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Altersarmut: Riesenlücke bei Renten bis 2030

Osten kommt schlecht weg in Bertelsmann-Studie Altersarmut: Riesenlücke bei Renten bis 2030

Bislang beziehen ostdeutsche Rentner wegen ihrer ununterbrochenen Erwerbskarrieren relativ hohe Rentenansprüche – das wird sich voraussichtlich ändern. Die Massenarbeitslosigkeit der Nachwendezeit schlägt in den nächsten 20 Jahren aufs System der Rentenversicherung durch, sagt eine neue Bertelsmann-Studie.

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Quelle: epd

Potsdam. Ostdeutsche Neu-Rentner sind akut von Altersarmut bedroht – viel stärker als bislang befürchtet. Laut einer am Montag in Gütersloh vorgestellten Bertelsmann-Studie wird sich der Anteil Armer im Rentensystem der Neuen Bundesländer in den kommenden 20 Jahren fast verdoppeln. Langzeitarbeitslosigkeit, unterbrochene Erwerbsbiografien und niedriger Löhne in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren beginnen laut Studie auf die Rentenversicherung durchzuschlagen.

Ostdeutsche Haushalte als „Risikogruppe“

Die Autoren der Studie definieren „Haushalte in Ostdeutschland“ als eigene „Risikogruppe“. Sind in den Jahren 2031 bis 2036 laut Studie voraussichtlich rund 36 Prozent (derzeit: 20 Prozent) jener Ostdeutschen, die zwischen 1947 und 1969 geboren wurden, dem Risiko von Altersarmut ausgesetzt, liegt der Wert für den Westen halb so hoch. Aber auch dort steigt das Risiko für Senioren, in Geldschwierigkeiten zu geraten. Als armutsgefährdet gelten laut Studie Rentner mit einem monatlichen Netto-Einkommen unter 958 Euro. Der Bertelsmann-Expertise zufolge wird voraussichtlich in 20 Jahren jeder zehnte Ost-Rentner (11 Prozent) Grundsicherung beziehen müssen – also Sozialhilfe zur Sicherung des Existenzminimums.

Bislang beziehen viele Ost-Senioren hohe Renten

Die Analyse kommt für den Osten einer Umkehrung der Verhältnisse gleich. Denn bislang hatten ostdeutsche Rentner wegen ihrer oft langen und ununterbrochenen Erwerbskarrieren und wegen der hohen Zahl berufstätiger Frauen zu DDR-Zeiten relativ hohe Rentenansprüche.

Der DGB warnt ebenfalls vor einer erheblichen Armutsgefahr im Alter. „Wir brauchen dringend eine Kehrtwende in der Rentenpolitik und mehr sichere und gut bezahlte Arbeit“, sagt DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke für Berlin und Brandenburg. Leiharbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeit und Mini-Jobs – in Berlin und Brandenburg seien diese Arten der Beschäftigung ein hohes Risiko für die soziale Absicherung im Alter. Im Märkischen sind laut DGB derzeit 38 Prozent der Arbeitsverhältnisse als „unsicher und meist schlecht bezahlt“ zu bezeichnen.

Unsicherer Arbeitsmarkt: Hälfte aller neuen Jobs befristet

Unsicherheiten in den Erwerbsbiografien vieler Märker gibt es trotz guter Konjunktur. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der neu geschlossenen Arbeitsverträge ist nach einer DGB-Studie im Jahr 2015 befristet gewesen. Von allen Bundesländern ist nur in Mecklenburg-Vorpommern in dieser Kategorie noch schlechter. Noch bedenklicher: 58 Prozent der neu eingestellten Frauen erhalten nur zeitlich begrenzte Jobs – bundesweit ist das der letzte Rang.

Auf betriebliche Altersvorsorge können sich ostdeutsche Rentner ebenfalls viel weniger verlassen als West-Pensionäre – nur drei Prozent des Alters-Einkommens stammen im Osten aus privater Vorsorge, im Westen sind es zehn Prozent.

Linke fordert Mindestrente von 1050 Euro

Brandenburgs Links-Fraktion im Landtag fordert als Reaktion auf die Bertelsmann-Untersuchung eine „solidarische Mindestrente“ von 1050 Euro im Monat und eine Anhebung der gesetzlichen Rente auf 53 Prozent des Netto-Lohns – derzeit liegt das Niveau bei 48 Prozent. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse müssten zurückgedrängt werden, damit Arbeit wieder für sichere Renten sorgen könne.

CDU spricht von „Spätfolge der Wende“

Als „Spätfolge der Wende“ bezeichnet die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Roswitha Schier, das erhöhte Armutsrisiko. Mit besserer Bildung für Jugendliche und marktgerechteren Fortbildungsangeboten für Langzeitarbeitslose müsse man dagegen halten. Die Landesregierung sei außerdem bislang ein Konzept zur Armutsbekämpfung schuldig geblieben.

Grünen-Landes-Chef Clemens Rostock schlägt vor, „Bezugszeiten von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II als Beitragszeiten“ anzurechnen. Auch fordert er eine Garantierente und einen Verzicht auf weitere Absenkungen des Rentenniveaus.

 

 

Von Ulrich Wangemann

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