Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Hier entstehen neue Jobs in Brandenburg
Brandenburg Hier entstehen neue Jobs in Brandenburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 03.02.2019
Logo vor dem Gebäude J6, ebay-Campus im Gewerbegebiet Dreilinden. Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

 Auch wenn Brandenburg beim Breitband-Ausbau in weiten Teilen noch als unerschlossene Wildnis gelten mag, die großen Internet-Konzerne siedeln sich weiter in der Region an – und bringen so neue Jobs nach Berlin und Brandenburg. Spektakulär waren die jüngsten Eröffnungen der Dependancen von Facebook und Google in der Bundeshauptstadt.

Auch die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) erhält ständig Anfragen von Online-Unternehmen, die nach Brandenburg kommen wollen. Sie betrachtet den Online-Handel als Teil der hier ohnehin stark präsenten Logistikbranche. Innerhalb dieses großen Rahmens sieht WFBB-Geschäftsführer Steffen Kammradt die neuen High-Tech-Firmen durchaus als Jobtreiber: „Kaum eine Branche hat sich in den letzten Jahren in Brandenburg so stark entwickelt wie die Logistik“, sagt er. „Dabei haben etliche Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit die Chance des Wiedereinstiegs in den Beruf erhalten.“ Gerade die Entwicklung im Online-Handel sei noch längst nicht zu Ende.

Allerdings hat diese Dynamik auch eine Kehrseite. Zalando hat Mitte Januar sein Logistikzentrum in Brieselang (Havelland) mit 1000 Mitarbeitern aufgegeben – paradoxerweise, weil es für den Online-Händler zu klein geworden war und nicht weiter ausgebaut werden konnte. Zwar wird der Logistiker Fiege die Liegenschaft übernehmen, ob er aber alle 1000 Mitarbeiter weiter beschäftigt, ist bisher nicht klar.

Zalando: Keine Investitionen in Brandenburg

Laut Sprecherin Sandra Burghardt hat Zalando auf absehbare Zeit auch nicht vor, in Brandenburg wieder groß zu investieren. Überall in Europa schießen zwar neue Zentren aus dem Boden. „Die Frage einer Ansiedlung hängt aber von sehr vielen Faktoren ab“, so Burghardt. Sie führt Flächen, verkehrstechnische Anbindung und die Nähe von Kunden als Beispiel an. In Deutschland habe man derzeit drei große Zentren. Mehr sei „im Moment“ nicht geplant. Immerhin: An den beiden kleineren Logistikstandorten in Großbeeren und Ludwigsfelde (beide Teltow-Fläming) beschäftigt Zalando noch rund 170 Mitarbeiter.

Für Key Pousttchi, Professor für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung, ist dieses Wechselspiel nicht überraschend. „Old Economy schafft Arbeitsplätze, New Economy schafft Börsenplätze“ fasst er überspitzt zusammen. Natürlich sei die „New Economy“ eine schöne Chance für Brandenburg, man dürfe sie aber auch nicht überschätzen. Die 1400 Arbeitsplätze von Google in ganz Deutschland entsprächen dem Beschäftigungspotenzial einer mittelgroßen Sparkasse. Nichtsdestotrotz sei auch auf diesem Feld noch Luft nach oben.

„Wenn es eine Express-Anbindung an Berlin und ordentliche Breitband-Ausbau gäbe, könnte man den Speckgürtel ausweiten“, sagt Pousttchi. Würde man die Lausitz als „cooles ehemaliges Tagebaugebiet“ bewerben, ließen sich dort durchaus Start-ups oder gar Dependancen der Großen hinlocken. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es auch für Unternehmen wie Facebook interessant sein könnte.“ Siedele dort erst ein großer Anker an, zögen Kleinere bald nach. Daneben sei die Region Potsdam allein wegen ihrer Forschungseinrichtungen und ihrer Berlin-Anbindung für solche Unternehmen „hoch verdächtig“.

In diesen High-Tech-Firmen werden Mitarbeiter gesucht

Google: Nachdem der amerikanische Marktführer Google schon deutsche Präsenzstellen in Hamburg, München und Frankfurt am Main eröffnet hat, war jetzt auch die Bundeshauptstadt dran. „Im Moment arbeiten dort 130 Kollegen“, sagt Google-Deutschland-Sprecher Ralf Bremer. „In den nächsten Jahren wollen wir weiter einstellen.“ Maximal sei an bis zu insgesamt 300 Mitarbeiter in Berlin gedacht. In welchem Zeitraum das geschehen soll, sagt Bremer nicht. „Jede Abteilung schreibt unabhängig die Stellen aus.“

Die Bandbreite der gesuchten Qualifikationen sei groß, heißt es. Auf seinen aktuellen Anzeigenseiten sucht Google derzeit 13 Leute allein für Berlin. Gefragt sind natürlich vor allem Computer-Fachleute, gesucht werden aber auch Wirtschaftsfachleute, Werbeleute, Verkaufsexperten. Oft suche Google sogar Linguisten und Übersetzer wie Bremer ergänzt. Gemeinsam ist den Job-Angeboten, dass sie sich an Hochqualifizierte richten. Mit einem Bachelor-Abschluss und möglichst auch Praxiserfahrung sollte man bei Google schon aufwarten.

