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Alte Auto-Kennzeichen sind gefragt

Kennzeichen-Liberalisierung in Brandenburg Alte Auto-Kennzeichen sind gefragt

Seit November 2012 dürfen die Landkreise ihre alten Kfz-Unterscheidungskennzeichen beantragen und wieder einführen. Acht der vierzehn Landkreise in Brandenburg haben das bisher umgesetzt. Die Nachfrage steigt stetig an. Ralf Bochert, der die Kennzeichenflut initiierte, hat für das große Interesse eine ganz einfache Erklärung.

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Alte Kürzel sind beliebter als die Kreis-Kennzeichen.

Quelle: Michael Hübner

Potsdam. KW, NP oder WK – in einigen Regionen Brandenburgs sind solche Buchstabenkombinationen für Autokennzeichen wieder zu haben. Acht der vierzehn Landkreise führten in den vergangenen drei Jahren insgesamt 22 Kürzel wieder ein, die nach der Kreisgebietsreform 1993 durch Landkreis-Kennzeichen wie LDS oder OPR ersetzt wurden. Die alten Kürzel sind bei Brandenburgern gefragt. Ein Phänomen, das der Initiator der Kennzeichen-Liberalisierung, Ralf Bochert, mit lokaler Identität und Zugehörigkeitsgefühl erklärt.

Die Kreise Prignitz, Oberhavel, Potsdam-Mittelmark, Havelland, Teltow-Fläming und Oder-Spree haben die alten Buchstabenkombinationen abgelehnt. Autofahrer im Landkreis Dahme-Spreewald können ihre Fahrzeuge seit dem 1. Juli wieder auf KW für Königs Wusterhausen, LN für Lübben oder LC für Luckau zulassen. Am zweiten Tag sind in den dortigen Zulassungsstellen insgesamt 307 Nummernschilder ausgegeben worden, darunter 116 mit Altkennzeichen. Der Kreistag hatte sich im Februar dafür ausgesprochen, die Wiedereinführung der Altkennzeichen beim Bundesverkehrsministerium zu beantragen, was seit November 2012 möglich ist. Die Ummeldung des Autos und ein neues Schild kosten rund 70 Euro.

Immer mehr alte Kürzel auf den Straßen

„Auch über die Landesgrenzen hinaus sind Kennzeichen aus den alten Tagen vermehrt zu sehen“, sagte Steffen Streu, Sprecher des Potsdamer Verkehrsministeriums . Die Zahlen des Bundesverkehrsministeriums bestätigen den Trend: Immer mehr alte Kürzel kommen jährlich hinzu. Waren es bundesweit 2013 noch 265, gibt es momentan 295 Unterscheidungszeichen. 15 Kürzel wurden in Brandenburg zwischen 2012 und 2013 genehmigt, jetzt sind es 22.

Im Landkreis Elbe-Elster gab es seit Wiedereinführung der alten Kürzel 1232 Zulassungen auf LIB für Bad Liebenwerda und 2890 Zulassungen auf FI für Finsterwalde. Die Tendenz ist steigend, teilte Kreissprecher Torsten Hoffgaard mit. Die Buchstabenkombination HZ für Herzberg konnte aber nicht reaktiviert werden, weil diese bereits vom Harzkreis belegt ist. Im Havelland sollen die alten Kürzel NAU für Nauen und RN für Rathenow nach der Buga im nächsten Jahr wieder eingeführt werden. Landrat Burkhard Schröder (SPD) will sich damit für eine havelländische Identität stark machen.

Kennzeichen haben Marketingfunktion

Hubert Grosenick, Leiter des Verkehrsamtes in Teltow-Fläming, ist hingegen davon überzeugt, dass sich das Kürzel TF nach mehr als 20 Jahren etabliert hat. „Es zeigt die Zugehörigkeit zum Landkreis und erfüllt damit auch eine Marketingfunktion“, sagte er.

Ralf Bochert ist Dozent an der Universität in Heilbronn und hat die Kennzeichen-Liberalisierung bundesweit auf den Weg gebracht. Die Landkreis-Kürzel in Brandenburg, sagt er, symbolisieren Regionen mit einem Radius teils über 50 Kilometer. Der soziale Umkreis eines Menschen sei aber viel kleiner. Vor allem in Städten wie Neuruppin oder Königs Wusterhausen ist man stolz auf das eigene Kennzeichen, sagte er. „LDS ist zum Beispiel eine Mischung, die für viele nicht emotional verankert ist.“

Wunsch nach Altkennzeichen

Über 280 deutsche Städte haben ihre alten Kennzeichen zurück, nachdem die Reform der Fahrzeugzulassung seit November 2012 gültig ist. Damit setzen fast alle Bundesländer die neue Verordnung um.

Heilbronner Forscher haben sich mit einem Projekt dafür eingesetzt, dass auslaufende Kfz-Kennzeichen wieder aktiviert werden dürfen. Über 50000 Menschen wurden im Rahmen dieses Projekts dazu befragt.

Rund 72 Prozent der Befragten äußerten den Wunsch, zu ihrem alten Kennzeichen zurückzukehren. 13 Prozent sprachen sich dafür aus, die aktuelle Situation beizubehalten.

Auffällig stark sei der Wunsch zur Reform in den neuen Bundesländern gewesen. Je kürzer der Kennzeichenverlust zurückliegt, desto mehr Befürworter gibt es. Eine deutliche Zustimmung kam von der jüngsten Altersgruppe (16- bis 30-Jährige).

 

Von Luise Fröhlich

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