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„Als PDS light gehen wir nicht durch“

AfD-Bundesvize Alexander Gauland im Interview „Als PDS light gehen wir nicht durch“

Der AfD droht die Spaltung. Ex-Parteichef Bernd Lucke hat seine Unterstützer zusammengeschart und denkt über die Gründung einer neuen Partei nach. Entwickelt sich die AfD unter Frauke Petry zu einem deutschen Pendant des französischen Front National? Hat die Partei nur im Osten eine Zukunft? Ein Interview mit Bundesvize Alexander Gauland.

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AfD-Bundesvize Alexander Gauland (74)

Quelle: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Alexander Gauland, 74, ist stellvertretender Bundesvorsitzender und Landeschef der AfD in Brandenburg.

Herr Gauland, nach dem Bundesparteitag in Essen bleibt es unruhig in der AfD. Steht die Partei vor der Spaltung?

Alexander Gauland: Die Partei wird sich nicht spalten, aber es gibt je nach Landesverband Abspaltungstendenzen unterschiedlicher Ausprägung. Die Weckruf-Initiative von Bernd Lucke ist in den Südwestländern besonders stark, also in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Von dort erreichen uns die meisten Austrittsmeldungen. In Brandenburg ist die Lage mit lediglich zehn Austritten dagegen stabil und ruhig. In der ostdeutschen AfD hat es nie diese Flügeldiskussionen gegeben.

Bernd Lucke ist mit Schimpf und Schande aus dem Parteivorsitz gejagt worden. Geht man so mit einem Gründer um?

Gauland: Das möchte ich so nicht stehen lassen. Die Emotionalisierung ist nicht von uns, sondern von Bernd Lucke ausgegangen. Ich habe von meinem Platz aus gehört, wie „Petry Heil“-Rufe aus der Gruppe der Weckruf-Unterstützer kamen. Es ist einer der großen Fehler von Lucke gewesen, dass er die Partei nicht mehr richtig eingeschätzt hat. Auf beiden Seiten gab es Äußerungen, die daneben waren. Aber das ist die Folge, wenn man wie Lucke eine Partei in der Partei gründet.

Wie kam es zum Bruch?

Gauland: Anfangs ging es unter den Gründern noch kameradschaftlich zu. Später hat Lucke von oben nach unten durchregiert. Mit der Zeit hat sich sein Führungsstil immer stärker in Richtung Autokratie gewandelt. Bei einer eventuellen Neugründung wird er dieselben Probleme wieder haben.

Driftet die AfD unter Frauke Petry weiter nach rechts außen ab, um auf den Spuren der französischen Rechtsextremen vom Front National zu wandeln?

Gauland: Das wird nicht geschehen. Wir haben an der Spitze der Partei neben Frau Petry mit Professor Jörg Meuthen wieder einen Wirtschaftsliberalen. Die Kritik am Euro und der Griechenland-Rettung werden wir wieder ganz nach vorne stellen. Aber die anderen Themen, mit denen Lucke immer wieder gefremdelt hat, werden natürlich auch künftig eine Rolle spielen.

Welche sind das?

Gauland: Es sind die Themen, die auch bei der Bevölkerung eine große Rolle spielen, wie Zuwanderung, Asyl, Kriminalität und öffentliche Sicherheit. Wen brauchen wir in unserer Gesellschaft? Wer ist asylberechtigt und wer wird abgeschoben? Und wie soll unsere Gesellschaft in 20, 30 Jahren aussehen?

Die westdeutschen Professoren und Unternehmer verlassen die Partei, die jetzt maßgeblich von Sachsen und Brandenburg aus geführt wird. Entwickelt sich die AfD zu einer reinen Ostpartei, wie es früher die PDS war?

Gauland: Das hoffe ich nicht, und wir werden auch versuchen, das zu verhindern. So stolz ich darauf bin, dass wir in Sachsen und Brandenburg besonders erfolgreich sind, ist eine Partei nicht in den Bundestag zu führen, wenn sie nur in den ostdeutschen Landesverbänden stark ist. Wir brauchen auch die Mitglieder in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. In diesen Landesverbänden müssen wir die Menschen halten. Als „PDS light“ gehen wir nicht durch. Das wäre falsch und das nähmen uns die Menschen auch nicht ab.

Immer wieder provozieren AfD-Mitglieder in der Öffentlichkeit mit rechten Thesen. Ist das Ausdruck der parteiinternen Demokratie oder wollen Sie das künftig kanalisieren?

Gauland: In allen großen Parteien gibt es Mitglieder, die mal querschießen. Wenn man die alle gleich ausschließen wollte, hätte man bald mehr solcher Verfahren als Mitglieder. In der Auseinandersetzung mit Bernd Lucke habe ich immer darauf beharrt, dass parteiintern Meinungsfreiheit herrscht. Abweichende Meinungen bedeuten nicht zwangsläufig ein parteischädigendes Verhalten. Daran möchte ich festhalten – und zwar in alle Richtungen.

Von Bastian Pauly

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