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Apotheken geht der Nachwuchs aus

Gesundheit Apotheken geht der Nachwuchs aus

Fast ein Drittel der Inhaber von Apotheken in Brandenburg geht in den nächsten zehn Jahren in Rente. Nachfolger finden sich schon heute nur mühsam, doch das Land reagiert dennoch sehr gelassen auf den drohenden Notstand.

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Quelle: dpa

Potsdam. Brandenburgs Apothekenlandschaft steht vor einem Umbruch: Fast ein Drittel der Inhaber geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand, und Nachfolger finden sich schon jetzt nur mühsam. „Aufgrund des sehr hohen Anteils an selbstständigen Apothekern in einigen Landkreisen und kreisfreien Städten, die über 55 Jahre als sind, besteht ein großes Risiko, dass es mittelfristig zu regionalen Versorgungsengpässen in Brandenburg kommen könnte“, heißt es in einer noch unveröffentlichten Fachkräftebedarfsanalyse der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB).

„In zehn Jahren erreichen 30 Prozent der Apothekeninhaber in Brandenburg das Rentenalter. Wir haben arge Sorgen, dass wir dann nicht mehr genügend Apotheker haben“, sagte Jens Dobbert, Präsident der Landesapothekerkammer, im Gespräch mit der MAZ. Hinzu komme, dass der letzte Ausbildungsjahrgang aus DDR-Zeiten allmählich das Rentenalter erreiche: die Pharmazieingenieure. Sie dürfen aufgrund ihrer besonderen Ausbildung Apotheken vorübergehend leiten – etwa als Urlaubsvertretung. Auch deren Arbeitskraft muss deswegen zum Teil durch studierte Pharmazeuten ersetzt werden. „Es besteht also doppelter Handlungsdruck“, so Dobbert.

Bedarf an Apotheken steigt mit dem Durchschnittsalter der Bevölkerung

Auch in dem Gutachten der ZAB heißt es mit Blick auf diese Berufsgruppe: „Entsprechend verschärfen die Entwicklungen bei den Pharmazieingenieuren die Fachkräftesituation bei den Apothekern.“ Durch den demografischen Wandel und die Zunahme der älteren Bevölkerung steige der Bedarf an Apotheken künftig sogar tendenziell, heißt es weiter. Bis 2025 prognostiziert die Expertise einen Fachkräftebedarf von 780 Personen bis 1100 Personen, je nach Marktwachstum.

Um dem gerecht zu werden, müsse die Ausbildung in Brandenburg endlich ermöglicht werden, so Dobbert. Der Apothekerpräsident fordert von der Landesregierung die Einrichtung eines entsprechenden Studienangebots, das es bislang nicht gibt. „Brandenburg ist neben Bremen das einzige Bundesland ohne Pharmaziestudiengang“, erklärte er. Die Ausbildungszahlen in Berlin seien rückläufig, zudem machen sich nicht alle Absolventen selbstständig. Einen Großteil zieht es in die Forschung, zu Pharmaunternehmen oder in den Westen, wo die Verdienstmöglichkeiten höher sind. Das ZAB-Gutachten kommt zu dem Schluss: „Zentrales Instrument der Fachkräftesicherung ist ... eine Forcierung der Ausbildungsaktivitäten.“ Brandenburg müsse sich entweder an den Ausbildungskosten anderer Länder beteiligen oder über den Aufbau eines eigenen Studienangebots nachdenken, so das Resümee. Außerdem müssten – ähnlich wie bei Ärzten – Anreize für die Übernahme von Apotheken auf dem Land geprüft werden,

Landesregierung sieht keinen Handlungsdruck

Doch aus Sicht der Landesregierung besteht momentan kein Handlungsdruck. „Wir sehen derzeit keinen Bedarf an einem eigenen Pharmazie-Studiengang in Brandenburg“, sagte Martin Sand, Sprecher des Wissenschaftsministeriums. Mehrere Universitäten in Ostdeutschland würden entsprechende Angebote vorhalten, deren Absolventen nach Brandenburg kommen könnten.

Von Torsten Gellner

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