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Amazon kurz vor dem Start in Brieselang

Weltkonzern siedelt im Havelland Amazon kurz vor dem Start in Brieselang

Der Online-Händler Amazon wird bald seinen neunten Standort in Deutschland eröffnen - in Brieselang im Havelland. Wann genau das sein wird, will der Weltkonzern nicht verraten. Amazon schweigt sich auch darüber aus, wie die Arbeitszeiten abgerechnet werden und wieviele Pakete das neue Logistikzentrum täglich verlassen. Leiharbeiter soll es in Brieselang aber nicht geben.

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Quelle: dpa

Brieselang. Grellweiß hebt sich die Halle gegen den Himmel ab. Selbst Rasern auf der benachbarten Autobahn dürfte auffallen, wer da seit Neuestem im längsten Gebäude des Brieselanger Güterverkehrszentrums (Havelland) residiert: Der Weltkonzern Amazon hat sein riesiges Schild an die Wand geschraubt: schwarze Schrift, orangefarbener Pfeil.

In den nächsten Tagen soll es losgehen. Für den größten Online-Händler der Welt ist Brieselang nur der neunte Standort in Deutschland, für das Havelland wird es die bisher größte Unternehmensansiedlung. Innerhalb von knapp vier Monaten hat Amazon unzählige Hochregale und Förderbänder montiert, Packtische aufgestellt und Kantinen vergrößert. Das Logistikzentrum belegt 65.000 Quadratmeter, eine Fläche so groß wie neun Fußballfelder. Für Amazon-Häuser in Deutschland eine mittlere Größe. Verschickt werden soll von dort alles, was der Weltmarkt zu bieten hat.

Vor allem Ungelernte und Niedrigqualifizierte sollen dort Arbeit finden, Bestellungen zusammensuchen, Pakete packen, in zwei Schichten, für Stundenlöhne zwischen 9,55 Euro und 13,93 Euro brutto. Aber auch Gruppenleiter und Leute für Management und Kantine werden eingestellt, es soll sogar Weihnachtsgeld geben. Für die Kreisverwaltung Havelland und die Arbeitsagenturen der Region ist das ein Grund zur Freude. Landrat Burkhard Schröder („ein Riesengewinn“) hofft, dass bis zu 400 Hartz-IV-Empfänger im Brieselanger Lager unterkommen.

Das ist zu optimistisch: 70 havelländische Langzeitarbeitslose, schätzt man im Jobcenter, könnten kurzfristig eingestellt werden. Die Hälfte der rund 1000 Arbeitsverhältnisse, die Amazon nach eigenen Angaben bis Jahresende schließen will, werden auf Abruf sein. Höchstens 500 Stellen sollen laut Unternehmen unbefristet und sozialversicherungspflichtig sein. Ob jemals wie geplant bis zu 1500 Festangestellte und 2000 Saisonkräfte in Brieselang arbeiten, sei nicht gesichert, sagen Insider. Bisher sind 230 Leute angestellt, sie kommen hauptsächlich aus Berlin, Brieselang, Falkensee und Nauen. Die Besetzung der Stellen ist offenbar komplizierter als gedacht, obwohl die Arbeitsagenturen 8600 Vermittlungsvorschläge geschickt haben.

Operativ war der Nordosten Deutschlands aus Amazons Sicht bislang praktisch unbesetzt, die Lieferwege waren lang. „Die Ballung Berlin-Brandenburg ist sehr günstig für uns“, sagt ein Mitarbeiter.

Amazon macht derzeit Schlagzeilen wegen anhaltender Streiks in Leipzig und Bad Hersfeld, wegen der Beschäftigung von Leihpersonal, zweifelhafter Arbeitsbedingungen und der geplanten Expansion nach Osteuropa. Gerade hat der Konzern den Bau dreier großer Logistikzentren in Polen verkündet.

Die Löhne in Deutschland bezeichnet Amazon als „regional attraktiv“. Die Gewerkschaft Verdi findet sie weniger rosig. „9,55 Euro sind nur eine theoretische Größe“, sagt der zuständige Verdi-Mann Uwe-Michael Diedrich. Amazon lasse seine Beschäftigten oft länger arbeiten, der Lohn verringere sich daher. Ein Problem sei zudem, dass sich Amazon nicht tariflich binde und übermäßig viele Menschen befristet einstelle: „Befristet Beschäftigte kämpfen nicht für ihre Rechte.“ Diedrich hofft, dass sich die Belegschaft in Brieselang dennoch organisiert.

Wie die Arbeitszeiten abgerechnet werden, wie viele Pakete das Logistikzentrum täglich verlassen, ist von Amazon nicht zu erfahren. Der Konzern nennt seine Informationspolitik selbst „restriktiv“, Besichtigungen sind derzeit unerwünscht. Selbst um den Starttermin macht man ein Geheimnis. Präziser als „noch im Oktober“ werden die Informationen nicht. Dann fährt alle fünf Minuten ein Transporter durchs Tor.

Immerhin scheint der Konzern aus Fehlern gelernt zu haben. In Brieselang greife man bei der Stellenbesetzung nicht auf Leiharbeitsfirmen zurück, heißt es. Auch staatlich bezahlte Eingliederungsboni – für Praktika Langzeitarbeitsloser – oder sonstige Subventionen will das Unternehmen nicht mehr in Anspruch nehmen, „wegen der Außenwirkung“. (Von Jana Einecke)

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