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Brandenburg Zu viele Bauern beantragen Dürrehilfen: Geld wird knapp
Brandenburg Zu viele Bauern beantragen Dürrehilfen: Geld wird knapp
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00:21 13.12.2018
Ein Großteil der diesjährigen Ernte fiel der Dürre zum Opfer. Quelle: dpa/Peter Förster
Potsdam

Trotz heftiger Kritik an strengen Vorgaben und überbordender Bürokratie erweist sich das Dürrehilfe-Programm für Landwirte in Brandenburg als äußerst beliebt: Insgesamt 770 Anträge auf eine finanzielle Unterstützung wegen Ernteausfällen gingen beim Brandenburger Landwirtschaftsministerium ein. Das teilte das Landwirtschaftsministerium am Montag mit.

Dabei sah es zunächst so aus, als würde das Programm, das vom Bund aufgelegt und von Brandenburg anteilig mitfinanziert wird, von den hiesigen Landwirten verschmäht. Bis Ende November, als die Antragsfrist eigentlich enden sollte, hatten nur 36 von rund 5000 Agrarbetrieben einen Antrag gestellt. Das Landwirtschaftsministerium hatte die Frist daraufhin um eine weitere Woche verlängert. Allein in den vergangenen sieben Tagen meldeten sich dann mit einem Schlag mehr als 700 betroffene Landwirte.

Doppelt so viel Geld beantragt wie im Topf ist

Die Höhe der nun beantragten Beihilfen beträgt 93,5 Millionen Euro. Damit wäre das für Brandenburg vorgesehene Budget deutlich überzogen: Zum Ausgleich der Trockenschäden sieht das Bund-Länder-Programms für Brandenburg insgesamt 46 Millionen Euro vor, wovon der Bund und Brandenburg je 23 Millionen tragen.

Viele Bauern mussten wegen der extremen Trockenperiode in diesem Sommer Ernteausfälle von 50 Prozent und mehr hinnehmen. Die Kartoffelernte war zuletzt 1991 so schlecht. Weil das Futter knapp wurde, sahen sich Landwirte auch gezwungen, ihre Viehbestände zu reduzieren.

Extrem kompliziertes Verfahren

„Wir hatten es mit einem sehr komplizierten Verfahren mit hohen Auflagen zu tun, das viele Landwirte abgeschreckt haben dürfte“, sagte Landesbauernpräsident Henrik Wendorff. „Die nun beantragte Summe spiegelt das Ausmaß der hohen Schäden wider.“ Der Bauernverband hatte die Dürreschäden in diesem Jahr mit 370 Millionen Euro beziffert. Ein Betrieb kann jedoch nur für die Hälfte seiner erlittenen Schäden eine Beifhilfe geltend machen.

Die Anträge werden nun von der Investitions- und Landesbank überprüft. Es sei derzeit noch nicht abzusehen, ob alle Landwirte, die sich gemeldet haben, auch die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, erklärte Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Deswegen sei es auch noch zu früh, darüber zu spekulieren, ob das Programm durch weitere Mittel aufgestockt wird – und wenn ja, über welche Töpfe.

An der Art des Verfahrens hatte es viel Kritik gegeben. Bauern mussten nachweisen, dass sie im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren in diesem Jahr über 30 Prozent ihrer Ernte eingebüßt haben. Außerdem musste der Schaden höher sein als das Kapital, das kurzfristig zur Verfügung steht. Wer vor dem Dürresommer also noch in neue Maschinen investiert hatte und dessen Konto leer war, kam eher in den Genuss der Beihilfe als andere.

Bauern auf der „Anklagebank“

Ohne Steuer- oder Betriebsberater hätten die Anträge nicht gestellt werden können, sagte Bauernpräsident Wendorff. Er kritisierte, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werde, dass den Bauern mit viel Geld geholfen werde, obwohl tatsächlich ein Großteil der Landwirte auf ihren Schäden sitzen bleibe.

Ähnlich kritisch äußerte sich auch der konkurrierende Bauernbund. „Wieder einmal sitzen die Bauern auf der gesellschaftlichen Anklagebank als diejenigen, die immer nur jammern und die Hände aufhalten“, sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung. Doch tatsächlich würden die Hilfen nicht ankommen. „Wir haben etwa 5000 Betriebe, nur 770 davon haben einen Antrag gestellt, obwohl fast alle unter der extremen Dürre gelitten haben“, sagte Jung. „Das zeigt, wie ungerecht das Verfahren ist.“

Im Durchschnitt lagen die Einbußen laut Bauernverband bei Gerste, Roggen, Weizen und Raps zwischen 30 und 50 Prozent. Vereinzelt seien auch Totalverluste zu beklagen. Bauernpräsident Wendorff befürchtet, dass sich extreme Witterungen wie in diesem Sommer in Zukunft häufen werden. „Wenn wir das häufiger zu spüren bekommen, stellt sich die Frage, ob der Landwirtschaft noch zu helfen ist“, sagte er.

Von Torsten Gellner

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