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Brandenburg Experten: Judenhass auf dem Vormarsch
Brandenburg Experten: Judenhass auf dem Vormarsch
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00:54 12.03.2018
Zerstörte Scheibe der Synagoge in Cottbus 2015 – die Stadt bleibt Schwerpunkt für antisemitische Vorfälle. Quelle: Foto: Dpa
Potsdam

Forscher und Vertreter jüdischer Organisationen beklagen eine beunruhigende Zunahme antisemitischer Vorfälle in Brandenburg. „Wir sind alle irritiert über die Zunahme antisemitischer Vorfälle“, sagte der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, Julius Schoeps, am Freitag nach einem Workshop mit Experten in Potsdam. Als „extrem alarmierend“ bezeichnete die Vorsitzende der F. C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz, Susanne Krause-Hinrichs, die Tendenz: „Wir müssen genau hinschauen, damit die Stimmung in der Gesellschaft nicht kippt.“

Von einer Ausbreitung judenfindlicher Äußerungen im Alltag berichtete Gideon Botsch vom Moses-Mendelssohn-Zentrum. So hätten Anhänger des Fußballvereins Energie Cottbus bei einem Spiel gegen Babelsberg 03 eine „U-Bahn von Babelsberg nach Auschwitz“ gefordert. Ein Potsdamer Musiker mit Künstlernamen Uwocaust, der Gaskammern als„nützlichste Erfindung der Menschheit“ bezeichne, sei im Juli vor Tausenden Neonazis beim Rechtsrock-Festival in Themar (Thüringen) aufgetreten.

Dass Rechtsextremisten ihre Gesinnung mittlerweile offen zur Schau trügen, sei auch der AfD zuzuschreiben, sagte Botsch. Die Partei habe die „Diskreditierung ganzer Bevölkerungsgruppen in außerordentlich aggressiver Weise“ hoffähig gemacht und damit „die Schleusen des Hasses geöffnet“.

Forscher: Es fehlen Ansprechpartner für Betroffene

Schoeps forderte in allen Bundesländern die Berufung von Antisemitismusbeauftragten. „Es fehlen die Ansprechpartner“, sagte er. „Wenn etwas geschehen ist und man sich an den Ortsvorsteher wendet – was soll der tun?“, so Schoeps.

Als zentrale Gegenmaßnahme empfahlen die Experten mehr Bildung. Es gebe sowohl bei Lehrern als auch Schülern eine große Unkenntnis über Juden, jüdisches Leben und den Staat Israel, sagte Krause-Hinrichs. Auch die Polizei müsse besser geschult werden im Umgang mit antisemitischen Straftaten. „Zentral ist Schulung, Weiterbildung – in allen Bereichen“, sagte Schoeps.

Geschändete Gräber und Mahnmale

Die Polizei will ihre Statistik zu politischen Straftaten im Jahr 2017 Ende März veröffentlichen. 2016 registrierten die Strafverfolgungsbehörden 92 antisemitische Taten im Land, 2015 waren es 83. Laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) in Berlin, die auch Brandenburger Vorfälle archiviert, wurde etwa im September 2017 eine Gedenkplatte in Schipkau (Oberspreewald-Lausitz) beschädigt. In Schipkau hatte 1945 zu Kriegsende ein „verlorener Zug“ mit KZ-Häftlingen aus Bergen-Belsen gehalten, etliche der zusammengepferchten Gefangenen waren in dem Ort gestorben.

Im Juni verwüsteten Unbekannte jüdische Grabstätten auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf – unter anderem schändeten sie eine Gedenkstele für den Schauspieler Joachim Gottschalk. Der hatte sich geweigert, im Dritten Reich seine jüdische Frau und den Sohn zu verlassen – er wurde 1934 hingerichtet.

Neonazi-Fußballfans wollen Gegner im KZ sehen

Am 20. Juli 2017 riefen mutmaßlich Anhänger des FC Energie Cottbus während eines Spiels gegen Babelsberg 03 die antisemitische Parole: „Arbeit macht frei, Babelsberg 03.” Aus der Fankurve zeigten vermummte Fans den Hitlergruß und skandierten „Zecken, Zigeuner und Juden!“

In Cottbus verließ nach Auskunft der Amadeo-Antonio-Stiftung im Januar 2017 ein NPD-Abgeordneter bei einer Schweigeminute demonstrativ den Saal – sie galt dem kurz zuvor verstorbenen Juden Max Schindler, der während des Zweiten Weltkrieges das KZ Theresienstadt überlebt hatte.

Die rituelle Laubhütte der „Gesetzestreuen Jüdischen Landesgemeinde Brandenburg“ in Potsdam wurde im Oktober 2017 entweiht, als ein Unbekannter dort Fäkalien ablud.

Rias-Vorstand Benjamin Steinitz erinnerte daran, dass auch indirekt jüdisches Leben angefeindet werde. So ziele etwa das im Bundesprogramm der AfD geforderte Schächtungsverbot vordergründig auf muslimische Schlachtvorschriften. Es treffe aber genauso die jüdischen Speisegesetze.

Von Ulrich Wangemann

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