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Brandenburg Agrarriese KTG meldet Insolvenz an
Brandenburg Agrarriese KTG meldet Insolvenz an
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09:51 06.07.2016
Quelle: Claudia Bihler
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Hamburg, Putlitz, Herzsprung

Schon seit einiger Zeit hatten die Anleihe-Geber der Aktiengesellschaft KTG-Agrar berechtigte Sorge um ihre Geldanlagen: Zuerst verschob die KTG ihre Jahreshauptversammlung wegen Erntearbeiten, dann vertröstete das Unternehmen seine Gläubiger zur Zahlung von 17,8 Millionen fälliger Zinsen um vier Wochen. Schließlich am Dienstagnachmittag stellte die KTG Insolvenzantrag beim Hamburger Gericht. Die KTG-Aktienkurs sackte radikal ab, die Aktie bewegt sich nun nun im Pennystock-Bereich.

Chinesischer Investor hat abgesagt

Hatte die KTG bei ihrer Hauptversammlung 2015 noch angekündigt, einen chinesischen Investor zu rund neun Prozent am Unternehmen zu beteiligen, war dieses frische Kapital nicht geflossen, die Chinesen hatten abgesagt. Offenbar hatte auch dies den Agrarriesen in Zahlungsnotstand gebracht. Auf über 450 Millionen Euro summieren sich die Verbindlichkeiten der KTG Agrar. Dazu gehören 250 Millionen Euro aus den Anleihen, für die die Zinsen gezahlt werden sollen. Der Gesamtbetrag wird im nächsten Jahr fällig. Hinzu kommen rund 100 Millionen für eine weitere Anleihe.

Rund 200 Millionen Euro Außenstände

Gleichzeitig bilanzierte die KTG ihrerseits rund 200 Millionen Euro an Außenständen - offenbar Kredite, die an andere Unternehmen vergeben worden sind. Darunter fallen unter anderem über 30 Millionen Euro an das Tochterunternehmen KTG Energie mit Biogasanlagen unter anderem in Putlitz und Perleberg (Prignitz). An wen der übrige Großteil der Darlehen ausgereicht wurde, wird auch im letzten Jahresabschluss nicht deutlich.

Seit 2014 strikter Sparkurs

Siegfried Hofreiter. Quelle: KTG

Bereits 2014 hatte KTG-Vorstand Siegfried Hofreiter dem Unternehmen eigentlich einen strikten Sparkurs verschrieben. So sollten beispielsweise keine wesentlichen Investitionen in Flächen mehr getätigt werden - obwohl der Flächenhandel ein Kerngeschäft der KTG sei, wie Hofreiter bei der letzten Hauptversammlung betonte. Gleichzeitig beschwor er „stille Reserven“ von 120 Millionen Euro: Gelder, die aus der Differenz zwischen dem Kaufpreis für die KTG-Flächen und ihrem heutigen Marktwert bestehen sollen. Einen Gewinn von knapp sieben Millionen Euro hatte der Agrarriese bei der Hauptversammlung in 2015 wegen rund sechs Millionen Euro an Agrarsubventionen aus Brüssel melden können. Im letzten Geschäftsjahr ist das Ergebnis dann bei höherem Umsatz auf 3,6 Millionen Euro gesunken, als Grund wurden Ernteausfälle unter anderem in Rumänien und niedrige Marktpreise genannt.

Die KTG bewirtschaftet über 40 000 Hektar Flächen in Ostdeutschland, in Lettland und Rumänien. Eine Beteiligung an einem russischen Schweinemastbetrieb soll inzwischen aufgelöst sein.

Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung

Ihr Insolvenzverfahren und eine Restrukturierung möchte die KTG in Eigenverantwortung durchführen - mit einem Insolvenzverwalter an der Seite, der die Kontrolle über die Geschäfte ausüben soll. Diese Aufgabe soll als Restrukturierungs-Vorstand Rechtsanwalt Jan Ockelmann aus der Sozietät Johlke übernehmen. Er ist Insolvenzverwalter und soll über langjährige Kontakte zu landwirtschaftlichen Betrieben und Beratern verfügen.

Betriebe in Putlitz und in Herzsprung

KTG-Biogasanlage in Putlitz Quelle: KTG

In der für börsennotierte Unternehmen vorgeschriebenen Ad-Hoc-Meldung heißt es, dass der operative Betrieb in den Betrieben - insbesondere anstehende Erntearbeiten - fortgeführt werde. Dies betrifft etwa die Niederlassungen der KTG in Putlitz (Prignitz) und Herzsprung (Ostprignitz-Ruppin). Möglichst viele der rund 1000 Arbeitsplätze bei der KTG sollen erhalten werden, heißt es: „Ziel der Beteiligten ist es, das Unternehmen und die KTG-Gruppe langfristig zu erhalten und möglichst viele Arbeitsplätze an den Standorten zu sichern. Der Vorstand und der vorläufige Sachwalter werden hierfür die Optionen ausloten und in Abstimmung mit den Hauptgläubigern einen Sanierungsplan erarbeiten.“ Zunächst will die KTG die Lohnzahlungen über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung absichern.

Biogas-Tochter KTG Energie nicht betroffen

Die ebenfalls börsennotierte Biogas-Tochter KTG Energie sei von der Insolvenz nicht betroffen. In einem Finanzmagazin wird KTG Energiechef Thomas Berger zitiert, dass er mit Banken, Kreditversicherern und Lieferanten im Gespräch sei, um das Fortbestehen der Firma zu sichern. Er soll auch bei lokalen Landwirten bereits nach neuen Lieferanten suchen, um eventuelle Lieferengpässe kompensieren zu können.

Von Claudia Bihler

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