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Brandenburg Angeklagter gibt zu: Beamte hatten keine Chance
Brandenburg Angeklagter gibt zu: Beamte hatten keine Chance
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07:09 28.02.2018
Der Angeklagte Jan G. muss sich seit Dienstag vor Gericht verantworten. Quelle: Ulrich Wangemann
Frankfurt (Oder)

Am ersten Prozesstag gegen den mutmaßlichen Dreifachmörder Jan G. vor dem Frankfurter (Oder) Landgericht hat der 25-Jährige sich zu den Tatvorwürfen kurz geäußert. Der junge Mann, der zur Zeit in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht ist, gab an, er habe die beiden Polizisten an der Straßensperre auf einer Landstraße bei Oegeln nicht töten wollen.

„Sehr wenig Zeit gehabt, eine Entscheidung zu treffen“

„Ich habe die ganze Zeit gehupt, als ich gefahren bin“, sagte der Angeklagte. Die Polizisten hätten keine Chance gehabt, zu reagieren, gab Jan G. zu, er selbst jedoch habe „sehr wenig Zeit gehabt, eine Entscheidung zu treffen“. Der etwas wirre Vortrag mündete in der Äußerung des Angeklagten, es sei fraglich, ob dem Tod der Beamten überhaupt seinerseits eine Entscheidung vorausgegangen sei, „oder ob es nur eine Handlung wie bei Oma“ war.

Zur Erinnerung: Der 25-Jährige hatte seine Großmutter, bei der er lebte, laut Staatsanwaltschaft nach einem Streit um eine nicht benutzbare Badewanne, in der Kleidungsstücke lagen, zusammengeschlagen und später erstochen - er hatte laut Anklage den Eindruck gehabt, die alte Frau habe in einem Telefonat mit einer Bekannten von der Misshandlung durch ihren Enkel an ihrem 79. Geburtstag berichtet und ihn „verpfiffen“.

Mit Fäusten, einer Porzellan-Zuckerdose und einem Stuhl soll der damals 24-Jährige seine Großmutter attackiert haben. Sie stürzte zu Boden und wurde gewürgt. Es sind schreckliche Details, die die Staatsanwaltschaft auflistet. Zum Schluss soll er ihr „Lieblingsmesser“ genommen und ihr in den Hals gestochen haben. Abends wurde der Sarg mit der Leiche aus dem Haus getragen.

Zu den Opfern gewandt, von denen nur die Frau eines der Polizeibeamten im Saal erschienen war, sagte Jan G.: „Ich kann sagen, dass es mir leid tut.“ Weiter äußerte er Bedauern darüber, dass die Polizisten „nicht nach Hause kamen und nicht mehr zum Dienst konnten“. Laut Anklage stand der Täter an jenem 28. Februar 2017 unter Einfluss von mehreren Drogen.

In Müllrose (Oder-Spree) ereignet sich am 28. Februar 2017 ein schreckliches Verbrechen. Dort ersticht der 24-jährige Jan G. zunächst seine Großmutter. Dann flieht er und überfährt auf der Flucht zwei Polizisten an einer Straßensperre in Beeskow, Ortsteil Oegeln.

Jan G. war als Intensivtäter bekannt

Die Nebenklage jedoch, die Angehörigen der getöteten Polizeibeamten vertritt, unterstellt dem Todesfahrer Heimtücke. Das machte Anwältin Kamila Matthies in der Verhandlung klar. Nach ihren Worten hätten die beiden Beamten nicht mit einem solchen Angriff rechnen können. Heimtücke gilt juristisch als Mordmerkmal, wirkt also strafverschärfend. Dazu führte Matthies als weiteres Mordmerkmal die Tötung mit einem „gemeingefährlichen Mittel“ an - gemeint ist das Auto, mit dem Jan G. die Polizisten überfuhr. Der Berliner Prozess zu einem tödlichen Unfall mit einem Raser in der Berliner City-West stütze sie in dieser Rechtsauffassung. Die Staatsanwaltschaft spricht in ihrer Anklage von besonders schwerer Schuld des Angeklagten.

Für die Behörde muss auch Sicherungsverwahrung wegen der Abscheulichkeit der Verbrechen und der kriminellen und psychiatrischen Vorgeschichte des Angeklagten angestrebt werden. Jan G. war als Intensivtäter bekannt. Eine strafrechtliche Verurteilung scheint in diesem Fall möglich, weil die Staatsanwaltschaft auf Basis eines psychiatrischen Gutachtens davon ausgeht, dass der Täter zwar vermindert schuldfähig war, nicht aber schizophren. Die reine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik erscheint nach jetzigen Zeitpunkt also unwahrscheinlich. Kommt die Staatsanwaltschaft mit ihren Anträgen durch, wird Jan G. vermutlich mindestens 25 Jahre - vielleicht für immer - im Gefängnis bleiben.

Prozess wird Morgen fortgesetzt

Für Aufsehen erregte der Antrag von Jan G.’s Verteidiger, von den Schöffen des Verfahrens dienstliche Stellungnahmen dazu anzufordern, ob sie einen vor dem Prozess veröffentlichten Fernsehbeitrag auf RTL gesehen haben. Diese Sendung von Spiegel-TV zeigte Ausschnitte aus Videos, die in dem Verfahren eine Rolle spielen. Unter anderem geht es um die Kamera vom Armaturenbrett eines Lastwagens, das die Todesfahrt zeigt. Eine Kenntnis über Beweismaterial vor Prozessauftakt könnte möglicherweise die Schöffen befangen machen, so dass Argument der Verteidigung von Jan G. Morgen wird der Prozess fortgesetzt. Dann werden die Schöffen ihre Erklärungen abgegeben haben. Wie das Material zu dem Sender kam, dazu gaben sich alle Prozessbeteiligten ahnungslos.

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Von Ulrich Wangemann

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