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Aldi plant Wohnungen auch in Brandenburg

Angespannter Immobilienmarkt Aldi plant Wohnungen auch in Brandenburg

In Berlin macht der Plan des Discount-Riesen Aldi Furore, in den Bau günstiger Mietwohnungen einzusteigen. Nun hat das Unternehmen auch Standorte in Brandenburg im Visier – sogar an der Brücke nach Polen.

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ALDI-Nord plant solch einen Riegel in Berlin-Lichtenberg.

Quelle: aldi nord

Potsdam. Der Discount-Riese Aldi will nun auch in Brandenburg Mietwohnungen bauen. In Wildau (Dahme-Spreewald) und Frankfurt (Oder) laufen Planungen für innerstädtische Projekte mit einer Mischung aus Wohn- und Geschäftsneubauten. Das bestätigten beide Stadtverwaltungen.

Aldi hatte Ende Januar Aufsehen erregt mit der Ankündigung, in Wohnimmobilien an Berliner Standorten von Aldi-Märkten zu investieren. An mindestens 30 Orten in der Bundeshauptstadt sollen mehr als 2000 Wohnungen entstehen. Für das Berliner Umland erwartet das Unternehmen eine Zunahme der Bevölkerung um 90 000 Menschen bis zum Jahr 2030. Diese „rasante Wachstumsrate“ stelle den Wohnungsmarkt und das Unternehmen „bei der Suche nach neuen, geeigneten Filialstandorten“ vor große Herausforderungen, heißt es in einer Aldi-Pressemitteilung.

Ein Neubau in der denkmalgeschützten Arbeitersiedlung

Einen bereits bestehenden Markt will das Unternehmen in der Wildauer Schwartzkopff-Siedlung neu auflegen und dazu ein knapp einen Hektar großes Areal bebauen. Das Gelände liegt zentral an einem historischen Ort: inmitten der denkmalgeschützten Anlage, die um 1900 für Mitarbeiter der Lokomotivenfabrik errichtet wurde. Ein eingeschossiger Aldi-Markt steht dort schon, daneben eine ebenfalls niedrige Bibliothek. Garagen und ein Parkplatz gehören zu dem Ensemble, das Aldi nutzen möchte.

Dieses Sammelsurium könnte einem neuen Komplex weichen. „Die Nachfrage nach Wohnraum ist groß, wir haben in Wildau absolut keinen Leerstand, die kommunale Wohnungsbaugesellschaft führt Wartelisten“, sagt der Leiter der Wildauer Bauverwaltung, Wilfried Kolb. Die Gespräche zwischen Aldi und dem kommunalen Wohnungsunternehmen liefen schon seit zwei Jahren – sie begannen also weit vor der groß angekündigten Immobilien-Offensive des Unternehmens.

Aus einstöckigen Verkaufshallen sollen Wohnbauten werden

Aldi, dem in Wildau ein Teil der Fläche gehört, verfolgt mit seiner Immobilienstrategie natürlich kommerzielle Pläne. Innerstädtische Standorte sollen größer werden. Außerdem ist die Immobilienbranche ein boomender Sektor, in dem sich langfristig Geld verdienen lässt in einer Wachstumsregion wie Berlin-Brandenburg. Die einstöckigen Märkte mit ihren Satteldächern sollen Mehrgeschossern weichen.

Wilfried Kolb, Bauverwaltungs-Leiter von Wildau, sagt, die Gespräche mit Aldi liefen schon seit zwei Jahren

Wilfried Kolb, Bauverwaltungs-Leiter von Wildau, sagt, die Gespräche mit Aldi liefen schon seit zwei Jahren.

Quelle: mohr

Die Weichen für ein weiteres solches Projekt könnten sich dieser Tage in Frankfurt (Oder ) stellen. Dort hat die Stadt ein Gelände unmittelbar an der Brücke über die Oder ausgeschrieben. Einer der beiden Bewerber ist laut „Märkischer Oderzeitung“ (MOZ) ein Schweizer Immobilienunternehmen, das als Finanzier Aldi gewonnen haben soll. Weder Aldi noch der Projektentwickler P.ARC Real Estate wollten sich gestern zu dem Projekt äußern – vielleicht auch deshalb, weil für den Montagabend eine Vorentscheidung im örtlichen Vergabegremium ausstand.

Übernimmt Aldi die komplette Finanzierung?

Aldi soll laut MOZ die Finanzierung des Projekts von der Entwicklung bis zur Fertigstellung übernehmen. Es soll um ein Investitionsvolumen von 20 bis 25 Millionen Euro gehen. Der städtische Baubeigeordnete Markus Derling (CDU) sprach gegenüber der MAZ von einer dreistelligen Anzahl Wohnungen und Gewerbeflächen, die auf dem Gelände entstehen sollen, wo früher einmal Plattenbauten und eine Gaststätte standen. Am Donnerstag entscheiden die Stadtverordneten, welcher Bieter zum Zug kommt.

Zeitung: Discounter will an der Oderbrücke bauen

Wie aber passt Frankfurt (Oder), eine Stadt, die seit der Wiedervereinigung fast 30 000 Einwohner verloren hat, in das Aldi-Konzept für eine Boom-Region wie Berlin? Massenweise wurden in der Vergangenheit Wohnblocks aus DDR-Zeiten abgerissen. „Ja, es musste diesen dramatischen Anpassungsprozess geben“, sagt der Beigeordnete. „Aber es gibt nun einen Bedarf jenseits der Platte“.

Viele Menschen zögen nach Jahrzehnten der Stadtflucht zurück in die Zentren. Gerade im Alter wüssten sie die gute ärztliche Versorgung und die nahen Einkaufsmöglichkeiten zu schätzen, sagt Derling. Die gute Anbindung Frankfurts an den Berliner Raum lasse zudem auf „eine Rückorientierung“ auf die Oder-Stadt und ihre Vorzüge hoffen. Das sehe nicht nur die Stadt so. Aldis Engagement sei immerhin eine „unternehmerische Entscheidung“, so Derling.

Von Ulrich Wangemann

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