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Brandenburg Anklage gegen Ex-IHK-Präsident Stimming
Brandenburg Anklage gegen Ex-IHK-Präsident Stimming
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08:24 22.10.2015
Kurzer Draht in die Landesregierung: Stimming (r.) mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (M.) und Handwerkerpräsident Jürgen Rose bei einem Neujahrsempfang 2013. Quelle: Köster
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Potsdam

Dem langjährigen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK), Victor Stimming, steht neuer Ärger ins Haus. Wegen Untreue- und Betrugsverdachts hat die Staatsanwaltschaft Potsdam nach MAZ-Informationen Anklage gegen den 64-Jährigen erhoben. Stimming wird verdächtigt, sich auf Kosten der IHK Potsdam und ihrer Mitglieder persönlich bereichert zu haben. Erst vor wenigen Tagen hatte die Kammer selbst Stimming auf 250 000 Euro Schadenersatz verklagt.

Weder die Staatsanwaltschaft Potsdam noch das Amtsgericht wollten sich am Mittwoch zu der Sache äußern. Ob das Gericht die Anklage zulässt und das Verfahren tatsächlich eröffnet, ist unklar.

Knöllchen auf Kammerkosten

Der Bauunternehmer Stimming war als Präsident der mitgliederstarken IHK Potsdam einst einer der mächtigsten Wirtschaftslobbyisten in Brandenburg – mit kurzem Draht in die Landesregierung. Er führte die Kammer erfolgreich; Kritiker warfen ihm gegen Ende seiner Amtszeit jedoch einen autoritären Führungsstil und eine Selbstbedienungsmentalität vor. Außerdem machten Vorwürfe der Vetternwirtschaft die Runde. Nach seinem Rücktritt Ende 2013 – aus gesundheitlichen Gründen, wie Stimming betonte – nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Als ehrenamtlicher Präsident soll Stimming eine von der IHK bezahlte Sekretärin auch in seiner privaten Baufirma in Brandenburg an der Havel beschäftigt haben. Außerdem soll er seinen luxuriösen Dienstwagen privat genutzt und sogar Knöllchen über die Kammer abgerechnet haben. Fragen warf auch die Vergabe von Bauaufträgen durch die IHK auf, von der Stimmings Firma und die seines Sohnes profitierten. Wirtschaftsprüfer sollen in diesem Zusammenhang in einem Tresor Projektverträge in unterschiedlicher Ausführung gefunden haben.

Stimmings üppige Pensionspläne wurden vereitelt

Für Empörung unter den Mitgliedern der IHK sorgte ein von Stimming auf einer Sitzung in Malta eingefädelter Beschluss, die dem Präsidenten eine üppige Alterspension beschert hätte – ein für ein Ehrenamt wohl einzigartiges Privileg. Justiziabel ist dies jedoch offenbar nicht, da der Plan gestoppt wurde und der Kammer kein finanzieller Schaden entstanden ist.

Am 9. Oktober hatte die IHK gegen Victor Stimming eine Schadenersatzklage beim Landgericht Potsdam eingereicht. Zuvor hatte die Kammer vergeblich versucht, sich außergerichtlich mit ihm zu einigen.

Stimming war seit 1995 Präsident der IHK Potsdam.

Stimmings Erbe wird aufgearbeitet

Die Aufarbeitung der Ära Stimming in der IHK Potsdam geht weiter:

Die Kammer saniert die Fünf-Millionen-Villa Carlshagen in Potsdam, deren Kauf vom Ex-Präsidenten Victor Stimming veranlasst worden war. Der Prunkbau soll verkauft werden, weil er für die IHK überflüssig ist.

Die von Stimming verfolgte Idee einer Pension für den ehrenamtlichen Präsidenten wurde gestoppt.

Mit einem neuen Leitbild will sich die Kammer auf ihre Stärken als Wirtschaftsstimme und Dienstleister für die Unternehmer besinnen. Es soll im November verabschiedet werden.

Von Torsten Gellner

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