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Alarm-Apps erreichen nur wenige Landkreise

Katastrophenwarnungen in Brandenburg Alarm-Apps erreichen nur wenige Landkreise

Der Sommer der Gewalt macht deutlich: Ein modernes Alarmierungssystem für die Bevölkerung ist nötig. Aber in Brandenburg konkurrieren noch verschiedene unausgereifte Systeme miteinander. Deshalb setzen Rettungsfachleute auf altbewährte Technik.

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Warnmeldung auf dem System Katwarn.

Quelle: dpa

Potsdam. Im Angesicht von Terror und zunehmend extremen Wetterlagen verstärken Land und Bund die Anstrengungen, ihre Alarmierungssysteme zu verbessern. Jedoch stehen die modernen, auf Basis von Smartphone-Apps funktionierenden Alarmierungswege in großen Teilen des Landes noch nicht zur Verfügung. Ein bundesweites Netz, mit dessen Hilfe die fünf Rettungsleitstellen im Land mit einem Knopfdruck gleichzeitig Radio- und TV-Stationen, Nachrichtenagenturen, Handy-gestützte Alarmsysteme und in Zukunft sogar Rauchmelder ansteuern können, befindet sich im Aufbau.

Land und Bund werkeln an einheitlichem System

Laut Innenministeriums-Sprecher Wolfgang Brandt verfügen derzeit nur die Regionalleitstelle Lausitz und das Koordinierungszentrum Krisenmanagement im Innenministerium über Auslösestationen für dieses Modulare Warnsystem des Bundes (Mowas). „In den anderen Regionalleitstellen Brandenburgs erfolgt derzeit die Installation und die Schulung der Mitarbeiter“, so Brandt. Ein Datum für die Inbetriebnahme nennt das Ministerium nicht. Dennoch sei, so Sprecher Brandt, zum jetzigen Zeitpunkt „die Warnung der Bevölkerung sichergestellt“.

Noch gleicht Brandenburg in Sachen Alarmsysteme einem Flickenteppich. Zwei Handy-basierte Systeme konkurrieren miteinander. Das im Falle des Münchener Amoklaufs eingesetzte Benachrichtigungsprogramm Katwarn wird nur im Landkreis Dahme-Spreewald eingesetzt, außerdem in Berlin. Die ursprüngliche Idee: Im Fall einer Katastrophe erhalten die Bürger eine Warn-SMS aufs Handy. Die SMS-Gebühren – sechs Cent pro Nachricht – zahlt der Landkreis.

Nun steht die vom Frauenhofer-Institut und den öffentlichen Versicherern gegründete Telefon-Alarmierung im Landkreis auf dem Prüfstand, denn Katwarn gibt es mittlerweile auch als gebührenfreie Handy-App. „Wir fragen uns: Ist unser Vertrag noch zeitgemäß?“, sagt Kreissprecherin Silvia Enders. Neben der Einführungsgebühr von 15 000 Euro kommen jedes Jahr 3000 Euro Wartungskosten hinzu. Außerdem haben sich im ganzen Landkreis nur 1555 Menschen bei dem SMS-Warn-Service angemeldet. Das entspricht gerade einmal einem Prozent der Bevölkerung.

Notfall-App Nina des Bundes wartet noch auf Anschluss

Parallel verspricht eine vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erdachte Warn-App namens Nina (Notfall-Informations- und Nachrichten-App) bundesweit schnellen Katastrophen-Alarm. Ein Signalton aus dem Handy soll die Bürger aufschrecken. Potsdam etwa hat sich für dieses System entschieden. Allein: Es funktioniert noch nicht. Erst muss in der Leitstelle der Landeshauptstadt die oben genannte Informationsschnittstelle Mowas eingerichtet sein. Nina stecke „noch ziemlich in den Kinderschuhen“, sagt Alexander Engel, Fachdienstleiter für Brand- und Katastrophenschutz beim Kreis Potsdam-Mittelmark. Seine Verwaltung nutzt derzeit keine der Apps, Engel hält sie aber für „zukunftsträchtig“.

Renaissance der Sirenen

Andere Landkreise halten Abstand zu so viel technologischen Versprechungen. „Wir setzen keine der einschlägigen Apps ein, denn sie haben eine nur sehr geringe Verbreitung, Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“, sagt die Sprecherin des Kreises Ostprignitz-Ruppin, Britta Avantario. In dem ausgedehnten Landkreis gebe es außerdem „immer noch ein flächendeckendes Sirenenwarnsystem“, sagt Avantario. In Gegenden mit schlechter Funknetzabdeckung bleiben neben Radio, Fernsehen, und Lautsprecherwagen von Feuerwehr und Polizei die bewährten grauen Pilze auf den Dächern das Mittel der Wahl. „Sirenen sind ein gutes unterstützendes Mittel“, sagt Brandschützer Engel aus Potsdam-Mittelmark.

Ob in Werder, Treuenbrietzen oder Bergholz-Rehbrücke – die andernorts nach der Wende abgebauten Heuler erleben eine Renaissance. Zwar kostet ihr Unterhalt die Kommunen Geld, doch gilt unter Katastrophenschützern wie dem Rehbrücker Ortswehrführer Michael Pozorski: „Wir haben je nach Wetterlage große Funklöcher, da reagiert nicht einmal mein Pieper – deshalb sind wir froh über die Sirenen. Die in Rehbrücke läuft einmal im Monat zur Probe: Am ersten Sonnabend im Monat um 11 Uhr.

Von Ulrich Wangemann

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