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Anklage fordert lebenslange Haft für Kudamm-Raser

Plädoyers im Mordprozess Anklage fordert lebenslange Haft für Kudamm-Raser

In dem vor fünf Monaten eröffneten Mordprozess gegen zwei Raser vom Kudamm wurden am Montag die Plädoyers gesprochen. Die 25- und 27-jährigen Männer lieferten sich vor einem Jahr ein Kräftemessen mit ihren Autos. Bei dem illegalen Rennen kam ein Unbeteiligter in der Berliner Innenstadt ums Leben.

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Die wegen Mordes angeklagten Marvin N. (2.v.l.) und Hamdi H. (5.v.l., sitzend, mit einer Mappe vorm Gesicht) stehen auf diesem Bild am 8. September 2016 in Berlin in einem Verhandlungssaal des Kriminalgerichts in Moabit. Seit diesem Tag läuft der Prozess.

Quelle: Paul Zinken/dpa

Berlin. Im Mordprozess gegen zwei mutmaßliche Raser, die sich ein illegales Autorennen in der Berliner City geliefert und den Tod eines unbeteiligten Jeep-Fahrers verursacht haben sollen, hat die Anklage auf lebenslange Freiheitsstrafen plädiert.

Die 25- und 27-Jährigen hätten sich ein „Stechen“ geliefert und dabei tödliche Folgen billigend in Kauf genommen, sagte der Staatsanwalt am Montag vor dem Berliner Landgericht. Sie seien des gemeinschaftlichen Mordes schuldig. Mit Tempo 160 soll der 27-Jährige im Februar 2016 in der Tauentzienstraße einen Geländewagen gerammt haben. Der Unfall mit tödlichem Ausgang ereignete sich am Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe.

Im Januar hatte eine Verkehrspsychologin einen der Angeklagten als „massiv selbstüberschätzend“ beschrieben. Ihm sei es bei dem Rennen darum gegangen, „sein Ego aufzuwerten“. Der zuletzt Arbeitslose sei mehrfach wegen Verkehrsdelikten aufgefallen, „aber nicht mit der erforderlichen Härte bestraft worden“. Bei dem Mann habe „kein echtes Erkennen der eigenen Schuld begonnen“. Es bestehe ein hohes Rückfallrisiko, sagte die Expertin bei ihrer Anhörung im Januar.

Dieses Archivbild vom 1

Dieses Archivbild vom 1. Februar 2016 zeigt den Unfallort: Fahrzeugteile liegen in Berlin nach einem illegalen Autorennen in der Tauentzienstraße. Bei dem schweren Unfall kam ein Mensch ums Leben.

Quelle: Britta Pedersen/dpa

Den Unfallhergang rekonstruierte die Polizei damals durch Zeugenaussagen. Demnach rasten der 26-jährige Audi-Fahrer und der 24-jährige Mercedes-Fahrer kurz vor 1.00 Uhr nebeneinander über den mehrspurigen Einkaufsboulevard Richtung Osten. Dabei überfuhren sie einige rote Ampeln. Auf einer Kreuzung der Tauentzienstraße, der Verlängerung des Kudamms zwischen Gedächtniskirche und KaDeWe, knallte einer der Sportwagen in einen kleineren, lilafarbenen Geländewagen. Das Fahrzeug wurde dabei 70 Meter weit geschleudert. Der 69-jährige Fahrer starb in seinem Auto. Gegen die beiden jungen Autofahrer wurde im September der Mordprozess eröffnet.

Todesopfer bei illegalen Autorennen

Autofahrer liefern sich immer wieder illegale Rennen. Schon mehrfach kam es dabei wie jetzt in Berlin zu schweren Unfällen.

Januar 2016: Bei einem illegalen Rennen in Ludwigshafen verliert ein Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen. Das Fahrzeug überschlägt sich und prallt gegen einen Baum. Auf dem Rücksitz des Autos stirbt eine 22 Jahre alte Frau, zwei weitere Mitfahrer werden schwer verletzt.

Juli 2015: Ein Radfahrer stirbt, weil zwei Autos in Köln um die Wette rasen. Einer der Wagen prallt erst gegen ein unbeteiligtes Auto, überschlägt sich dann und trifft den 26-jährigen Radfahrer. Einige Tage später erliegt der seinen Verletzungen.

April 2015: Zwei Wagen fahren in Köln ein Rennen. Beim Überholen gerät einer der Wagen ins Schleudern und kollidiert mit einer Radfahrerin. Die 19-Jährige stirbt wenige Tage später.

März 2015: Einer von zwei Rasern in Köln fährt mit seinem Wagen über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Taxifahrgast stirbt später an seinen schweren Verletzungen.

Der tödliche Unfall der sogenannten Kudamm-Raser kurbelte die Debatte über härtere Strafen gegen Teilnehmer illegaler Autorennen an. Als Ordnungswidrigkeit sind sie bislang eingestuft, die mit 400 Euro Buße und einem Monat Fahrverbot geahndet wird. Tödliche Verkehrsunfälle haben für Verursacher in der Regel eine Anklage wegen einer fahrlässig begangenen Tat zur Folge.

Von dpa

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