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Brandenburg „Angriff auf Kern unseres Geschäftsmodells“
Brandenburg „Angriff auf Kern unseres Geschäftsmodells“
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16:43 11.03.2018
Schulhof der Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow. Quelle: Foto: Paul Pacey
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Kleinmachnow

Brandenburgs Landesrechnungshof hat einen kritischen Bericht zur staatlichen Finanzierung der Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) verfasst. Jetzt erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende der Privatschule, Frank H. Walter-von Gierke, wie gravierend der Vorgang für die Schule ist.

Die Kritik des Landesrechnungshofs ist heikel, weil sie einen Teil Ihrer Finanzierung infrage stellt. Wie ist eigentlich Ihr Geschäftsmodell?

Frank H. Walter-von Gierke: Es geht um etwa ein Fünftel unserer Finanzierung pro Jahr, etwa zwei Millionen Euro. Soweit man eine staatlich genehmigte Ersatzschule ist, hat man gesetzliche Ansprüche auf Fördergelder. Unser Lehrplan ist gleichartig mit den Bildungszielen des Landes Brandenburg. Was wichtig ist: Die Schule ist gemeinnützig. Es verdient niemand, Einnahmen und etwaige Überschüsse kommen allein der Schule zugute und werden investiert – zum Beispiel in Sportanlagen. Es darf nichts an Gesellschafter ausgeschüttet werden. In erster Linie kommt das Schulgeld aus den Beiträgen der Eltern oder von deren Arbeitgebern. Es ist ja bei Weitem nicht alles Glamour: Auch normale Botschaftssekretärinnen schicken ihre Kinder zu uns. Die Botschaften übernehmen dann die Gebühren.

Frank H. Walter-von Gierke, Aufsichtsratschef BBIS. Quelle: privat

Die Schulgebühren für ein Kind, das seine komplette Schulzeit bei Ihnen verbringt, liegen bei 150 000 bis 180 000 Euro. Haben Sie ein Stipendienprogramm für Schüler aus weniger vermögenden Familien?

Natürlich haben wir das. Sonst bekommt man gar keine Schulgenehmigung. Laut Grundgesetz darf kein Kind wegen des Einkommens der Eltern benachteiligt werden. Das Bildungsministerium hat das geprüft. Da wir gemeinnützig sind, müssen in dem Moment, in dem wir Stipendien verteilen – und wir tun dies gern – die anderen Eltern entsprechend mehr Schulgeld bezahlen. Das Geld muss irgendwo herkommen. Deshalb geben wir auch keine Rabatte für Zweit- und Drittkinder.

Der Rechnungshof kritisiert die hohen Gebühren als schwer vereinbar mit der allgemeinen Zugänglichkeit für Nicht-Vermögende. Können Sie Ihr Stipendienprogramm ausweiten?

Da müssen wir erst abwarten, was genau gemeint ist. Uns wurde vom Bildungsministerium ein Schreiben für nächste oder übernächste Woche avisiert. Natürlich müssen wir versuchen zu reagieren, wenn es sich als erforderlich erweist. Wir sind allerdings seit 20 Jahren am Markt und regelmäßig vom Bildungsministerium überprüft worden. Wir wollen und müssen eine staatlich genehmigte Ersatzschule bleiben, um unser einzigartiges Unterrichtsangebot in der heutigen Form aufrecht halten zu können.

Mehrheitsgesellschafter und Vater dreier Absolventen

Als Mitgründer der in Brandenburg einzigartigen internationalen Schule BBIS ist Frank H. Walter-von Gierke als Mehrheitsgesellschafter dabei.

Seine drei Kinder haben seit 1990 die Schule durchlaufen. Lange als Anwalt einer internationalen Kanzlei tätig, hat der 57-Jährige heute eine Beteiligungsgesellschaft. Walter-von Gierke lebt seit 25 Jahren in Potsdam.

Würde die staatliche Förderung zurückgefahren, könnten Sie den Fehlbetrag durch Beitragserhöhung ausgleichen?

Ich glaube nicht, dass eine finanzielle Erhöhung – insbesondere nicht um 20 Prozent der Schulgebühren – auch nur ansatzweise am Markt umzusetzen wäre. In Berlin gibt es ja vier weitere größere internationale Schulen. Wir müssten anders reagieren: Erhöhung der Schülerzahl pro Klasse oder Einschränkung von Angeboten.

Wer lernt bei Ihnen?

30 Prozent sind deutsche Schüler. Die größten internationalen Schülergruppen kommen aus den USA, aus Holland und aus Israel. Es ist bunt gemischt – 68 Nationen insgesamt. Botschaftsangehörige und internationale Managerfamilien gehören dazu. Sie sind wegen häufiger Umzüge auf ein internationales Curriculum und Englisch als Unterrichtssprache angewiesen.

Warum sollte die Schule aus Ihrer Sicht weiterhin Förderung erhalten?

Wir haben bestandskräftige Bescheide und einen gesetzlichen Anspruch auf Förderung. Wir müssen die vom Rechnungshof monierten Punkte abwarten. Der Rechnungshof hat seine Aufgabe, er geht ihr nach. Da gibt es nichts zu kritisieren. Wir sehen dies bisher als internen Vorgang zwischen Rechnungshof und Ministerium und befanden uns bisher immer in bestem Einvernehmen mit dem Ministerium.

Haben Sie politische Unterstützung?

Es ist zu frisch. Ich gehe aber davon aus, dass man diese Schule, die 740 Schüler unterrichtet und 160 Familien Brot und Arbeit gibt, weiter als gemeinnützige Institution, die mit Kleinmachnow fest verwachsen ist, unterstützt. Viele Internationale ziehen wegen dieser Schule nach Kleinmachnow.

Was befürchten die Eltern?

Es wird unser Kerngeschäftsmodell angegriffen, wenn als Unterrichtssprache Deutsch im Gespräch sein sollte. Unsere Eltern wollen am internationalen Ausbildungsideal – in Englisch – festhalten. Die 70 Prozent ausländischen Kinder haben gar keine andere Wahl, weil ihre Eltern alle drei Jahre von ihren Arbeitgebern versetzt werden. Weltweit unterrichten 3000 Schulen nach dem gleichen Curriculum. Wenn wir auf Deutsch unterrichten müssten, wäre dies das Ende der Schule in ihrer heutigen Form. Für die internationalen Familien ist diese Schule eine Art Anker. Sie tauschen sich aus, haben Gleichgesinnte, sind sehr aktiv. Deshalb fühlen sie sich jetzt im Grundsatz bedroht.

Die Schule war nicht immer finanziell auf Rosen gebettet.

Wir als Eltern – deshalb bin ich Hauptgesellschafter – haben uns 1998 nach der Insolvenz des damaligen Betreibers zusammengesetzt und eine neue gemeinnützige Schule aufgebaut – mit 160 Schülern. Heute haben wir mehr Mitarbeiter als damals Schüler.

Von Ulrich Wangemann

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