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Ältere Märker holen sich den Grippeschutz

Schutz vor Influenza Ältere Märker holen sich den Grippeschutz

Die Impfpflicht aus DDR-Zeiten hat positive Langzeitwirkungen bis heute. Mehr als die Hälfte der älteren Brandenburger, für die eine Influenza besonders gefährlich wäre, holen sich den Schutz.

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Quelle: dpa

Potsdam. Während die Deutschen bei der Grippe insgesamt immer impfmüder werden, halten Brandenburger am Grippeschutz fest. Laut einer Statistik aus Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen lag Brandenburg mit Sachsen und Sachsen-Anhalt bei den Impfquoten älterer Menschen an der Spitze. Demnach waren in der Saison 2014/15 nicht weniger als 54,5 Prozent der älteren Märker geimpft. Nur Sachsen und Sachsen-Anhalt verzeichnete mit 56,7 und 55 Prozent noch höhere Quoten. In der Saison zuvor war Brandenburg sogar noch an zweiter Stelle gewesen.

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Klares Ost-West-Gefälle bei Impfbereitschaft

Die in der DDR bestehende Impfpflicht scheint sich damit zumindest bei der älteren Generation in einer höheren Impfbereitschaft der Bevölkerung fortzusetzen. „Es gibt ein klares Ost-West-Gefälle“, sagt Astrid Hopfengart, Leiterin der Potsdamer Servicestelle der Kaufmännischen Krankenkasse. Demnach weisen die neuen Länder einschließlich Berlin insgesamt eine Impfquote von 53,8 Prozent auf, während sich in den Alten Bundesländern lediglich 32,8 Prozent der Menschen impfen lassen. Schlusslichter in der Statistik sind die Bayern und die Baden-Württemberger. Dort lässt sich gerade einmal ein Viertel der Bevölkerung impfen.

Die Impfpflicht in der Debatte

I
n der DDR erstreckte sich die Impfpflicht ab den 1960er Jahren auf Pocken, Tetanus, Diphtherie, Tuberkulose und Kinderlähmung. Die Ausweitung der Impflicht hatte auch mit dem Selbstverständnis des sozialistischen Staates zu tun. In der DDR zielte die Gesundheitspolitik auf eine effektive Ausrottung von Infektionskrankheiten.

Impfpflicht gibt es in Deutschland aktuell nicht mehr, nur Impfempfehlungen, die die am Berliner Robert-Koch-Institut angesiedelte ständige Impfkommission (Stiko) herausgibt. Das Expertengremium trifft sich jährlich zweimal jährlich, um sich mit aktuellen Fragen zu Schutzimpfungen und Infektionskrankheiten in Forschung und Praxis zu beschäftigen.

Reisende müssen bei Einreise in bestimmte Länder eine Gelfieberimpfung nachweisen. Einen solchen Nachweis fordert etwa Venezuela. Auch Staaten in Afrika und in Asien kennen einen solchen Nachweis für Gelbfieberimpfung

2015 wurde die Debatte um die Impfpflicht wieder mit großer Schärfe geführt, als Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) im April 2015 Gegnern einer Masernimpfung mit Konsequenzen drohte. Er sagte damals auch, eine Impfpflicht dürfe kein Tabu sein.

Die traditionellen Impfgewohnheiten schlagen sich auch auf den herbstlichen Betrieb bei den Hausärzten nieder. Die Potsdamer Praxis der Diplom-Medizinerin Kerstin Wulf vermeldet zum Beispiel derzeit konstant hohe Impfraten. „Die Leute kommen ganz fleißig zum Impfen, schon seit Jahren“, teilt die dortige Sprechstundenhilfe mit. Zumindest für die Babelsberger Hausarztpraxis müsse das Verhalten der Patienten als „vorbildlich“ beschrieben werden. Einen Einbruch der Impfzahlen könne die Praxis keinesfalls vermelden.

Bundesweit sieht die Entwicklung dagegen Besorgnis erregend aus. Laut einer Datenanalyse der Kaufmännische Krankenkasse (KKH) gab es deutschlandweit immer mehr Impfmuffel. Ließ sich im Jahr 2009 noch jeder fünfte KKH-Versicherte gegen die Grippe impfen, war es 2015 nur rund jeder siebte. Die Tendenz sei weiter abnehmend. Dabei ist die echte Grippe, auch Influenza genannt, eine ernst zu nehmende Erkrankung. Sie wird durch Viren verursacht und führt in Deutschland zu bis zu 20 000 Todesfällen im Jahr. „Daher sollten sich vor allem Risikogruppen unbedingt einmal jährlich gegen Grippe impfen lassen“, rät Hopfengart von der Servicestelle der Krankenkasse.

Deutschlandweit gehen zu wenige Senioren zur Impfung

Auch das Robert-Koch-Institut in Berlin zeigt sich über die deutschlandweite Entwicklung beunruhigt. „Die Impfquoten sind nach wie vor völlig unzureichend“, sagt Sprecherin Susanne Glasmacher. Gerade knapp 37 Prozent der Senioren ließen sich in Deutschland impfen. Dabei strebe die Europäische Union für ältere Menschen eine Impfquote von 75 Prozent an. Empfehlenswert seien Grippeschutzimpfungen nicht nur für Ältere, sondern auch für chronisch Kranke und Schwangere.

Trotz der relativ hohen Quote in der Mark ist man auch im brandenburgischen Gesundheitsministerium noch nicht zufrieden. „Besonders ältere Menschen und chronisch Kranke sollten die Grippeschutzimpfung nutzen“, sagt Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke), die auch in dieser Saison wieder zur Grippeimpfung aufruft. Die Impfung schütze zwar nicht 100-prozentig gegen Grippeinfektionen, senke aber auf jeden Fall das Risiko von Komplikationen. Diese Risiken müsse man sehr ernst nehmen. So seien in der Saison 2015/2016 in Brandenburg zwei Menschen an Influenza gestorben – beide waren ungeimpft.

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Von Rüdiger Braun

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