Behörde agiere aus einer „reinen Forstperspektive“. So würden Jäger neuerdings für Wildverbiss an einigen Baumarten in ihren Revieren haftbar gemacht. Auf diese Art werde finanzieller Druck ausgeübt, um die Abschusszahlen zu erhöhen.

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„Diese Kritik teilen wir nicht“, erklärte Jens-Uwe Schade, Sprecher von Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Der Waldumbau in Brandenburg mit seinem deutschlandweit einmalig hohen Kiefernanteil (mehr als 70 Prozent) sei alternativlos. Kieferndominierte Wälder seien sehr anfällig gegenüber Naturgefahren und Wetterextremen sowie Insekten- und Pilzbefall, so Schade weiter.

Im Rahmen des Waldumbaus werden anstelle von Kiefern Laubbäume gepflanzt, jeweils auf einer Fläche von 2000 bis 2500 Hektar pro Jahr. Die jungen Eichen und Buchen werden aber besonders häufig von Rehen angeknabbert.

„Im Bundesdurchschnitt verfügt Brandenburg über den höchsten Anteil an verbissenen Jungpflanzen“, heißt es dazu aus dem Ministerium. Die Jäger müssten die vom Wild verursachten Schäden „auf ein wirtschaftlich tragbares Maß begrenzen“.

Gegen Abschussprämien

Damit die Brandenburger Jäger weiter im großen Stil Wildschweine zur Strecke bringen, müsste laut Jagdpräsident Wellershoff vor allem die Fleischvermarktung gestärkt werden. Die von der Landesregierung ausgelobten Abschussprämien sollen den Wildschweinbestand noch weiter reduzieren, um die Risiken durch die Afrikanische Schweinepest zu minimieren.

Doch diese Prämien lehnt der LJV-Präsident ab, wegen der komplizierten bürokratischen Vorgaben und aus grundsätzlichen Erwägungen: „Wir Jäger sind keine Schädlingsbekämpfer.“ Unverständlich findet Wellershoff, dass das Land in einigen Wildschwein-Problemzonen wie dem Nationalpark Oderbruch lange Zeit keine Jagd gestattet hat. „Dort sind Rückzugsgebiete für Schwarzwild entstanden, die das Problem noch verschärfen.“

Im MAZ-Gespräch verlangte Wellershoff eine offene Diskussion darüber, „mit wie vielen Wölfen wir in Brandenburg leben wollen“. Die überzähligen Tiere müssten aber nicht unbedingt getötet werden. Eine Alternative sei, Wölfe zu betäuben und in andere Bundesländer zu bringen, in denen keine oder nur wenige Wölfe leben. Generell straffrei bleiben müsse ein Abschuss, wenn Jäger ihre Hunde verteidigen, fordert der Verband. „Das sind Familienmitglieder“, sagte Wellershoff, „die überlässt kein Hundeführer dem Wolf als Futter.“

Von Thorsten Keller

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Dirk-Henner Wellershoff ist Präsident des Landesjagdverband. Im MAZ-Interview erklärt er, warum er Abschussprämien für Wildschweine falsch findet und warum er mit Brandenburgs Forstbehörden über Kreuz liegt. Im Umgang mit dem Wolf fordert er auch unkonventionelle Wege.

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