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Anwohner fühlen sich allein gelassen

Land unter in Leegebruch Anwohner fühlen sich allein gelassen

Der Jahrhundertregen vom Donnerstag hat den Landkreis Oberhavel besonders stark getroffen. In dem kleinen Leegebruch herrscht Ausnahmezustand. Weil es in einer Senke liegt, drängt das Wasser von überall in die 6500-Einwohner-Gemeinde. Die Anwohner haben viele Fragen.

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Die Bewohner von Leegebruch fühlen sich allein gelassen, denn noch immer steht das Wasser in vielen Straßen, dringt in Häuser und Keller. Wie hier in der Straße Am Backofenberg.

Quelle: Ulrike Gawande

Leegebruch. Vollgelaufene Keller, überquellende Abwasserleitungen - in Leegebruch stinkt es: Seit Donnerstag herrscht in der Oberhavel-Gemeinde Leegebruch nördlich von Berlin der Ausnahmezustand. Rund 250 Liter Niederschlag pro Quadratmeter kamen in der Spitze herunter. Das Wasser aus der gesamten Gegend lief in die Leegebrucher Senke und überflutete Teile der 6500-Seelen-Gemeinde direkt am nördlichen Berliner Ring.

„Bei uns steht alles unter Wasser, weil wir der tiefste Punkt hier sind. Aus dem Abwasser-Gully werden die Fäkalien hochgedrückt. Es stinkt“, sagt Anwohnerin Ines Krüger. „Ich kann nicht mehr. Niemand hilf uns“, klagt sie weinend. Das Wasser steht bei ihr auf der ganzen Fläche 20 Zentimeter hoch. Inzwischen wurden auf der Straße einige Chemie-Toiletten aufgestellt.

Hilfe vom Landkreis kam „viel zu spät“

Überall im Ort ist die Kanalisation zusammengebrochen, die Stromversorgung fiel teilweise aus. Seit Sonntagmorgen ackern 150 Freiwillige Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreis mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks. „Wir Bürger haben in Eigeninitiative eine Trafostation mit Sandsäcken geschützt, damit nicht noch mehr wichtige Infrastruktur absäuft“, erklärt ein Leegebrucher.

„Die Lage ist für Leegebruch schlimm und eine Tragödie für die Menschen“, sagt Oberhavel-Landrat Ludger Weskamp (SPD) am Sonntag. Die Schäden seien sehr groß, weil unzählige Keller vollgelaufen sind, komplette Straßenzüge unter Wasser stehen.

Die Lage in Leegebruch

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„Warum hat der Kreis nicht den Katastrophenfall ausgerufen. Da hätte man uns viel schneller helfen können“, sagt Meike Nitz. 87 Zentimeter hoch stehe die „braune Brühe“ in ihrem Keller. „Sie haben uns hier schlicht vergessen“, sagt Nitz dem Landrat bei seiner Stippvisite vor Ort. „Die haben uns erst in der Nacht zu Sonntag mit Sandsäcken versorgt. Das war viel zu spät. Da stand das Wasser schon zwei Tage bei uns im Keller“, regt sich Nitz auf.

Gemeinde mit Ausnahmezustand überfordert

„Klar gab es überall sehr viel Wasser. Aber es alles läuft aus der Region zu uns ab“, greift Matthias Krüger in das Gespräch mit Weskamp ein. „Das ist hier ehemaliges Sumpfgebiet und auch kein Geheimnis, dass wir in einer Senke wohnen“, sagt der Verwaltungsangestellte.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sind seit Tagen im Dauereinsatz

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sind seit Tagen im Dauereinsatz.

Quelle: dpa

Viel zu spät habe der Landkreis am Samstagabend die Koordinierung des Einsatzes übernommen, da die Gemeinde selbst sich überfordert sah, betont Krüger. „Wir haben in der Gemeinde gerade mal 30 eigene Freiwillige Feuerwehrleute.

In der Verwaltung sitzen 28 Angestellte“, stimmt ihm der amtierende Bürgermeister Martin Rother zu. Mit aller Macht und an der Grenze der Belastbarkeit seien 20.000 Sandsäcke verbaut worden. „Und wir haben gar nicht das Fachwissen, wie wir mit diesem Ausnahmezustand klarkommen sollen“, fügt Rother hinzu.

Fäkalien werden in die Straßen gedrückt

Wegen der angrenzenden Trassen der Bundesstraße 96 und des Berliner Autobahnrings konnte das Wasser im Ort kaum abfließen. „Sie wirken sich wie künstliche Deiche aus“, bestätigt auch Kreisbrandmeister Steffen Malucha.

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Auch am Freitag hatten die Einsatz- und Rettungskräfte in Oranienburg und den anderen Orten von Oberhavel jede Menge zu tun. Die Leegebrucher hat es besonders schwer erwischt.

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Erste Abpumpversuche brachten von Freitag zu Samstag zunächst Entspannung. Nachdrängendes Wasser aus Richtung Norden erschwerte zunehmend die Pumparbeiten und die Lage verschärfte sich in der Nacht zu Sonntag. Ein Polizeihubschrauber kreiste am Sonntagmittag über der Gemeinde, um den Helfern per Videoaufnahmen einen Überblick zu verschaffen. „Niemand wird von uns allein gelassen. Wir haben die Lage nicht unterschätzt“, betont Weskamp.

Große Sorge bereitet dem SPD-Politiker jedoch, dass Fäkalien in die Straßen gedrückt wurden. „Ja, ganz richtig: Auch wir haben Angst vor Krankheiten, wenn beispielsweise unsere Kinder mit der braunen Brühe in Kontakt kommen. Sie müssen was tun“, fordert Matthias Krüger.

Als am Sonntagnachmittag der Regen wieder droht, blicken die Menschen in Leegebruch wieder mit bangen Blicken in Richtung Himmel.

Von Georg-Stefan Russew/MAZonline

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