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Brandenburg Alles andere als Stromberg
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00:27 18.11.2018
Marius Arnim aus Werder hat im August eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann in Potsdam begonnen und ist stolz auf sein erstes eigenes Dienstauto. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Werder/Potsdam

„Das Leben ist kein Ponyhof, auch nicht bei einer Versicherung“, sagt Bernd Stromberg, der Leiter einer Versicherungsabteilung in der mehrfach ausgezeichneten Comedy-TV-Serie „Stromberg“, die über Jahre ein Millionenpublikum erheitert hat.

An dem schlechten Image, mit dem die Versicherungsbranche in Deutschland zu kämpfen hat, hat auch die Fernsehserie nichts geändert. Doch Marius Arnim aus Werder lässt sich in seinem Berufswunsch nicht beirren. Seit August läuft seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann in Potsdam.

Arnims Einstieg in die Versicherungsbranche beginnt am 19. Oktober 2017. An dem eigentlich gewöhnlichen Donnerstag bereitet der 21-Jährige seine Bewerbungsunterlagen vor, damit nach dem Abbruch seines BWL-Studiums der nächste Schritt in seinem Berufsleben bald beginnen kann.

Eine Stunde später klingelt das Telefon

Er möchte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann machen. Also sucht er bei einer Jobbörse für Ausbildungsberufe im Internet nach Angeboten, die ihm zusagen. Dabei fällt ihm die Ausschreibung der Versicherungsagentur von Thomas Klahr für eine Filiale in Potsdam auf. „Die Stellenausschreibung hat sich super gelesen. Dazu kam der Standort Potsdam. Da wollte ich unbedingt mein Glück versuchen.“

Keine Stunde später klingelt sein Telefon, als er sich für einen Moment an der Playstation vom Bewerbungen schreiben erholt: „Der Vertriebsdirektor rief mich an und war auf Anhieb von meinen Unterlagen überzeugt, sodass er mich gleich zum Bewerbungsgespräch nach Berlin eingeladen hat“, sagt der 21-Jährige.

Das Bewerbungsgespräch wenige Tage später läuft gut. So gut, dass Arnim nach einem einem weiteren Bewerbungsgespräch, einem dreitägigen Praktikum und einem Assessment-Center grünes Licht bekommt: Seine Ausbildung kann am 1. August in Potsdam beginnen.

Marius Arnim bei der Unterzeichnung seines Ausbildungsvertrags mit Thomas Klahr, Leiter des Agenturverbunds der Nürnberger Versicherung. Quelle: Felix Teuber

„Meine Freunde und Familie waren begeistert“, sagt er. „Der Beruf passt zu dir“, hört er häufig. Vor allem seine Mutter ist froh, dass das mit der Ausbildung geklappt hat. Nach dem Studienabbruch hatte sie sich Sorgen gemacht, wie es mit ihrem Sohn weitergeht.

In seinem Freundeskreis hat sich der junge Mann auch Sprüche über seinen künftigen Beruf anhören müssen. „Super Marius. Dann kannst du ja meine Versicherungen prüfen und mir immer die besten Angebote schicken“, sagt ein Freund zu ihm. Ein Scherz, das weiß Arnim. Denn die Familie, seine Freundin oder Freunde ab sofort als Neukunden gewinnen zu müssen, ist für ihn unprofessionell.

Imageproblem der Versicherungsvertreter ärgert Marius Arnim

Dem gebürtigen Potsdamer ist von Beginn an klar, dass er in einer Branche arbeitet, deren Image nicht das Beste ist. Was dazu geführt hat, dass Versicherungsvertreter in Deutschland nicht den besten Ruf genießen, kann er nur vermuten:

„Es scheint, als habe es eine Zeit gegeben, in der Versicherungsvertreter mit wenig Ahnung die Menschen beraten und ihnen willkürlich Versicherungen verkauft haben. Diese Unterschriftensammler sind den Menschen wohl in Erinnerung geblieben und haben dem gesamten Beruf geschadet“, sagt der 21-Jährige. Er betont, dass Versicherungskaufmänner Berater, aber keine Verkäufer sind. „Jeder, der das andersherum sieht, ist in der Branche falsch und sollte sich einen anderen Job suchen.“

TV-Serie Stromberg beeinflusst seine Berufswahl nicht

Die TV-Serie „Stromberg“ kennt Arnim zwar, aber hat ihn nie besonders interessiert: „Ich kenne die Show und habe ein paar Folgen gesehen, aber sie nicht weiter verfolgt. Sie hat mich in keiner Form bei meiner Berufswahl beeinflusst“, sagt Arnim.

Eher war es dem 21-Jährigen immer wichtig, mit Menschen in Kontakt zu sein, ihnen zu helfen und flexibel arbeiten zu können. „Du kannst als Versicherungskaufmann dein eigener Chef sein und richtest dich danach, wann die Menschen Zeit für dich haben.“ Jeden Termin gilt es dabei genau vorzubereiten. „Jedes Gespräch läuft anders, sodass ich mich jedes Mal neu einlese, wenn ich zum Kundentermin verabredet bin. Das gefällt mir.“

Auch wenn Arnim erst seit August Azubi ist, hat er den Blick bereits nach vorne gerichtet. Der 21-Jährige kann es kaum erwarten, selbstständig Kunden zu beraten. Irgendwann kann er sich vorstellen, später seine eigene Versicherungsagentur zu gründen – in Potsdam. Dort ist seine Heimat. Dort hat er alles, was ihn gerade glücklich macht. Und nun auch den dazu passenden Beruf.

Die Probleme der Versicherungsbranche

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sind Nordrhein-Westfalen und Bayern die Versicherungsstandorte Deutschlands. Hier arbeiten rund 219700 Menschen in der Versicherungsbranche. In Brandenburg sind 10089 im Versicherungsgewerbe beschäftigt. 513000 Beschäftigte verzeichnet die Branche insgesamt (Stand: 2017).

Dabei kämpft das Berufsfeld mit Nachwuchsproblemen und einer ungleich verteilten Altersstruktur. Die letzte Strukturanalyse des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) für das Jahr 2016 legt dar, dass von 3828 Arbeitern in der Versicherungsbranche mehr als die Hälfte mindestens 50 Jahre alt war. Das Durchschnittsalter betrug 49 Jahre. Laut BVK-Analyse eine Tendenz, die sich seit Jahren abgezeichnet, aber bei vielen Versicherungsgesellschaften nicht dazu geführt hat, attraktivere Vertrags- und Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Von Fabian Lamster

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