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Brandenburg Alexander Gauland im Kreuzverhör der Leser
Brandenburg Alexander Gauland im Kreuzverhör der Leser
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20:54 29.08.2017
Alexander Gauland während der Bundesleserkonferenz. Quelle: RND
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Berlin

MAZ-Leser haben auf der Bundesleserkonferenz des RedaktionsNetzwerksDeutschland (RND), das auch die MAZ mit Aktuellem aus der Bundeshauptstadt versorgt, am Abend kritische Fragen an AFD-Spitzenkandidat Alexander Gauland (76) gestellt. Das Format widmet jedem der Spitzenkandidaten der aussichtsreichen Parteien in Deutschland einen Abend - im Haus der Bundespressekonferenz im Berliner Regierungsviertel.

Brigitte Hardt aus Potsdam konfrontiert den AFD-Vormann - ebenfalls ein Potsdamer - mit der extremen Rhetorik mancher seiner Parteifreunde. „Was Björn Höcke und André Poggenburg äußern ist Nazi-Deutsch - und davor fürchte ich mich“, sagt die Rentnerin. Sie zitiert Poggenburg mit seinen Äußerungen, in denen er linke Studenten als „Wucherungen am deutschen Volkskörper“ bezeichnete. Außerdem zitierte sie Höckes Bezeichnung des Berliner Holocaust-Mahnmals als „Denkmal der Schande“.

Es war der wohl emotionalste Punkt der Debatte und einer, bei dem der rhetorisch gewohnt souveräne Politik-Profi Gauland kaum gegenhalten konnte. Höcke habe sich entschuldigt und zugegeben, ein „wichtiges Thema vergeigt“ zu haben, sagte Gauland. Auch Poggenburgs Geschwür-Wortbild sei „absoluter Mist“ gewesen, sagte der AfD-Spitzenkandidat. Dem Kollegen sei „die Zunge ausgerutscht“. Ehrenamtlerin Brigitte Hardt ist zwiegespalten, sagte sie vor der Debatte. Einige Programmpunkte - etwa Härte gegen islamistische Extremisten teile sie. Ihre Enkelin war zur Zeit des Barcelona-Anschlags in der katalanischen Hauptstadt und hörte die Schrei der Verletzten. Doch stoße sie die AfD-Rhetorik ab und: „Man kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren.“ Als ehemaliges Heimkind wisse sie, wie schwer Ressentiments auf Menschen lasten könnten. Privat kümmert sich Brigitte Hardt um eine Familie aus Aleppo und Flüchtlingskinder in einer Spielgruppe. „Man lernt so feine Familien kennen“, sagt sie.

Persönlich Eindruck gemacht hat Gauland auf Rainer Nitzsche aus Potsdam. „Der Mann stellt sich, das rechne ich ihm hoch an. Er hält viel aus.“ Der Potsdamer ist auch genervt davon, dass man „als politisch interessierter Mensch leicht in die rechte Ecke gestellt wird“. Allerdings ist auch Nitzsche abgestoßen von den immer wiederkehrenden verbalen Entgleisungen der AfD-Vorderen. Aktuellester Fall: Gauland selbst. Er hatte der Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, gewünscht, sie solle „in Anatolien entsorgt“ werden. Dazu MAZ-Leser Nitzsche: „Das geht überhaupt nicht. Solche Wörter sind harter Nazi-Sprech.“ Gauland werfe in gewohnter AfD-Manier „gezielt Brocken hin“, um einen Skandal zu erzeugen und sich anschließend davon ein wenig zu distanzieren. Inhaltlich sieht der ehrenamtliche Fußballfunktionär Nitzsche viele Lücken im AfD-Programm. So habe Alexander Gauland zugegeben, dass die AfD noch keine rechte Vorstellung von einer gerechten Rentenpolitik habe - Gauland verwies in diesem Zusammenhang darauf, die Partei sei noch jung. In Europafragen sei die Partei, so Nitzsches Resümee des Abends, ebenfalls unentschlossen: Die EU in der jetzigen Form bekämpfe die Partei, erwarte aber eine europäische Lösung für die Flüchtlingskrise.

Zwei der AfD offenbar näher stehende MAZ-Leserinnen äußerten Zustimmung zu vielen Partei-Programmpunkten. „Ich habe ein Riesenproblem mit den öffentlich-rechtlichen Programmen“, sagte Birgitt Reinholz aus Zeesen (Dahme-Spreewald). „Die Programme decken sich, die Länderchefs haben zu viel Einfluss.“ Mehr Abschiebungen von Asylbewerbern befürwortet sie ebenso wie eine Reduzierung der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die ehemalige Bank-Mitarbeiterin verteidigte Gauland auch wegen dessen Özoguz-Angriff: „Mit dem Wort Entsorgung habe ich ein Problem - aber auch nur damit“, so Reinholz.

MAZ-Leserin Brigitte Hardt am Tisch mit Alexander Gauland. Quelle: Ulrich Wangemann

Für die Gauland-kritische MAZ-Leserin Brigitte Hardt endete der Abend auf einer versöhnlichen Note: Der von der resoluten Mitdiskutantin offenbar beeindruckte Gauland nahm die Rentnerin in seinem Wagen mit zurück nach Potsdam.

Von Ulrich Wangemann

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