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Altersarmut trotz Pflegeversicherung

Sieben Prozent aller Pflegebedürftigen benötigen Finanzspritze Altersarmut trotz Pflegeversicherung

Die Kosten in Pflegeheimen steigen im Land Brandenburg. Die staatliche Pflegeversicherung deckt aber immer weniger Kosten für die stationäre Pflege alter und kranker Menschen. Knapp die Hälfte muss selbst getragen werden. Da bleibt die Altersarmut kaum aus. Sieben Prozent aller Pflegebedürftigen benötigen bereits jetzt finanzielle Hilfe vom Land.

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Pflegebedürftige sind auf Angehörige oder ein volles Portemonnaie angewiesen. 

Quelle: dpa

Brandenburg . Die staatliche Pflegeversicherung deckt immer weniger der tatsächlich anfallenden Kosten für die stationäre Pflege alter und kranker Menschen ab. 2015 stiegen in Brandenburg die Kosten inklusive Unterkunft und Verpflegung je nach Pflegestufe um 70, 88 und 115 Euro, teilte der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) mit.

So schlägt ein Heimplatz  bei der Pflegestufe 3 pro Monat im Schnitt mit 3044 Euro zu Buche   – die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt davon jedoch nur gut die Hälfte. „Die Menschen müssen wissen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teilkasko-Schutz bieten kann. Im Ernstfall bleibt also eine Pflegelücke, die mehrere Tausend Euro im Monat betragen kann“, erklärt Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der PKV.

Anstieg der Pflegekosten ist eine normale Entwicklung

In Brandenburgs Gesundheitsministerium sieht man die Sache gelassener. Die Pflegeversicherung sei lediglich eine Teilversicherung.  Und dass die Kosten für die Pflege stiegen, sei eine ganz normale Entwicklung. „Wenn Pflegebedürftige oder deren Angehörige die nicht von der Pflegeversicherung abgedeckten Kosten selbst nicht aufbringen können, besteht Anspruch auf Hilfe zur Pflege“, sagt Ministeriumssprecher Gabriel Hesse. Der Anteil der Menschen, die das Amt bei der Pflege Angehöriger um diese finanzielle Hilfe bitten müssen, steigt: Gab es im Land Brandenburg 2006 noch rund 5900 Fälle, waren es im Jahr 2013 schon 7600. Allerdings ist auch der Anteil der Pflegebedürftigen insgesamt in diesem Zeitraum stark angestiegen, relativ gesehen bewegt sich die Zahl derer, die Hilfe brauchen, immer um die sieben Prozent.

Sylvia Lehmann, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, hält es für notwendig, dass pflegende Angehörige auch weiter unterstützt werden. Wie stark die Kosten für die Angehörigen in den kommenden Jahren steigen, hänge unter anderem davon ab, wie das Zusammenspiel von zivilgesellschaftlichem –  einschließlich familiärem  –  Engagement und professionellen Fachkräften bei der Pflege funktioniere. Roswitha Schier, Sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, betont, es müsse so gut wie möglich vermieden werden, dass Menschen überhaupt pflegebedürftig werden  – etwa mit Präventionsmaßnahmen und umfassenden Rehabilitationsangeboten. „In Brandenburg findet in überdurchschnittlichem Maße auch Pflege in der Familie statt“, sagt Schier.   Die Grünen setzen darauf, neue Wohnformen  im Alter zu fördern, um die Unterbringung im Heim zu vermeiden. „Und wir möchten erreichen, dass das Land die Kommunen dabei unterstützt, eigene Formen einer funktionierenden Pflege vor Ort zu entwickeln“, erklärt Ursula Nonnemacher, sozialpolitische Sprecherin der Grünen.

„Da kommt eine riesige Altersarmut auf uns zu“

Andreas Kaczynski, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Brandenburg, fordert dagegen, die Pflege künftig verstärkt aus Steuergeld zu finanzieren. Immerhin könnten viele, die heute in Rente gingen, von ihren Bezügen kaum noch leben, geschweige denn Kosten für ihre Pflege aufbringen, mahnt der Verbandschef. „Da kommt eine riesige Altersarmut auf uns zu.“ Dass die Kosten in Pflegeheimen im Land Brandenburg steigen, begrüßt er dennoch. Dahinter stehe eine wirtschaftliche Anerkennung des Pflegeberufs, auch die Löhne würden steigen. Kaczynski mahnt: „Für gute Pflegekräfte muss man eben heute mehr auf den Tisch legen.“

Von Marco Paetzel

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