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Angeklagter Bauer betet im Gerichtssaal

Kaltblütiger Schuss auf Veterinär im Havelland Angeklagter Bauer betet im Gerichtssaal

Im Januar erschoss ein 72-jähriger Landwirt einen Tierarzt auf seinem Hof in Klein Behnitz (Havelland) mit einer Schrotflinte. Der Bauer wollte seine vernachlässigten Kühe nicht hergeben. Eine kaltblütige Tat, urteilt der Staatsanwalt und fordert neun Jahre Haft. Der Angeklagte zeigte bislang keine Reue. Jetzt bat er um Entschuldigung – und wandte sich an Gott.

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Am 20. Januar fiel in Klein Behnitz der tödliche Schuss

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Nach der tödlichen Attacke auf einem Bauernhof in Klein Behnitz bei Nauen (Havelland) drohen dem 72-jährigen Landwirt neun Jahre Haft. Der Potsdamer Staatsanwalt Peter Petersen warf Bauer Wilfried Z. in seinem Plädoyer vor, den Amtstierarzt Frank M. im Januar 2015 kaltblütig erschossen zu haben. „Strafmildernd lässt sich das hohe Alter und der Gesundheitszustand des Angeklagten anführen“, so Petersen am Dienstag vor dem Potsdamer Landgericht. „Strafverschärfend ist die Kaltblütigkeit und völlige Emotionslosigkeit dieser Tat.“

Außerdem habe Z. versucht, auch noch die beiden Kolleginnen von Frank M. mit einer Schrotflinte zu erschießen. Die Frauen hatten Glück: Laut einem ballistischen Gutachten versagte das Gewehr.

Der Bauer fühlte sich von „Räubern und Banditen“ bedroht

Der Bauer hatte im Januar einen Mitarbeiter des Veterinäramtes erschossen, weil man ihm seine Tiere wegnehmen wollte. Der Herz- und Nierenkranke Wilfried Z. führte seinen Hof alleine und war damit völlig überfordert. Die Tiere hatten zu wenig Futter, kein Wasser, der Hof glich einem Schrottplatz, die Tiere waren mehrfach geflüchtet.

Als die Amtsmitarbeiter wegen anhaltender Verstöße gegen das Tierschutzgesetz am 20. Januar die Rinder beschlagnahmen wollten, war der Landwirt außer sich geraten.

Er hatte mit einer alten Waffe, die russische Soldaten vor Jahrzehnten bei ihm auf dem Hof zurückgelassen hatten, auf den Tierarzt Frank M. geschossen – aus unmittelbarer Nähe. M. hinterließ eine Frau und drei Kinder. Zum Prozessauftakt hatte Wilfried Z. erklärt, „Räuber und Banditen“ hätten seinen Hof überfallen, er habe sich nur wehren wollen.

Letzte Worte des Angeklagten: „Oh Herr, hilf mir“

Reue hatte der Landwirt während des ganzen Prozesses nicht gezeigt. Er war lediglich in Tränen ausgebrochen, als er von seinen Tieren erzählte. Zum Abschluss der Verhandlung bat er in einer kurzen Erklärung doch noch um Verzeihung. „Ich bin Bauer. Ich bereue tief das Geschehen“, sagt der 72-jährige Landwirt. „Der Besuch war nicht angemeldet. Ich betrachtete es als Räuberei und Hausfriedensbruch.“ Schließlich stand der Angeklagte ruckartig auf, faltete die Hände vor dem Bauch wie zum Gebet und rief: „Oh Herr, hilf mir. Es tut mir leid.“

Verteidiger: Mandant ist vermindert schuldfähig

Verteidiger Thomas Arndt hatte sichtbar Schwierigkeiten, die Tat seines Mandanten zu erklären. „Auch mir gegenüber hat Herr Z. anfangs erzählt, er habe einen Dieb erschossen“, erklärte er. Der Staatsanwalt habe den Tathergang aber in den wesentlichen Punkten treffend zusammengefasst.

Arndt verwies auf ein psychiatrisches Gutachten, dass dem Landwirt eine verminderte Schuldfähigkeit attestiere. Er halte fünf Jahre Haft für angemessen. Das Urteil soll am 24. September fallen.

Von Torsten Gellner

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