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Arme Kinder haben öfter Sprachprobleme

Daten des Landesgesundheitsamtes Brandenburg Arme Kinder haben öfter Sprachprobleme

Jedes fünfte Brandenburger Kind kann nicht richtig sprechen. Bei Schulanfängern aus sozial schwachen Familien beträgt der Anteil der Sprachstörungen sogar 40 Prozent. Das behauptet das Brandenburger Gesundheitsministerium, doch das Bildungsministerium widerspricht.

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Sprachprobleme wie Stottern treten in Brandenburg häufiger bei Kindern aus sozial schwachen Familien auf.

Quelle: dpa

Potsdam. Lispeln, Stottern oder Nuscheln: Jedes fünfte Brandenburger Kind im Einschulungsalter hat eine Sprachstörung, ein Anstieg um über drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigen Daten des Landesgesundheitsamtes, die Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) am Mittwoch anlässlich der zweiten Kindergesundheitskonferenz in Potsdam vorgestellt hat. „Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien bedürfen unserer besonderen Aufmerksamkeit“, sagte Tack. Bei ihnen betrug der Anteil der Sprachstörungen rund 40 Prozent. „Deshalb brauchen wir ein bundesweites Präventionsgesetz“, so die Ministerin.

Der Einfluss des Sozialstatus’ zeigt sich laut Landesgesundheitsamt auch regional: Negativer Spitzenreiter ist Frankfurt (Oder), wo der Anteil der Schulanfänger mit Sprachstörungen 30 Prozent betrug. Am niedrigsten war der Wert in Potsdam mit 9,9 Prozent. Zudem sind Jungen mit einem Anteil von 23,1 Prozent häufiger von Sprachstörungen betroffen als Mädchen mit 17,4 Prozent.

Kindergesundheit im Überblick

  • Die emotionalen und sozialen Störungen haben bei den Einschülern zugenommen, von 3,5 Prozent auf 8,2 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Auch hier spielen soziale Faktoren eine große Rolle.
  • Bei den Bewegungsstörungen gibt es einen Anstieg von 3,9 Prozent im Jahr 2006 auf 6,5 Prozent im Jahr 2013.
  • Die Zahngesundheit hat sich dagegen verbessert: So ist der Anteil der Fünfjährigen ohne Karies in den vergangenen zehn Jahren von 52 Prozent auf 65 Prozent gestiegen.
  • Starkes Übergewicht haben rund drei bis vier Prozent der Kinder zum Zeitpunkt ihrer Einschulung. Der Wert ist seit Jahren konstant. ang

Ob ein Kind richtig sprechen lernt oder nicht, hängt unter anderem maßgeblich vom Medienkonsum ab, sagte Thomas Erler, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus. „Es gibt Kinder, die können kaum laufen und haben schon ein technisches Gerät in der Hand.“ Die direkte Kommunikation zwischen Eltern und Kindern kommt dadurch zu kurz, beklagt auch Bärbel Mehmel, die die Schule für Logopädie am Potsdamer Institut für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege leitet. „Es entstehen kaum Dialoge.“ Die Folge: Kinder starten ihre Schullaufbahn gehandicapt, was zu Frustration und massiven Lernproblemen führen könne. Laut Gesundheitsamt entwickeln mehr als 50 Prozent der Betroffenen eine Lese-Rechtschreibschwäche.

Das Bildungsministerium, das den Sprachförderbedarf in den Kitas erhebt, bezweifelt indes den negativen Trend. „Der Anstieg bildet sich in unseren Daten nicht ab“, heißt es. Zudem verweist Sprecherin Antje Grabley auf eine Reihe von Sprachförderprogrammen. Seit 2006 seien dafür 2500 Erzieherinnen ausgebildet worden. Kinder, bei denen ein Defizit festgestellt wird, nähmen an einem Förderkurs teil. Dieser komme aber oft zu spät, findet Melanie Eichhorst von der Kita-Initiative Brandenburg. Sie macht auch den Betreuungsschlüssel in den Kitas für das Problem verantwortlich. „Wenn auf eine Erzieherin zwölf Kinder kommen, kann man sich vorstellen, dass mit ruhigeren Kindern weniger geredet wird.“

Von Angelika Pentsi

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