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Brandenburg Amazon startet im Havelland
Brandenburg Amazon startet im Havelland
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00:17 30.11.2013
Sind zufrieden mit ihrem neuen Arbeitgeber: Amanda Karbe (26, r.) aus Nauen und Franziska Graebner (23) aus Rathenow. Quelle: Julian Stähle
Brieselang

Mannshohe Regale, Schilder mit Abkürzungen, in den Fächern ziemlich viele Bücher. Der erste Eindruck: Das sieht hier aus wie eine Bibliothek. Bloß komisch, dass neben dem Band über „Weibliche Lust ohne Tabus“ eine neuverpackte Barbie liegt und daneben ein Kaffeeautomat. Der zweite Eindruck: Wohl doch eher ein Supermarkt, in dem es alles gibt außer Waffen und lebendige Tiere. Leute mit Körben und Karren spazieren im Einkaufstempo durch die Regalreihen, so weit, bis sie am Ende zu Zwergen in neonfarbenen Warnwesten schrumpfen. Sie räumen ein, sie räumen aus, und sie scannen. Es piept überall.

Im längsten Gebäude des Güterverkehrszentrums Brieselang (Havelland) hat vor sieben Wochen der Online-Versandhändler Amazon seinen Betrieb aufgenommen. Am Donnerstag wird das neueste Logistikzentrum des Unternehmens offiziell eröffnet, es ist das neunte in Deutschland. Am Mittwoch durfte die Presse schon mal gucken.

Der Internethändler Amazon hat in Brieselang ein Versandzentrum eröffnet. Im Havelland arbeiten 1000 Beschäftigte für das US-amerikanische Unternehmen. Am Mittwoch erhielt die MAZ Einblicke in den neuen Standort.

Zu sehen war vor allem der Weg eines Weihnachtsgeschenks von der Anlieferung bis zum Versand. Ein Artikel wandert dabei durch etwa zehn Hände, über Packtische und Förderbänder, hinein in Rollwagen und Regalfächer und wieder hinaus. Wie viele Dinge täglich Brieselang erreichen und verlassen, war Unternehmenssprecher Stefan Rupp nicht zu entlocken. Es müssen aber viele sein: „Wir schlagen quasi einmal pro Tag das gesamte Lager um“, sagte er. Pro Stunde fahren jedenfalls 12 bis 15 Lkws zum und vom Betriebsgelände.

In den kommenden Wochen dürften es sogar noch ein paar mehr werden. „Die Deutschen kaufen ihre Weihnachtsgeschenke meist zwischen dem 10. und 15. Dezember“, sagte Standortleiter Karsten Müller. Dennoch steht Amazon längst mitten in der Hochsaison. In Brieselang arbeiten derzeit mehr als 1000 Leute. Darunter sind viele Saisonkräfte, die nur für das Weihnachtsgeschäft eingestellt wurden. Sie arbeiten in zwei Schichten, die noch bis Ende des Jahres jeweils eine Stunde länger sind als sonst.

Insgesamt 1000 unbefristete Arbeitsplätze will das Unternehmen dort bis zum Oktober 2016 schaffen. So hieß es am Mittwoch; zuvor war stets von 1500 dauerhaft Beschäftigten die Rede. Deutschlandweit will Amazon langfristig 80 Prozent aller Leute fest einstellen – allerdings nur außerhalb des Weihnachtsgeschäfts. Es scheint dennoch, als habe das Unternehmen aus früheren Fehlern gelernt: „Zeitarbeitsfirmen werden wir ausschließlich einsetzen, um Saisonspitzen bewältigen zu können“, betonte Müller. „Und nur, wenn das Mitarbeiterpotenzial in der Region ausgeschöpft wurde.“ Zudem wolle man allen für gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn zahlen. Dass Leiharbeiter von weit her angekarrt und in Feriendörfern untergebracht werden – wie im vergangenen Jahr skandalträchtig bekannt wurde – soll ebenfalls der Vergangenheit angehören: Die Arbeiter müssen nun in der unmittelbaren Umgebung rekrutiert werden. Darüber hinaus will man jetzt die Gründung von Betriebsräten fördern. Als erster Schritt wurde in Brieselang ein Mitarbeiterforum gegründet, dass sich regelmäßig mit der Geschäftsleitung zusammensetzen soll.

» Interview mit Verdi-Funktionär: "Das System Amazon basiert auf Lohndrückerei"

Die Arbeiter in Brieselang kommen derzeit vor allem aus Berlin, aber auch aus dem Havelland und Oberhavel. Für die Region bedeutet die Ansiedlung des Weltkonzerns eine Menge Arbeitsplätze, vorrangig für Geringqualifizierte. Packer und Kommissionierer arbeiten dort für Stundenlöhne zwischen 9,55 Euro und 13,93 Euro, zuzüglich Boni, Weihnachtsgeld und Lebensversicherung. Damit warb Amazon sogar einige Kräfte des ebenfalls in Brieselang beheimateten Mitbewerbers Zalando ab. Während Amazon nach eigenen Angaben „am oberen Ende dessen zahlt, was in der Logistik üblich ist“, fordern Kritiker einen Lohn nach Tarif des Handels. Doch Unternehmenssprecher wiesen auch am Mittwoch wieder darauf hin, dass es dazu keine Veranlassung gebe: Ihre Mitarbeiter hätten keinen Kundenkontakt.

Von Jana Einecke

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