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Brandenburg Anschlagsserie auf Linke-Parteibüro in Nauen
Brandenburg Anschlagsserie auf Linke-Parteibüro in Nauen
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00:20 17.06.2015
Susanne Schwanke Lück und Thomas Lück vor der beschmierten Linke-Geschäftsstelle in Nauen.  Quelle: Tanja M. Marotzke
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Nauen

 Er kam in der Nacht zu Mittwoch, verklebte die Schlösser von Tür und Briefkasten des Nauener Linken-Büros (Havelland). Doch Polizisten ertappten den 27-Jährigen. Nun ermittelt der Staatsschutz gegen den Mann, der in der Stadt als Neonazi bekannt ist. Es war nach Angaben der Partei bereits der siebte Anschlag seit März auf die Räume der Nauener Linken, die auch der Bundestagsabgeordnete Harald Petzold als Bürgerbüro nutzt.

Mittlerweile 20.000 Euro Schaden

Eine Serie, die im Land Brandenburg bislang einzigartig ist. „So etwas haben wir noch nicht erlebt“, sagt Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West. Mal flogen ausgebrütete Eier mit toten Küken gegen die Scheibe, mal musste das Gebäude Farbbeutel und Hammerschläge aushalten. Der Schaden beläuft sich Schätzungen der Partei zufolge mittlerweile auf rund 20 000 Euro.

Linke vermutet rechtsextremen Hintergrund

Andrea Johlige, Sprecherin der Linksfraktion für Asyl- und Flüchtlingspolitik im Landtag, geht bei den Taten von einem rechtsextremen Hintergrund aus. „Man schlägt ja nicht 29-mal auf eine Scheibe ein, weil man einen Hass auf Scheiben hat.“ Johlige betont, dass die Linke sich davon aber auf keinen Fall einschüchtern lasse.

Linke will Asylbewerberheim in Nauen

Zuletzt hatten sich Mitglieder der Partei immer wieder an den Demonstrationen für ein geplantes Asylbewerberheim in Nauen beteiligt – als Antwort auf Demos der Heimgegner, die regelmäßig durch die Nauener Innenstadt ziehen. Bei der jüngsten Demo riefen die Gegner unter anderem Parolen wie: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen.“

Neonazi-Szene radikalisiert sich

Christian Görke, Finanzminister und Landesschef der Linken, verurteilt die Taten und verweist auf eine Radikalisierung der Neonazi-Szene in der Region, etwa der „Freien Kräfte“ Neuruppin und Osthavelland. „Wir erwarten, dass seitens der Ermittlungsbehörden eine mögliche Verbindung der Täter zu solchen Neonazi-Vereinigungen geprüft und auch ein Verbot in Betracht gezogen wird“, so Görke.

Auch andere Parteien angegriffen

 Doch nicht nur die Linken sind betroffen. Ende Mai versuchten Unbekannte, die Tür des Grünen-Bürgerbüros in Eberswalde (Barnim) einzutreten, zudem wurden Plakate zur Film- und Diskussionsveranstaltung „Willkommen auf Deutsch“ zerstört. Die rechtsradikale Szene versuche, aus den Ängsten der Bürger über die Aufnahme von Flüchtlingen für sich Kapital zu schlagen, erklärte die Grünen-Landesvorsitzende Petra Budke. „Durch Übergriffe auf Parteibüros wie in Eberswalde oder Nauen fühlen sie sich stärker.“ Man lasse sich aber von „Nazis“ nicht einschüchtern.

Anschläge auf Parteibüros keine Seltenheit

Anschläge auf Parteibüros sind im Land Brandenburg keine Seltenheit: Rund 100 Attacken gab es in den vergangenen zehn Jahren. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linken im Landtag hervor. Fassaden wurden mit Hakenkreuzen beschmiert, Schaukästen beschädigt oder gar Eingangstüren in Brand gesetzt. Die meisten der erwischten Täter hatten einen rechtsextremen Hintergrund. Auf dem ersten Platz in dieser Statistik liegt der Landkreis Spree-Neiße mit zwölf Anschlägen, das Havelland rangiert mit elf Attacken auf dem zweiten Rang, in der Landeshauptstadt Potsdam gab es seit 2005 zehn Anschläge. Auf den hinteren Rängen sind Elbe-Elster und die Uckermark – jeweils zwei Anschläge – und Frankfurt (Oder) mit einer Attacke.

Staatsschutz ermittelt

Der Staatsschutz ermittle nach den Anschlägen in Nauen intensiv, erklärte Polizeisprecherin Jana Birnbaum gegenüber der MAZ. Drei Personen hatte die Polizei zuletzt dort erwischt. „Die Täter suchen durch solche Taten ein öffentliches Podium, um ihre Ansichten zu verbreiten“, so die Sprecherin. Sie könne aber nicht sagen, ob alle Anschläge einen rechtsextremen Hintergrund hatten. Es könnten auch „Trittbrettfahrer“ dabei sein, die nur die Aufmerksamkeit der Presse suchten. test

Von Marco Paetzel

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