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Brandenburg Anti-Baby-Pille für den Wolf?
Brandenburg Anti-Baby-Pille für den Wolf?
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20:31 03.05.2017
Die Zahl der Wölfe in Brandenburg steigt. Derzeit soll es 25 Rudel geben. Quelle: Peter Geisler
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Potsdam

Bauern, Jäger und Schäfer in der Region haben den Wolf längst als gefährliche Plage ausgemacht. Um die wachsende Population der unter Schutz stehenden Tiere einzugrenzen, wird auch vor unkonventionellen Ideen nicht Halt gemacht. Bei der Präsentation eines Forderungskatalogs an die Umweltministerkonferenz am Mittwoch in Potsdam überraschte der Vertreter der Schafzucht damit, weiblichen Wölfen ein Verhütungsmittel zu verpassen. „Eine Pille oder ein Impfstoff – das wäre eine Lösung“, sagte Schäfer Maik Gersonde, der in Grebs-Niendorf in Mecklenburg-Vorpommern an der Grenze zu Brandenburg Schafzucht betreibt und aus seiner Verzweiflung keinen Hehl macht. Es gebe zu viele Wölfe und zu wenig Schutz. Menschen und Tiere würden zunehmend leiden. „Wir warten jeden Tag auf neue Angriffe“, sagte Gesonde. „Wir wissen nicht mehr weiter.“

Aber ließe sich mit einer „Anti-Baby-Pille“ für Wölfe der wachsenden Population zu Leibe rücken? Wildbiologen würden daran forschen, sagt Gregor Beyer, der Geschäftsführer des Forums Natur Brandenburg. Dabei gehe es darum, dass Wölfe die in Ködern ausgelegten Pillen fressen. Allerdings gehen die Meinungen der Experten auseinander. Die Variante gilt als sehr riskant: Auch andere Tiere könnten die Pillen fressen – mit unabsehbaren Folgen für den Artenschutz. In einem überwachten Gehege sei dies simuliert worden, sagt Beyer. Aber in der wilden Natur würde dies nicht funktionieren.

Skeptisch ist auch der Umweltbeauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Eberhard Hartelt. „Man kann nicht Wirkstoffe in der Landschaft verteilen und dann hoffen, dass sie der Wolf frisst“, sagt Hartelt. Er könne die betroffenen Schäfer wirtschaftlich und emotional verstehen, die Köderaktion sei aber keine Lösung des Problems.

Das sieht der Bauernfunktionär allerdings auch in der rasanten Ausbreitung des Wolfs. Die Zahlen bundesweit gingen stark nach oben. „Das darf nicht so weiter gehen.“ Damit würde die Weidehaltung grundsätzlich in Frage gestellt werden. Derzeit lebten rund 70 Rudel und Paare in Deutschland, allein im vergangenen Jahr seien nach der amtlichen Statistik 700 Weidetiere getötet worden. Er fordert von der Politik ein Eingreifen. „Man darf den Wolf nicht mehr uneingeschränkt Willkommen heißen“, fordert Hartelt. Mit weiteren fünf Bundesverbänden soll Druck auf die Umweltministerkonferenz ausgeübt werden. Die tagt bis Freitag in Bad Saarow. Das Thema Wolf ist Tagesordnungspunkt 23 (von 39). „Der Schutz der Weidetierhaltung muss Kernanliegen des Naturschutzes werden und darf nicht dem Wolfsschutz untergeordnet werden“, heißt es in einer Resolution,

Mit im Boot sitzen die brandenburgischen Bauern und Jäger. Sie fordern eine Obergrenze für die Zahl der Wölfe im Land. Das lehnt das Umwelt- und Agrarministerium in Brandenburg bislang ab und verweist auf fehlende Angaben zum Erhaltungszustand der geschützten Art. Der Präsident des Landesjagdverbandes Dirk Wellershoff fordert eine ehrliche Debatte mit wissenschaftlichem Sachverstand, wie er betonte. Er besteht auf eine Obergrenze, die bei bis 400 Wölfe liegen könnte. Die Grenze sei erreicht, „wenn die Population nicht mehr gefährdet ist“. Der Jäger-Präsident geht von 25 Rudeln in Brandenburg mit rund 200 Tieren aus. Er fordert zudem einen besseren Schutz der Jagdhunde durch das Land. Immer wieder verschwänden Hunde bei der Jagd oder trügen Verletzungen davon, sagte Wellershoff.

Offenbar gibt es auch eine große Zahl an gerissenen Tieren, die gar nicht gemeldet werden. Darauf machte Schäfer Geronde aufmerksam. „Die Dunkelziffer ist riesig.“ Er selbst habe zum Beispiel noch nicht einen Biss gemeldet. „Das bringt nichts, es gibt sowieso kein Geld.“ Viele Schäfer hätten einfach keine Lust, sich mit Behördenmitarbeitern herumzuärgern.

Umweltminister der Länder und des Bundes in Bad Saarow

In
Bad Saarow (Oder-Spree) hat am Mittwoch unter dem Vorsitz Brandenburgs eine dreitägige Umweltministerkonferenz des Bundes und der Länder begonnen. Schwerpunkte sind der Klimaschutzplan 2050, der Umgang mit Wolf und Biber sowie der Skandal um Diesel-Abgaswerte.

Die Umweltminister der Länder fordern, dass die Autobauer Verantwortung für schlechte Luft übernehmen und ihre Fahrzeuge nachrüsten.

Von Igor Göldner

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