Ebay: Praktisch zur Speerspitze der Online-Riesen in Brandenburg gehört der Online-Aktionator Ebay. Er eröffnete schon 2001 seine Präsenz auf dem Campus Dreilinden. 1000 Mitarbeiter sind dort derzeit in den drei Sparten Ebay.de, Stubhub und Ebay Classifieds beschäftigt. Auch dort wächst man noch. „Aktuell haben wir 45 Vakanzen“, sagt Sprecherin Sarah Maier.

Gesucht werde praktisch alles: vom Praktikanten über den BWL-Studenten für einzelne Projekte bis hin zum gestandenen leitenden Mitarbeiter. Auch eBay ist eher auf qualifizierte Mitarbeiter aus. Ein Bachelor-Studium wird fast bei jeder Anzeige vorausgesetzt. „Jobs und Menschen“ bei eBay seien sehr divers, betont Maier. Tatsächlich rekrutiert das Unternehmen seine meist jungen Mitarbeiter aus sehr unterschiedlichen Weltgegenden.

Amazon: Divers ist auch das Logistikzentrum von Amazon in Brieselang (Havelland). Sprecher Stephan Eichenseher ist stolz darauf, dass dort auch 35 Menschen mit Behinderungen arbeiten. Im Oktober 2013 eröffnet gibt das neun Fußballfelder große Zentrum inzwischen 650 Menschen Arbeit. Diese müssen auch nicht wie bei den anderen Online-Riesen handverlesen werden: „Amazon ist froh, Arbeitsplätze als Versandmitarbeiter für viele Menschen anzubieten, auch ohne formale Qualifikationen“, sagt Eichenseher.

Auch Amazon wächst. Erst vergangenes Jahr hat das Unternehmen über eine halbe Million Euro in die Modernisierung des Zentrums investiert. Darüber hinaus hat Amazon mehrere Standorte in Berlin. Neben einer Repräsentanz sind das Entwicklungsstandorte und zwei Verteilzentren.

Wie viele Arbeitsplätze Amazon in den nächsten Jahren noch schaffen wird, kann Sprecher Stephan Eichenseher nicht sagen. Einen Aufbau scheint es jedenfalls zu geben. Brieselang zum Beispiel gerade vier junge Leute im Bereich Lagerlogistik und drei weitere in der IT aus. Hinzu kommen zwei Bachelor-Studentinnen mit dem Schwerpunkt Logistik.

SAP: High-Tech führt das im Februar 2014 am Potsdamer Jungfernsee eröffnete SAP Innovation Center schon im Namen. SAP-Sprecher Benjamin Nickel bestätigt auf MAZ-Anfrage, dass das Haus weiter wachsen wird. Angestrebte Stellenzahlen veröffentlicht das weltweit agierende Unternehmen grundsätzlich nicht, dafür das gewünschte Profil von Bewerbern: Computerwissenschaftler, Experten für maschinelles Lernen und natürlich ganz allgemein Software-Entwickler.

Schon jetzt ist das SAP Innovation Center begehrte Anlaufstelle für IT-Spezialisten aller Art. Von einem Arbeitgeber für Brandenburger kann man aber fast nicht mehr sprechen. Die inzwischen gut 200 hoch qualifizierten Angestellten kommen aus mehr als zwei Dutzend Ländern. Der Standort entwickelt sich rasant. Schon zwei Jahre nach dem Einzug in das SAP-Gebäude wurde ein zweites, benachbartes Gebäude bezogen.

Von Rüdiger Braun

Amazon, Google und Facebook wachsen in der Region. Schaffen sie ein Job-Wunder? Experten sehen noch viel Potenzial am Berliner Rand – und in der Lausitz.

31.01.2019

Ein Umzug aus dem Westen nach Ostdeutschland liegt offenbar im Trend, wie eine neue Bevölkerungsstatistik belegt. Auch Brandenburg profitiert.

02.02.2019

Brandenburgs Polizei hat zwar ein Cyber-Kompetenzzentrum, findet aber nicht genug Computer-Experten. Deshalb sollen die Einstellungsvoraussetzungen auf den Prüfstand – vor allem die sportlichen.

02.02.2019