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Brandenburg Abtreibungstourismus nach Brandenburg
Brandenburg Abtreibungstourismus nach Brandenburg
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09:53 10.03.2014
Quelle: dpa
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Warschau/Prenzlau

Ihr Weg nach Prenzlau im Nordosten Brandenburgs ist weit: Verzweifelte schwangere Frauen kommen aus Krakau, Bialystok oder Danzig und suchen Rat bei Janusz Rudzinski. Im vergangenen Jahr hat der polnische Arzt, der am Krankenhaus Prenzlau arbeitet, rund 1000 Abtreibungen vorgenommen. «Die Tendenz ist steigend», sagt der Mediziner, der auch deutsche Frauen behandelt, beispielsweise bei Krebs. «In Polen muss eine Lösung des Problems gefunden werden.»

Die Verzweiflung der Frauen, die bei Rudzinski Hilfe suchen, ist groß - und doch sind sie bei weitem besser dran als rund 150 000 andere Polinnen, die jährlich eine illegale Abtreibung vornehmen lassen. Wer das Geld hat, fährt in eine Klinik in Österreich oder Deutschland, der Slowakei oder den Niederlanden. Den anderen bleibt nur ein illegaler Schwangerschaftsabbruch in Polen, mit gesundheitlichem Risiko und der Angst vor dem Gesetz.

Nur 500 bis 600 Schwangerschaften im Jahr werden in Polen offiziell abgebrochen - nach einer Vergewaltigung, bei Gefahr für das Leben der Schwangeren oder schwerer Schädigung des Fötus ist es erlaubt. Doch selbst im Fall eines schwerstbehinderten Kindes haben viele Ärzte nicht den Mut, die legale Abtreibung vorzunehmen, klagen Frauenrechtlerinnen in Polen. Die betroffenen Frauen müssen oft von Arzt zu Arzt ziehen - bis es womöglich zu spät ist und sie nach Erreichen der 25. Schwangerschaftswoche nicht mehr abtreiben dürfen.

«Viele Ärzte haben Angst, fürchten den Druck der Kirche», sagt Romuald Debski, Leiter einer Frauenklinik in Warschau. Auch er war schon mit Protestaktionen von Abtreibungsgegnern konfrontiert, die Klinikmitarbeitern und schwangeren Frauen anklagend Großaufnahmen von Embyronen entgegenstrecken.

Laut und sichtbar sind die Abtreibungsgegner auch auf den «Märschen für das Leben und die Familie». Im vergangenen Jahr scheiterte ein Bürgerbegehren, das die Abtreibung aus medizinischer Indikation unter Strafe stellen sollte. Ein Abgeordneter der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit erregte vor zwei Jahren Aufsehen mit der Forderung, vergewaltigte Frauen sollten im Falle einer Schwangerschaft nicht abtreiben.

«Der Arzt darf nicht helfen», beschreibt Rudzinski das Dilemma. Gehe ein Schwangere zum Arzt, wisse sie nicht, ob sie zu ihm Vertrauen haben könne. Der Arzt wiederum könne sich nicht sicher sein, ob die Frau das Gespräch nicht vielleicht aufzeichne und der Staatsanwaltschaft übergebe. «So schweigen sie im Zimmer und schreiben sich Zettel», sagt Rudzinski. Danach vernichte der Arzt die Zettel, damit es keine Beweise gebe. «Es besteht kein Vertrauen zwischen Patientin und Arzt. Das ist eine Katastrophe.» Der Arzt habe Angst vor der Patientin und diese vor dem Arzt. Nur nur ab und zu gebe es ein vertrauensvolles Verhältnis.

Viele Schwangere, die kein Kind wollen, würden daher zu Medikamenten greifen, um die Schwangerschaft zu beenden. Dann bekämen sie Blutungen und glaubten, das sei schon der Abbruch. «Doch dann stellen sie fest, der Bauch wächst», sagt der Arzt. Das Kind könne dadurch Schäden davontragen. «Das ist ein großes Problem.» Von den Frauen, die bei ihm Hilfe suchen, hätten etwa drei Viertel zuvor auf so ein Medikament gesetzt. Manchmal handele es sich auch um ein nachgemachtes Präparat vom Schwarzmarkt.

Dass der Arzt im grenznahen Prenzlau (Brandenburg) hilft, erfahren viele Polinnen über das Internet. Anonym werden in Foren Erfahrungen mit Medikamenten und Kosten illegaler Abtreibungen ausgetauscht - es gibt aber auch immer wieder den Rat zur Reise ins Ausland. Zu ihm kämen Studentinnen, Schülerinnen, auch Schauspielerinnen und Journalistinnen, sagt Rudzinski. Eine psychologische Beratung zuvor sei notwendig. Eine Abtreibung in Prenzlau kostet 450 Euro. «Das müssen die Betroffenen selbst bezahlen.»

Rudzinski würde zwar auch lieber Kaiserschnitte statt Abbrüche vornehmen. Dennoch sei er froh, den betroffenen Frauen helfen zu können, wenn Gefahr für ihre Gesundheit und ihr Leben bestehen, sagt er. «In der Verantwortung sind in Polen der Staat und die katholische Kirche.» Rudzinski betont: «Es macht keinen Spaß, Abtreibungen vorzunehmen.»

Von Steffi Prutean und Eva Krafczyk, dpa

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