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Brandenburg Anwohner und Helfer trauern um Elias
Brandenburg Anwohner und Helfer trauern um Elias
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17:14 31.10.2015
Traurige Gewissheit: Elias ist tot. Die Potsdamer trauern um den Sechsjährigen. Sie haben Kerzen bei einer Gedenkveranstaltung aufgestellt. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Anja Berger war es, die Elias Familie angerufen hat. Ihr am Freitag mitteilte, dass ihr Junge wahrscheinlich nicht mehr lebt. Dass der mutmaßliche Mörder des kleinen Mohamed (4) auch Elias (6) aus Potsdam auf dem Gewissen hat. „Als ich das im Internet gelesen habe, habe ich am ganzen Leib gezittert“, sagt die 28-jährige Freundin der Familie. Sie ging mit dem Lebensgefährten von Elias Mutter zur Schule, hat bei der Suche nach dem Jungen aus dem Potsdamer Stadtteil am Schlaatz geholfen.

Die Familie habe zum Zeitpunkt ihres Anrufs noch nichts Näheres gewusst, die Kriminalpolizei hatte ihren Besuch gerade erst angekündigt ohne Näheres zu sagen. Dass die Ungewissheit über Elias Schicksal nun ein Ende hat, helfe überhaupt nicht, sagt Anja Berger. Was helfe, sei die Anteilnahme der Anwohner.

Anja Berger ist eine Freundin der Familie. Als sie von dem Tod des kleinen Elias erfuhr, zitterte sie am ganzen Leib. Quelle: Julian Stähle

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Kerzen für Elias, Mohamed – und Inga

Rund 100 Potsdamer haben sich am Freitagabend vor dem Bürgerhaus am Schlaatz versammelt, um gemeinsam um Elias zu trauern. Sie zünden Kerzen an, stellen sie auf die Steinstufen. Ein Bild von Elias steht da. Das Foto, das ganz Deutschland von den Fahndungsaufrufen kennt. Auch ein Bild des getöteten Mohamed aus Berlin lehnt an einer Treppenstufe. Später bringt jemand ein Foto der kleinen Inga aus Sachsen-Anhalt vorbei, die seit Monaten vermisst wird. Ob Silvio S., der die Tötung von Elias und Mohamed gestanden hat, auch für Ingas Verschwinden verantwortlich ist – bislang gehen die Ermittler nicht davon aus, prüfen aber Zusammenhänge.

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Viele haben die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgegeben, Elias könnte irgendwann gesund zu seiner Mutter zurückkehren. Doch seit Freitag gibt es die traurige Gewissheit: Der 6-Jährige wurde entführt und getötet. Bei einer Gedenkveranstaltung haben sich rund 100 Menschen getroffen, um an Elias und Mohamed zu gedenken.

Dass Mohameds Entführer auch mit dem Fall Elias zu tun haben könnte, habe sie sich früh gedacht, sagt Anja Berger. „Ich hatte so ein ungutes Gefühl.“ Die 28-Jährige nimmt all ihre Kraft zusammen und hält auf der Treppe eine kleine Rede. Sie bedankt sich bei den Helfern, die nach Elias gesucht haben.

Hoffnung bis zuletzt

Zu wissen, dass Elias wohl schon tot war, während sie unermüdlich nach ihm fahndeten, sei zwar schlimm, aber nicht das Schlimmste an diesem Freitag, sagt Helferin Gabi Franz. „Die Suche war trotzdem nicht umsonst“, betont die Babelsbergerin, die den Versorgungsstützpunkt für die Helfer organisiert hat. „Wir hatten bis zuletzt die Hoffnung, dass Elias noch lebt.“

Gabi Franz war Helferin der ersten Stunde. Sie leitete die Organisation am Versorgungsstützpunkt im Schlaatz. Bis zur schrecklichen Nachricht am Freitag hatte sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Quelle: julian stähle

Sichtlich schwer fällt es auch den Kindern zu begreifen, was geschehen ist. In der Schule hätten sie über Elias gesprochen. Und darüber, dass sie nicht mit Fremden mitgehen und wachsam sein sollen, erzählt Tim (12). Er ist mit seiner Mutter zum Bürgerhaus gekommen. Die Familie wohnte nur drei Aufgänge von Elias Wohnung entfernt. „Elias und Mohamed sind jetzt im Himmel“ – das habe sie ihren drei Kindern erklärt, sagt Stephanie Kother, eine andere Nachbarin.

Zerbrechlichkeit des Lebens wertschätzen

Auch vier Notfallseelsorger des Landes Brandenburg sind vor Ort. „Viel tun können wir auch nicht. Aber wir können eine Schulter bieten und stützen“, sagt Leiter Stefan Baier, der schon bei Elias Verschwinden Kontakt zu den Helfern gesucht hatte. Dass der Junge wohl einem Verbrecher zum Opfer gefallen ist, mache die Trauer „einfacher und schwerer zugleich“, erklärt er. Schwerer, weil es für alle Beteiligten unfassbar sei, wie ein Mensch so etwas tun könne. Gleichzeitig, sagt Baier, „hat der Zorn nun eine Richtung“. Über den Täter zu richten sei aber Aufgabe der Justiz. Baier bleibt am Ende nur ein Appell: „Wir müssen die Zerbrechlichkeit des Lebens wertschätzen und aufpassen auf die Kinder.“

Von Marion Kaufmann

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