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Amseln vermiesen Winzer die Weinlese

Noternte in Neuzelle Amseln vermiesen Winzer die Weinlese

Die Neuzeller Klosterwinzer sind Laien. Sie investieren viel Arbeit in ihren Weinberg. Doch nun das: Noternte! Gerade einmal 45 Kilogramm konnten sie von ihren Rebstöcken retten. Sonst waren es mehr als doppelt so viele vom roten Regent. Übeltäter waren Amseln – und das, obwohl große Netze gespannt waren.

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Hobbywinzerin Uta Kaufmann.

Quelle: Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Neuzelle. An Holzpfählen aufgereiht stehen die 420 Weinstöcke auf dem Scheibenberg in Neuzelle. Die saftigen Trauben sind bereits geerntet. Nicht alle landeten tatsächlich in den Körben der Neuzeller Klosterwinzer. „Bei unserem roten Regent waren die Amseln schneller, obwohl wir die Trauben schon durch Netze geschützt hatten. Da mussten wir in der vergangenen Woche Not ernten, um überhaupt noch was zu retten“, erzählt die Vereinsvorsitzende Uta Kaufmann. Am Ende waren es lediglich 45 Kilo, eine magere Ausbeute auch für die Hobbywinzer. „Eigentlich haben wir immer mindestens 100 Kilogramm Regent-Trauben“, sagt die 36-jährige Bauleiterin bedauernd.

Laien kümmern sich um den Weinberg

Der gemeinnützige Verein, dem sie vorsteht, hat 2002 damit begonnen, den einst von den Mönchen der Zisterzienserklosteranlage Neuzelle begründeten Weinanbau wieder zu beleben. Die Anlage des Weinbergs auf einer ehemaligen Streuobstwiese war 2002 eine Kompensationsmaßnahme für Bodenversiegelungen und Rodungen, die bei der Sanierung der Neuzeller Klostermauer erfolgten. Die ehrenamtliche Pflege des Scheibenbergs übernahm ein Verein, der dazu mit der Stiftung Stift Neuzelle einen Vertrag abschloss. Seit dem kümmern sich 24 Mitglieder, überwiegend absolute Laien auf dem Gebiet, um die Pflege des Weinberges.

„Die Weinstöcke haben wir damals aus Meißen geholt“, erinnert sich Kaufmann. Am Rande der Reihen stehen allerdings auch ein paar Stöcke, die Vereinsmitglieder von alten, nicht mehr bewohnten Gehöften und sogar aus umliegenden Wäldern geholt haben. „Da wissen wir nicht genau, was das für Sorten sind und was draus wird“, erläutert Vereinsmitglied Burkhard Janke (62).

Nicht alles wächst auf Brandenburgs Boden

Allesamt sind sehr Pflege intensiv: Im Februar wird das alte Tragholz entfernt, im März müssen die neuen Ranken verschnitten und fest gebunden werden. Regelmäßig muss die Erde um die Weinstöcke gehakt, das Unkraut beseitigt und das angrenzende Gras gemäht werden. Lediglich drei Trauben pro Rebe dürfen tatsächlich reifen, alle anderen müssen abgeschnitten werden, sonst hat der Weinstock zu wenig Kraft.

Zwei blaue und fünf weiße Weintrauben-Sorten gedeihen auf dem Neuzeller Scheibenberg. Doch nicht alle eignen sich tatsächlich für die leichten und sandigen Böden Brandenburgs. „Den typisch sächsischen Goldriesling haben wir wieder aussortiert. Die Sorten Solaris und Phönix passen besser zu unseren Verhältnissen“, sagt die Neuzeller Winzerchefin, die betont, dass sie gegen Pilze oder andere Krankheiten keine Chemikalien einsetzen. Janke weist auf einige Rosenbüsche. „Das sind unsere Indikatoren in Sachen Mehltau. Sind die Rosen befallen, müssen wir handeln – mit Industriebackpulver.“

Am Wetter scheiterte es nicht

In diesem Jahr drohte da offenbar keine Gefahr. „Wir hatten aus Winzersicht gutes Wetter – zunächst Feuchtigkeit im Frühjahr, dann einen lange Wärmeperiode“, meint Janke. Nach der Ernte werden die Trauben vom Stil getrennt und „angeschlagen“, damit sich der Saft während der Maische in den Gärbottichen leichter löst und eben gärt. Anschließend wird gepresst, gekeltert und erst im nächsten Frühjahr in Flaschen gefüllt. „Der Weißwein schmeckt schon kurze Zeit später, der rote erst zu Weihnachten“, erläutert Janke.

Mit der Stiftung Stift Neuzelle, dem Verwalter der Klosteranlage, gibt es nach Ansicht der Vereinschefin eine „gute Symbiose“. „Wir profitieren voneinander. Das Kloster ist ein Besuchermagnet und viele Gäste interessieren sich auch für eine Weinbergführung“, beschreibt Janke. Die ortsansässige Tourismusinformation schnürt ganze Erlebnispakete. Gäste bekommen das Kloster zu sehen einschließlich des Weinberges, zudem die Neuzeller Klosterbrauerei. Verkostungen gibt es auch in der Klosterbrennerei und Übernachtungen im Hotel „Prinz Albrecht“. „Wir revanchieren uns dann jedes Jahr auf dem Neuzeller Weihnachtsmarkt, auf dem wir weißen Glühwein anbieten“, erzählt Kaufmann.

Und der ist eine Rarität, da die Weinernte vom Scheibenberg eben nicht so üppig ausfällt. In diesem Jahr wird der Weihnachtsmarkt am 5. und 6. Dezember veranstaltet. „Unser bester Ertrag waren in einem Jahr 350 Liter, das sind etwa 500 Flaschen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Doch letztlich gehe ja nicht um eine riesige Weinproduktion, sondern viel mehr um eine Weiterführung alter Traditionen, die 1850 mit dem Ende des Mönchsklosters zunächst vorbei waren.

Von Jeanette Bederke

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