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Analphabetismus in Brandenburg verbreitet

Sechs Millionen Euro für landesweites Förderprogramm Analphabetismus in Brandenburg verbreitet

Zehntausende Brandenburger können nicht richtig lesen und schreiben. Oft dauert es Jahre, bis sie etwas dagegen tun und Hilfe suchen. Das Land will jetzt mit Millionen gegensteuern. Brandenburg bereitet inzwischen ein neues Förderprogramm für Analphabeten vor.

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Der 8. September ist der Weltalphabetisierungstag.

Quelle: Oliver Berg

Potsdam. Brandenburg bereitet ein neues Förderprogramm für Analphabeten vor. Aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes würden im Zeitraum von 2015 bis 2020 rund sechs Millionen Euro bereitgestellt, kündigte der Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums, Stephan Breiding, an. Das Geld ist für Maßnahmen zur Reduzierung des sogenannten funktionalen Analphabetismus Euro bestimmt. "Ab kommendem Jahr werden auf dieser Grundlage mehrere regionale Grundbildungszentren, ein umfangreiches Weiterbildungsangebot zu Alphabetisierung und Grundbildung und dessen landesweite Organisation und Qualitätssicherung gefördert", erläuterte Breiding.

Nach Schätzungen des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung in Münster gibt es in Brandenburg rund 224.000 "funktionale Analphabeten". "Die Menschen beherrschen zwar das Alphabet, können aber keine komplexen Sätze oder Wörter schreiben oder lesen", erklärt die kommissarische Geschäftsführerin des Verbandes, Ellen Abraham. Ihre Zahl in Deutschland stagniere und liege einer Studie zufolge bei 7,5 Millionen.

Über Dunkelziffern kann Abraham nur mutmaßen. Primär seien die Altersgruppen zwischen 35 und 55 Jahren betroffen. Rund 70 Prozent der Analphabeten in Deutschland sind funktionale Analphabeten. Von den insgesamt 7,5 Millionen sind laut der Studie gut 58 Prozent Deutsch-Muttersprachler. 48 Prozent haben einen unteren Bildungsabschluss, 19 Prozent haben keinen.

"Signifikant ist der Zusammenhang zur Bildungsnähe. Besitzen die Eltern nur einen geringen oder keinen Schulabschluss, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder von Analphabetismus betroffen sind", sagt die Leiterin der Kreisvolkshochschule (KVHS) Uckermark in Prenzlau, Jeannette Stockmann de Caro. Ebenso bestehe ein enger Zusammenhang zwischen Lese- und Schreibfähigkeit sowie beruflicher Bildung. 44 Prozent der Analphabeten schafften keinen Berufsabschluss und übten deshalb, wenn sie berufstätig sind, un- oder angelernte Tätigkeiten aus.

Die KVHS Uckermark bietet Kurse in Schwedt und Prenzlau an. In Prenzlau finden mehr Kurse als in den vergangenen Jahren statt. «Das ist sicherlich darin begründet, dass wir unsere Zusammenarbeit mit dem Jobcenter intensiviert haben», stellt Stockmann de Caro fest. Im Rahmen des Projektes "Alphakommunal" würden Mitarbeiter des Jobcenters für das Thema Analphabetismus sensibilisiert. Das habe deutlich dazu beigetragen, das Bewusstsein der Behördenmitarbeiter zu erhöhen. Dadurch sei die Zahl der vermittelten Teilnehmer gestiegen. "Davon abgesehen gibt es in den Kursen eine lange Verweildauer, da der Alphabetisierungsprozess langwierig ist."

Bis Kursteilnehmer richtig lesen und schreiben können, vergehen je nach Vorbildung oft Jahre. "Wenn Sie über vier Jahre hinweg zweimal die Woche einen Kurs besuchen, sind sie auf dem Niveau eines Erstklässlers", sagt Verbandsgeschäftsführerin Ellen Abraham. Das oft jahrelange Versteckspiel, das "Sich outen" und die anschließenden Abendkurse seien besonders für Berufstätige eine enorme Belastung. Neben den Volkshochschulen (VHS) bieten weitere Organisationen wie die Angestellten-Akademie Kurse an. Über sprachgesteuerte Internetseiten, das Alphatelefon des Alphabetisierungsverbandes sowie Lernwerkstätten werde Betroffenen geholfen.

Eine solche Lernwerkstatt betreibt die VHS Potsdam zusammen mit der Stadtbibliothek, wie Claudia Löwenberg vom Landesvolkshochschulverband berichtet. Die Lernwerkstatt stehe Menschen mit Grundbildungs- und Alphabetisierungsbedarf offen. "Anonym und unverbindlich kann man dort lernen oder sich über Unterstützungsangebote informieren", sagt Löwenberg. Fachkräften der VHS begleiten die Einrichtung.

Analphabetismus - ein verbreitetes Phänemoen

  • Weltweit können etwa 781 Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben. Daran erinnert jährlich am 8. September der 1966 von der Unesco initiierte Weltalphabetisierungstag. Die meisten Analphabeten leben in Entwicklungsländern, aber auch in Deutschland ist es ein verbreitetes Phänomen.
  • Der Bundesverband Analphabetismus geht von deutschlandweit 7,5 Millionen Menschen aus. 300.000 von ihnen können beim Lesen und Schreiben selbst einzelne Wörter nicht entschlüsseln. Rund zwei Millionen können einige Wörter lesen und schreiben, erfassen aber keine Sätze. Etwa 5,2 Millionen können mit kurzen Sätzen umgehen, scheitern aber an längeren Texten.
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