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Brandenburg Hitler und Goebbels hängen im Landtag
Brandenburg Hitler und Goebbels hängen im Landtag
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11:08 12.01.2014
Darf ein Hitlerbild in einem demokratischen Landtag hängen? Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die Besucher staunten am Freitag zum Tag der offenen Tür im Potsdamer Landtagsschloss nicht schlecht. Die Bilder in den Fluren zeigen nicht nur angesehene Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt und Walther Rathenaus, sondern auch Adolf Hitler, Joseph Goebbels oder Walter Ulbricht. Das Machtzentrum des Landes Brandenburg überließ die erheblichen Weißräume im Neubau dem Künstler Lutz Friedel, der serienweise und scheinbar willkürlich alle möglichen Prominenten aus Geschichte und Gegenwart mit Ölfarbe dargestellt hat.

Zwischen den Türen und den Schildern, die zu den Sitzungsräumen weisen, hängen Unholde wie Horst Wessel, Robespierre und die RAF-Terroristin Susanne Albrecht. Aber auch Schöngeister, etwa die Dichter Heinrich Kleist und Mascha Kaleko oder der Maler Rembrandt. Die Titel heißen stets „Selbst als Rosa Luxemburg“, „Selbst als Bob Dylan“, „Selbst als Richard Sorge“. Es sind also – angeblich – Selbstporträts.

Als Malgrund dienten dem 1948 in Leipzig geborenen Künstler jedes Mal 40 mal 60 Zentimeter große Plakate. Die Schrift schimmert an den Rändern noch durch, sie warben für Ausstellungen in St. Gallen, Hannover, Burgk und Brandenburg. Es handelt sich also um Übermalungen, denen – im Gegensatz zu Motiven auf der Leinwand – stets etwas Flüchtiges, nichts Endgültiges anhaftet.

Auf den Bildern (von rechts): Goebbels, der junge Hitler, Stalin. Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass im Landtag nun derart plakativ die Aufmerksamkeit nicht nur auf Vorbilder, sondern auch auf berühmte Massenmörder, Terroristen und Spione, auf Demagogen, Unruhestifter und Attentäter gelenkt wird, ist natürlich eine Provokation. In diesem Umfeld ist es auch ein Politikum, wo welches Bild hängt. Die meiste Toleranz wird wohl die CDU-Fraktion aufbringen müssen, die nun täglich Wladimir Putin, Richard Sorge, Walter Ulbricht, Muammar al-Gaddafi und vor allem Uwe Barschel vor Augen hat. Mittendrin in diesem Reigen hängt Konrad Adenauer, als sei er einer von ihnen.

Die SPD muss sich auf Augenhöhe mit Horst Wessel, Helmut Schmidt und Robespierre auseinandersetzen. Weil der Künstler aber ausdrücklich von Selbstporträts spricht, darf man seine Arbeit nicht als Würdigungen missverstehen. Hier zeigt einer, zu was ein Ich alles in der Lage sein kann, welche hellen und dunklen Seiten, welche Potenzen und Abgründe in jedem Menschen stecken. Nicht zufällig ist auch Hannah Arendt eine der Dargestellten, die von der „Banalität des Bösen“ sprach.

Es ist dem Landtag hoch anzurechnen, dass er einer Kunst Tor und Tür geöffnet hat, die für Unmut sorgen könnte und unter den Abgeordneten auch schon Verwunderung ausgelöst hat. Aber Kunst darf das, sie darf irritieren. Politische Korrektheit ist nicht ihr Ziel. Der Landtag beweist Mut, zumal derzeit zu erleben ist, dass schon die Farbe des Adlers im Plenarsaal die Gemüter erregt.

Von Rosa Luxemburg über Horst Wessel bis Helmut Schmidt. Diese Porträts von Lutz Friedel hängen im SPD-Trakt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Aber ist es hinzunehmen, dass auch Hitler neben dem Richtungspfeil „Plenarsaal“ und „SPD-Fraktion“ hängt? Eine Ausnahme macht der Künstler in diesem Falle. Er zieht einen doppelten Boden ein und nennt das Bild „Selbst als Helge Schneider als Hitler“.

Die CDU reagiert dennoch empört: "Die CDU-Fraktion lehnt es ab, Bilder von Diktatoren und Verbrechern im Landtag auszustellen", sagte Ingo Senftleben, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, am Samstag. "Über Kunst lässt sich immer streiten, Bilder von Hitler oder Stalin sind aber in einem Parlament unerträglich."

Der Maler Lutz Friedel, der heute in Berlin und im havelländischen Dorf Schönholz/Gollenberg lebt, hat in seinem Leben schon leidvolle Erfahrungen mit der Politik gemacht. Als Meisterschüler von Bernhard Heisig befand er sich in der DDR eigentlich auf der sicheren Seite. Als er dann aber 1983 ein riesiges Format mit dem Titel „Der Untergang der Titanic“ zur Bezirkskunstausstellung in Berlin einreichte, erlebte er einen Sturm gegen sich. Das Bild wurde abgelehnt und Friedel übersiedelte in den Westen. Dort galt die figürliche Malerei damals als unzeitgemäß. Nach der Wende musste er dann mit ansehen, wie sich westliche Galeristen plötzlich auf DDR-Künstler stürzten, zu denen er nach seiner Ausreise aber nicht mehr zählte. Er landete selbst in einem Zwischenraum der Geschichte, dessen Unbestimmtheit seine Porträtgalerie vielleicht auch zum Thema hat.

Neben der Tafelmalerei fertigt Lutz Friedel auch raumgreifende Holzskulpturen, die er bemalt. Eine ganze Armada von Büsten steht nun auf dem weißen Marmor vor dem Plenarsaal. Es sind Individuen, die aber namenlos bleiben. In dieser Inszenierung stellen sie Bürger da, die das Treiben der Politiker aufmerksam verfolgen. Bei der Besichtigung drängte sich einem Besucher die Schlagzeile auf: „Holzköpfe im Landtag“.

Von Karim Saab

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