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Angeklagter NPD-Mann macht aus Prozess eine Show

Mitangeklagte eingeschüchtert Angeklagter NPD-Mann macht aus Prozess eine Show

Das Führerprinzip ist in der rechten Szene nach wie vor populär – insbesondere in der Nauener Neonazi-Zelle. Das machte der erste Prozesstag am Donnerstag deutlich. Es ist die Körpersprache, die klar zeigen soll: Der Boss steht vor Gericht. Und Maik Schneider (29) findet es nicht komisch, dass ihn seine Erfüllungsgehilfen in die Pfanne hauen.

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Der angeklagte Maik Schneider.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Am ersten Prozesstag gegen mehrere Nauener Neonazis haben bereits die ersten Aussagen den mutmaßlichen Anstifter und Haupttäter stark belastet. Den Aussagen zufolge soll der NPD-Kommunalpolitiker Maik Schneider die Anschläge vorbereitet und die Aktionen vorangetrieben haben. Schneider selbst zeigt sich von den Aussagen alles andere als erfreut und verliest später selbst eine sehr irritierendes Statement. Doch der Reihe nach.

Anstarren wird unterbunden

Kaum zu vernehmen ist die vor Aufregung raue Stimme von Sebastian F. (33), der als Erstes das Geständnis ablegt, als Aufpasser am Tatort des Nauener Sporthallen-Brandanschlags im August 2015 gewesen zu sein. Den Blick auf den Tisch gesenkt, wispert der durch Spielschulden und exzessives Trinken in die Bredouille geratene Wachschützer Belastendes. Anderthalb Meter vor ihm sitzend hat sich Schneider zu seinem Kneipenbekannten umgedreht, fixiert ihn minutenlang mit hellen, blauen Augen. Hoch hat sich der Hauptangeklagte aufgerichtet, ein Kraftsportler, ein Frauentyp. Er will den abtrünnigen Spießgesellen niederstarren.

Das Gericht unternimmt zunächst nichts, um diese einschüchternde Geste zu unterbinden. Richter Theodor Horstkötter schreitet erst ein, als der nächste Mitangeklagte – keinen Meter hinter dem NPD-Mann sitzend – Belastendes gegen Schneider vorbringt. Schneider, so mahnt der Richter, möge nach vorn sehen, er höre ja wohl gut genug. So erfahren die Zuhörer dann doch aus dem Mund eines gehemmt wirkenden arbeitslosen Kochs und eines mit Pik-Ass-Stillleben auf dem Unterarm tätowierten Tiefbauers, dass die Nauener Neonazi-Zelle in gewisser Weise eine regelmäßige Saufrunde im Lokal „Karpfen“ war, wo man nach acht Bier und sechs Schnäpsen eben mal ein Dixi-Klo anzünden ging, das auf der Baustelle für eine Asylunterkunft stand. Ein wenig ahnt man, warum der Generalbundesanwalt damit nichts zu tun haben wollte.

Schneider will auch was sagen

Die ganze Verhandlung ist eine Ego-Show: Schneider verteilt per Mimik Haltungsnoten, lacht, feixt ins Publikum und kann es kaum erwarten, endlich selbst zu Wort zu kommen. Er muss sich gedulden, denn alle sechs Angeklagten machen Aussagen, gestehen im Wesentlichen die ihnen vorgeworfenen Taten. Als Richter Horstkötter nach der Mittagspause erneut einem der Mitangeklagten das Wort erteilt, meldet sich Schneider wie in der Schule per Fingerzeichen und sagt: „Komme ich dran – heute noch?“ Er weist auf einen Text vor sich auf dem Tisch: „Da habe ich die ganze Nacht dran gearbeitet!“

Fragliche Verteidigungsstrategie

Als Schneider sechs Stunden nach Prozessbeginn dann an der Reihe ist, hält er einen ziemlich unzusammenhängenden, einstündigen Vortrag, in dem er die Turnhallenbrandstiftung als spontane Idee und das Ausmaß des Brandes als „Unfall“ bezeichnet. Die von seinen Ex-Kumpanen geschilderten wochenlangen Vorbereitungen leugnet er.

Was soll eine solche Verteidigungsstrategie angesichts der erdrückenden Aussagen der anderen? Ein Konflikt zwischen Schneider und seinem Pflichtverteidiger trat zu Beginn der Verhandlung offen zu Tage: Ursprünglich hatte der Szene-Anwalt Wolfram Narath, der auch im Münchener NSU-Prozess einen Angeklagten verteidigt, den NPD-Kader vertreten wollen. Doch schied Narath aus und Schneider erhielt einen Pflichtverteidiger – „leider“, wie Schneider vernehmlich sagte, ohne den Juristen an seiner Seite eines Blickes zu würdigen.

Von Ulrich Wangemann

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